Bellaïche Judith · Nationalrat · 2020-09-16
Bellaïche Judith · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2020-09-16
Wortprotokoll
Wir teilen das Ziel der Initiantin; es geht um die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, da haben wir keine Diskrepanz.
Allerdings ist das Arbeitspensum grundsätzlich Verhandlungssache zwischen den Vertragsparteien und soll zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausgehandelt und beschlossen werden. Rechtlich spricht nichts gegen eine Arbeitspensumsreduktion, weder für den Vater noch für die Mutter. Ein guter Arbeitnehmer, der Vater wird, ein guter Arbeitnehmer mit einem ausgezeichneten Leistungsausweis und einem einwandfreien Leumund, dem sollte es eigentlich gelingen, eine bescheidene Arbeitspensumsreduktion durchzusetzen - das schaffen Frauen nach der Geburt schliesslich auch.
Wenn wir jedoch einen Anspruch auf eine Arbeitspensumsreduktion schaffen, schaffen wir in unserer Gesellschaft eine neue Ungleichheit zwischen Menschen mit Kindern und Menschen ohne Kinder. Die Gesellschaft baut aber auf einer bunten Mischung auf, und nicht nur auf Paaren oder Menschen mit Kindern.
Auch kinderlose Paare oder kinderlose Menschen haben sehr legitime Interessen, ihr Arbeitspensum zu reduzieren, sei es für die Zivilgesellschaft, sei es für die Pflege kranker Eltern oder Verwandter oder für ganz andere Projekte zugunsten unserer Gesellschaft. Ihnen gewähren wir diesen Anspruch auf Pensumsreduktion nicht. Das entspricht einer neuen Diskriminierung, das wollen wir verhindern. Wir sollten uns für die Gleichstellung von Menschen mit Kindern und Menschen ohne Kinder einsetzen. Diese neue Privilegierung schafft ein schwieriges Spannungsfeld zwischen Menschengruppen.
Wir bitten Sie, der Mehrheit zu folgen und der parlamentarischen Initiative keine Folge zu geben. [PAGE 1595]