Reimann Maximilian · Ständerat · 2002-09-24
Reimann Maximilian · Ständerat · Aargau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-09-24
Wortprotokoll
Diese Interpellation basiert auf der Annahme, beim neuen Verwaltungsratspräsidenten der Post handle es sich um eine ungenügend qualifizierte Person. Als Beweis für diese Behauptung verweist der Interpellant auf die Tatsache, dass Herr Menth zum Zeitpunkt seiner Wahl an die Spitze der Post den gleichen Rang bzw. die gleiche Position bei der Tornos-Werkzeugmaschinenfabrik innehatte. Die Tornos befand sich damals - und befindet sich heute noch - in einer sehr schwierigen Lage. Kollege Gentil versucht nun, die Schwierigkeiten der Tornos praktisch ausschliesslich Herrn Menth in die Schuhe zu schieben, und zwar mit dem Kernsatz: "Anscheinend befindet sich aber die Firma Tornos .... in grossen Schwierigkeiten, die gemäss den meisten Beobachtern dem fragwürdigen Management des Konzernleiters zuzuschreiben sind."
Der Bundesrat äussert sich in seiner Antwort nicht zu diesem massiven Vorwurf. Er beschränkt sich auf die Feststellung, die Ereignisse bei Tornos nicht kommentieren zu wollen. Das ist an sich richtig, Herr Bundesrat. Damit bleibt aber der schwere Vorwurf des Missmanagements Herrn Menth gegenüber im Raum und damit auch im Amtlichen Bulletin stehen. Da ist immerhin - deshalb habe ich die Diskussion gewünscht - eine Replik am Platz, denn so darf und kann diese Anschuldigung nicht im Raum stehen bleiben.
Herr Menth blickt auf eine erfolgreiche Karriere als Ingenieur in Wirtschaft und Wissenschaft, in Forschung und Entwicklung zurück. Auch bei der Firma Tornos, die sich 1995 in einer tiefen Existenzkrise befand, als Herr Menth in deren oberste Leitung gerufen wurde, hatte er in den ersten Jahren durchschlagenden Erfolg. Ab dem Jahr 2001 aber lief die Zeit gegen Tornos, und zwar als Folge des massiven Einbruchs in der Telekommunikations-Ausrüsterbranche. Zu den wichtigsten Kunden von Tornos gehören aus dieser Branche Firmen wie Alcatel, Lucent, Nortel oder Ascom, die innert kürzester Zeit alle ihre Bestellungen bei Tornos annullierten oder hinausschoben - ein Schicksal, das auch andere, gleich gelagerte Maschinenfabriken teilen, in Deutschland etwa die renommierte Babcock Borsig. Zudem hatte Tornos das Pech, in schwieriger Zeit keine industriellen Partner finden zu können, und die Banken haben sich der Firma gegenüber auch nicht eben grosszügig gezeigt. Aber das sind die Tatsachen: ungünstige wirtschaftliche und strukturelle Rahmenbedingungen, die die Tornos-Gruppe innert weniger Jahre leider ein zweites Mal und praktisch aus heiterem Himmel in die Krise gestürzt haben.
Daran konnte leider auch Anton Menth nichts mehr ändern. Ihn nun einseitig als Versager darzustellen ist ungerecht, ist nicht fair, und das wollte ich im Nachgang zu dieser Interpellation immerhin zuhanden des Amtlichen Bulletins gesagt haben. Deshalb verdient auch die Haltung des Bundesrates meine volle Anerkennung, wenn er an der Wahl von Herrn Menth festgehalten hat und ihn an seiner künftigen Leistung messen wird.