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Bürgi Hermann · Ständerat · 2002-09-24

Bürgi Hermann · Ständerat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2002-09-24

Wortprotokoll

In der Interpellation Hess Hans wird auch darauf hingewiesen, dass der Verwendung von Holz als Energieträger vermehrt Beachtung zu schenken ist. Auf diesen Gesichtspunkt der Nutzung der Holzenergie wird in der Antwort nicht eingegangen. Ich bin der Meinung, dass wir, im Sinne einer umfassenden Beantwortung der Frage und Behandlung dieser Thematik, auch den Bereich des Energieholzverbrauches noch kurz streifen sollten.

Es ist eine Tatsache, dass im Jahre 2000 der Holzanteil am gesamten Energieverbrauch lediglich 2,3 Prozent ausmachte. Wenn wir diese Grössenordnung in Beziehung zur Situation im Wald setzen, gibt das schon zu denken. Es ist eine Tatsache, dass der Schweizer Wald insgesamt sehr zurückhaltend genutzt wird. Der jährliche Holzzuwachs wird auf 9 bis 10 Millionen Kubikmeter geschätzt. Die durchschnittliche Jahresnutzung beträgt etwa 4,5 Millionen Kubikmeter, das heisst lediglich rund die Hälfte.

Der Energieholzanteil liegt etwa bei 2,5 Millionen Kubikmeter. Man spricht beim Energieholzverbrauch von einem Potenzial von rund 5 Millionen Kubikmetern. Damit steht fest, dass diese Menge energetisch ohne weiteres genutzt werden könnte, ohne die Wälder zu übernutzen oder andere höherwertige Verwendungszwecke des Holzes zu konkurrenzieren, insbesondere die Verwendung von Holz als Baustoff.

Es liegt deshalb im Interesse der Erhaltung unseres Waldes, dass der Energieholznutzungsanteil massiv gesteigert wird. Diese Forderung steht auch im Einklang mit der schweizerischen Energiepolitik, Herr Bundesrat. Eines der wichtigsten Ziele ist ja die Senkung des Verbrauchs fossiler Energie und die Senkung der CO2-Immissionen auf das Niveau von 1990. Und zur Erreichung dieser Ziele spielt das Holz, dank des grossen Potenzials und dank seiner CO2-Neutralität, eine wichtige Rolle. Fachleute sind überzeugt, dass etwa 10 Prozent des Wärmeenergieverbrauchs mit Holz abgedeckt werden könnten. Wenn man dieses Ziel erreichen würde, käme das einer Verdoppelung gleich.

Der Bundesrat verweist wohl auf Förderprogramme, Stichwörter "Energie Schweiz", "Holz 21" usw. In der Interpellationsantwort wird auch erklärt, dass wegen der zu geringen Holznutzung ein Handlungsbedarf bestehe. Aber die Konsequenzen, Herr Bundesrat, die daraus gezogen werden, sind dann schon etwas zögerlich, wenn ich am Schluss der Interpellationsantwort lese, dass bis ins Jahr 2010 die Grundlagen für eine Steigerung des Absatzes und der Verwendung von Schweizer Holz geschaffen werden sollen. Das sind dann noch rund zehn Jahre. Wenn ich davon ausgehe, dass wir jetzt nur die Hälfte des Holzzuwachses verbrauchen, dann können Sie sich ausrechnen, wieviel Holz da zuwächst, ohne dass es genutzt wird, und welche Folgen das für den Zustand des Schweizer Waldes hat. Ich bin also der Meinung, dass man sich bei allen Bemühungen, den Holzabsatz und insbesondere eben auch den Energieholzabsatz zu steigern, etwas mehr Tempo auferlegen sollte.

Noch ein weiterer Punkt im Zusammenhang mit der Energieholznutzung: Es ist ja so, dass die Förderung der erneuerbaren Energien an die Kantone delegiert worden ist. Es ist jetzt festzustellen, dass in diesem Land aufgrund dieser Tatsache sehr erhebliche Unterschiede bestehen. Es sind unterschiedliche Fördersysteme vorhanden; die Förderungsprogramme in Bezug auf die Beiträge sind ebenfalls sehr unterschiedlich. Aus meiner Sicht wäre es wünschenswert, wenn der Bund hier vermehrt eine Koordinationsaufgabe wahrnehmen würde. Im Zusammenhang mit der Luftreinhalte-Verordnung sollen auch Revisionen anstehen. Dann wäre es natürlich kontraproduktiv, wenn im Bereich der Holzfeuerungen allenfalls noch schärfere Vorschriften eingeführt würden, als sie jetzt schon bestehen.

Ich bin deshalb der Meinung, dass die Förderung der Holzenergie im Interesse des Waldes und im Interesse der Energiepolitik vermehrt an die Hand zu nehmen ist, dass mehr zu unternehmen ist. Ich schliesse, Herr Bundesrat, mit einem [PAGE 738] Zitat von Ihnen; Sie haben erklärt: "Holz kann in den nächsten Jahren von allen erneuerbaren Energien den grössten Beitrag an die Verminderung des Treibhauseffektes leisten. Kein Wunder also, dass auch der Bundesrat auf die Wärme aus dem Wald setzt." Dem ist nichts mehr beizufügen als der Wunsch, das möge eintreten.