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Andrey Gerhard · Nationalrat · 2020-12-01

Andrey Gerhard · Nationalrat · Freiburg · Grüne Fraktion · 2020-12-01

Wortprotokoll

Vergangene Woche konnte man in den Medien lesen, dass ein durchschnittlicher Haushalt in der Schweiz rund 1500 Franken pro Monat auf die Seite legen kann. Das ist eindrücklich. Es ist aber eben nur der Durchschnitt. Die Zahlen haben nämlich auch gezeigt, dass die unzähligen Haushalte mit niedrigen Einkommen gar nichts auf die Seite legen können. Und wenn man zu wenig verdient, um etwas auf die Seite legen zu können, dann lebt man von der Hand in den Mund. Nun stellen Sie sich vor, dass Sie Vollzeit arbeiten und im Monat ein Nettoeinkommen von unter 4000 Franken verdienen. Mit diesem Geld müssen Sie Kinder mitversorgen. Sie können nichts zur Seite legen, und Sie haben auch nichts auf der Seite. In dieser Situation werden Ihnen von einem Tag auf den anderen noch einmal 20 Prozent Ihres Einkommens gestrichen, und das, ohne dass sich an Ihren Fixkosten etwas geändert hätte. Wegen Covid-19 würden diese 20 Prozent Ihres Einkommens nicht nur kurzfristig, sondern über Monate gestrichen. Das ist hart, sehr hart, und deshalb stellt das folgerichtig einen Härtefall dar.

Ich bitte Sie, der Minderheit zu folgen und Arbeitnehmenden mit einem Nettoeinkommen unter 4000 Franken nicht 80, sondern 100 Prozent Kurzarbeitsentschädigung zu gewähren. Diese Menschen mit Jobs am untersten Ende der Einkommensskala sollen vor dem Gang zum Sozialamt bewahrt werden. Unsere Politik wird am Wohle der Schwächsten gemessen, so steht es in der Bundesverfassung. Dazu haben wir uns verpflichtet. Danke für die Aufmerksamkeit und die Unterstützung.

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