Leumann-Würsch Helen · Ständerat · 2002-09-16
Leumann-Würsch Helen · Ständerat · Luzern · Freisinnig-demokratische Fraktion · 2002-09-16
Wortprotokoll
Das Armeeausbildungszentrum Luzern (AAL) wurde als Kaderschmiede der Schweizer Armee konzipiert und gebaut. Der Bund hat dafür mit dem Kanton Luzern 72 Millionen Franken aufgewendet. Das AAL hat seinen Betrieb im April 2000 aufgenommen; unbefriedigend ist, dass die Auslastung unter 50 Prozent liegt. Natürlich geht es in meinem Postulat auch um die Interessen des Kantons Luzern, aber es geht auch darum, dass investierte Gelder des Bundes optimal genutzt werden. Das AAL hat sich in den vergangenen zwei Jahren einen sehr guten Namen geschaffen. Es ist in den Köpfen der höheren Kader - und nicht nur dort - gut platziert, und die Bedeutung des Luzerner Ausbildungszentrums ist unumstritten.
Es war auch durchaus richtig, dass alle höheren Kaderausbildungen unter einen Hut genommen und Doktrin und Ausbildungsausrichtung vereinheitlicht wurden. Zwischen den verschiedenen Lehrgängen wurden Synergien genutzt; die Ausbildung wurde tatsächlich vereinheitlicht, und eine einheitliche Führungspsychologie hat sich bei allen Lehrgängen durchgesetzt.
[PAGE 565] In den kommenden Monaten geht es nun um den Standort des Kommandos der Höheren Kaderausbildung der Armee (HKA). Die Standorte Luzern und Bern stehen in Konkurrenz zueinander; es besteht die Gefahr, dass mit dem Entscheid bezüglich der HKA der Erfolg, den wir bis jetzt haben, wieder gekappt wird. Es ist nämlich zu befürchten, dass die HKA in Bern platziert werden soll. Damit besteht die Gefahr, dass sich wieder verschiedene Lehrgänge, verschiedene Führungspsychologien, verschiedene Doktrinen entwickeln werden. Kann sich das die Armee wirklich leisten?
Das Label AAL muss bestehen bleiben, denn sonst wird es bedeutungslos. An dieses Label muss auch eine einheitliche Struktur und Organisation angeknüpft werden. Dabei ist nicht nur die innerschweizerische Auswirkung wichtig, sondern auch der internationale Klang. Ein Haus mit verschiedenen Lehrgängen ohne einheitliche Doktrin und Führungspsychologie würde auch für das Ausland nicht mehr dieselbe Bedeutung haben. Internationale Kurse, Übungen oder Symposien würden längerfristig auf verschiedene Standorte verteilt. Das Label AAL ist aber für die Schweiz und für die Armee von Bedeutung. Das Marketing, die PR für die Armee sind vor allem auch innerhalb der Schweiz wichtig. Je stärker das Marketing für das AAL ist, umso besser ist auch die positive Auswirkung auf die Haltung der Bevölkerung gegenüber der Armee.
Die Gefährdung der Bedeutung des AAL zeigt sich auch darin, dass der Führungslehrgang I in Bern platziert wurde. Dieser Führungslehrgang für Einheitskommandanten gehört zur höheren Kaderausbildung. Der Einheitskommandant bildet zusammen mit dem Bataillonskommandanten die wichtige Einsatzeinheit; sie müssen am selben Ort und mit derselben Doktrin ausgebildet werden. Eine einheitliche Doktrin ist aber nur gewährleistet, wenn auch dieser Führungslehrgang bei den anderen Lehrgängen der höheren Ausbildungskurse platziert ist. Die Gefahr der Absplitterung weiterer solcher Kurse nach irgendeinem Standort ist gegeben, wenn diese einheitliche Struktur und Organisation nicht mehr gewährleistet sind.
In diesem Sinn wäre es eben auch sinnvoll, wenn der Führungslehrgang I im AAL stattfinden würde, denn es hat genügend Kapazitäten, ihn dort durchzuführen. Meines Erachtens müsste der Kommandant des AAL gleichzeitig auch der Kommandant der HKA sein. Damit müsste der Stab im Armeeausbildungszentrum, welcher für die Lehrgänge bereits besteht - wie zentrale Dienste, Controlling, Doktrin usw. -, nicht nochmals geschaffen werden. Es besteht sonst die Gefahr von zwei Stäben, die nicht auf einheitlicher Linie fahren. Sie sehen, es geht nicht nur um den Standort Luzern, sondern um eine gute Organisation der höheren Kaderausbildung der Armee. Es geht mir um eine einheitliche Ausrichtung und eine einheitliche Doktrin. Das Umsetzen dieser einheitlichen Ausrichtung muss sich auch in der Organisation entsprechend niederschlagen.
Ich werde am Postulat festhalten.