Lexipedia

Schläpfer Therese · Nationalrat · 2020-06-18

Schläpfer Therese · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2020-06-18

Wortprotokoll

Der Bundesrat soll beauftragt werden aufzuzeigen, welche Massnahmen bereits getroffen wurden oder anzustossen wären, damit die Wissenschaft und das Gesundheitspersonal in den Bereichen Forschung, Prävention und Pflege die spezifischen Bedürfnisse der Frauen besser berücksichtigen. In der Begründung der Forderung wird die Behauptung aufgestellt, dass die Geschlechter in den Bereichen Forschung, Prävention und Pflege ungleich behandelt würden. Dies können meine Nachforschungen und meine Beobachtungen aus dem Alltag sowie die höhere Lebenserwartung der Frauen widerlegen.

In der Pflege wird heutzutage grosser Wert darauf gelegt, dass sich Pflegende gegen sexuelle Belästigungen schützen können. Sie werden schon in der Ausbildung auf mögliche unangenehme Situationen vorbereitet. Auf der Website des Schweizer Berufsverbands der Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner (SBK) findet man einen 52-seitigen Leitfaden, in dem sich die Pflegenden darüber informieren können, weshalb solche Situationen entstehen können und wie sie sich verhalten sollen. Ebenfalls werden Schwachstellen aufgezeigt, welche es, falls sie noch vorhanden sind, abzuschaffen gilt, so z. B. eine alte Symbolzeichnung einer Krankenschwester auf dem Rufknopf des Patienten, die einer Verniedlichung des Berufsbildes der Pflegefachfrau Vorschub leistet.

Die Forschung unterliegt regulatorischen Bestimmungen, wie z. B. jenen von Swissmedic, welche erfordern, dass für klinische Studien eine möglichst repräsentative Probandengruppe - also Männer und Frauen - zusammengestellt wird. Die Industrie hat keinerlei Interesse daran, Studien nur an Männern durchzuführen. Bei den Probandengruppen für die Forschung gibt es gewisse Unterschiede bei der Vertretung von Männern und Frauen. Diese sind aber dadurch begründet, dass man das Risiko für Frauen im gebärfähigen Alter während der Schwangerschaft und Stillzeit minimieren möchte. Dies ist also eine Rücksichtnahme auf die Frauen.

Es kann aufgezeigt werden, dass in drei typisch weiblichen Problemfeldern wie Gebärmutterhalskrebs, Osteoporose und Brustkrebs sehr viel getan wurde und immer noch getan wird. Frauen werden schon früh auf mögliche Risiken und darauf, wie sie sich angemessen verhalten können, aufmerksam gemacht. Auf eine gute Gesundheit und eine gute Ernährung werdender Mütter und ihrer Babys wird grosser Wert gelegt, und dies schon seit Jahrzehnten. Wer selbst schon schwanger war, kann dies bestätigen.

Die höhere Lebenserwartung der Frauen lässt darauf schliessen, dass sie auch in der Prävention ein spezielles Augenmerk geniessen. Ich denke dabei an Suchtmittel, bei welchen die Auswirkungen unterschieden werden und schon immer unterschieden wurden. Beim Alkoholkonsum wird speziell darauf hingewiesen, dass Frauen ihre Gesundheit schon mit kleineren Mengen gefährden als Männer. Man kann davon ausgehen, dass durch gynäkologische Routineuntersuchungen sowie Mammografien schon bei jungen Frauen ein sensibleres Körpergefühl entsteht als bei Männern.

Die Unterstellung in diesem Postulat, die Frauen seien im medizinischen Bereich benachteiligt, kann mit gutem Gewissen widerlegt werden. 70 Prozent der Uni-Abgänger und -Abgängerinnen nach einem Medizinstudium sind Frauen. Sie sind also in grosser Überzahl. Daraus kann geschlossen werden, dass sie die spezifischen Bedürfnisse der Frauen bestens kennen und ihnen vermehrt Rechnung tragen werden. Es trifft nicht zu, dass Frauen Opfer von geschlechtsspezifischen gesellschaftlichen Konstrukten im Gesundheitswesen sind, wie der Vorwurf in diesem Postulat lautet.

Obwohl die Umsetzung möglicher Massnahmen nicht in der Kompetenz des Bundes liegt, will sich der Bundesrat den Aufwand einer Studie machen. Darauf kann getrost verzichtet werden. Das chancengleiche Gesundheitssystem gibt es bereits. Falls die Postulantin doch noch eine allfällige Marktnische entdeckt, rate ich ihr, sich bei den Pharmaunternehmen zu melden. Sie würden es ihr danken.

Aus diesen Gründen empfehle ich Ihnen, das Postulat abzulehnen.