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Amherd Viola · Bundesrat · 2020-12-08

Amherd Viola · Bundesrat · Wallis · 2020-12-08

Wortprotokoll

Ich war nach der Lektüre der Magglingen-Protokolle sehr betroffen. Es ist für mich unverständlich, dass in der Schweiz Trainingsmethoden angewendet werden, die mich an eigentlich längst vergangene Zeiten erinnern. Es verschlägt einem die Sprache, wenn man hört, dass Kinder und Jugendliche mit massivem psychischem Druck zu Höchstleistungen getrieben werden. Das darf nicht sein.

Aus diesem Grund habe ich den Auftrag erteilt, eine unabhängige Untersuchung der Vorfälle vorzunehmen. Der Bericht soll eine Aufarbeitung beinhalten, soll aber auch mögliche Instrumente vorschlagen, wie man in Zukunft solche Fälle verhindern kann. Es ist uns klar, das wurde auch jetzt in der Debatte gesagt, dass eine Meldestelle natürlich nicht ausreicht. Es braucht verschiedene Massnahmen, die man treffen muss, dass man beispielsweise ein Früherkennungssystem einführt, damit man wirklich kontrollieren kann, ob die bestehende Ethik-Charta auch umgesetzt wird. In der Trainer- und Trainerinnen-Ausbildung wird in diesem Bereich bereits viel gemacht. Aber gibt es da noch Verbesserungsmöglichkeiten? All das muss angeschaut werden. Es gibt verschiedene Ansatzpunkte: Sollen die Verbände nur nach sportlichen Erfolgen finanziert werden? Auch diese Frage muss untersucht werden. Muss nicht auch die Komponente der Ethik bewertet werden und nicht nur die Medaillenränge? All das soll auch Teil dieser Untersuchung sein.

Damit wir uns richtig verstehen: Spitzensport verlangt den vollen Einsatz. Athletinnen und Athleten müssen auf viele Annehmlichkeiten verzichten, die andere Gleichaltrige haben. Es darf jedoch nicht sein, dass Höchstleistung mit einer unmenschlichen Trainingsgestaltung angestrebt wird. Kinder und Jugendliche müssen ihrem Alter entsprechend behandelt werden.

Nous soutenons généreusement le sport au moyen de fonds publics. Cela est justifié, car le sport déploie de multiples effets positifs, mais nous attendons aussi, en contrepartie, que les valeurs figurant dans la charte éthique soient respectées et défendues. La charte pose le principe essentiel selon lequel les mesures permettant d'atteindre les objectifs sportifs [PAGE 1248] ne doivent nuire ni à l'intégrité physique ni à l'intégrité psychique des sportives et des sportifs. Les fédérations sportives sont tenues de veiller et d'agir en conséquence. Il convient de réagir rapidement en cas d'irrégularité. Il est donc nécessaire de mettre en place un centre d'aide ou un service indépendant de signalement des abus.

Es ist für mich klar, dass es eine Meldestelle braucht. Das BASPO hat Swiss Olympic schon vor mehr als einem Jahr beauftragt, eine solche nationale Meldestelle aufzubauen; die Arbeiten dazu laufen.

Die Motion, die von der WBK erarbeitet wurde, lässt offen, wie eine solche Stelle konkret aufgebaut werden soll. Das belässt uns den notwendigen Spielraum, um auch die Rolle des Bundes festzulegen. Es ist klar, dass der Bund, das heisst das BASPO, beim Aufbau der Stelle mitwirken und Unterstützung leisten muss. Bis anhin hat es der Sport nicht alleine geschafft, eine nationale unabhängige Meldestelle zu installieren. Deshalb braucht es hier den Bund. Der Sport hat zunächst die dezentrale Methode - wenn ich das so sagen darf - angestrebt: Er hat gesagt, jeder Verband solle für sich eine Meldestelle aufbauen. Das wurde von vielen Verbänden gemacht, jedoch noch nicht von allen. Aber eben: Das funktioniert offenbar zu wenig. Deshalb sind wir der Meinung, dass hier Handlungsbedarf besteht.

Wenn jetzt der Bund diese Arbeiten unterstützt, stehen Fragen im Zusammenhang mit den Kompetenzen einer Meldestelle im Vordergrund: Kann sie durchgreifen oder kann sie nur Meldungen entgegennehmen? Letzteres würde wahrscheinlich wenig nützen. Das muss man genau studieren und anschauen. Dann geht es natürlich auch um die Festlegung der finanziellen Ausgestaltung. Allenfalls ist es möglich, dass sogar rechtliche Grundlagen auf Bundesebene angepasst werden müssen. Es ist jetzt in diesen Arbeiten enthalten, dass man das anschaut.

Die Motion schreibt auch nicht vor, wie die Finanzierung, wie die Organisation, wie die Struktur einer solchen Meldestelle aussehen muss. Die Partner, die hier zusammenarbeiten müssen - insbesondere Swiss Olympic und das BASPO -, sind in der Festlegung, was sinnvoll ist, frei. Der Bundesrat ist überzeugt, dass es eine unabhängige Meldestelle braucht und dass wir diese Arbeiten fortführen müssen.

Abschliessend kann ich sagen: Wie auch immer Ihr Rat jetzt entscheidet, ob er die Motion annimmt oder ablehnt, die Arbeiten sind am Laufen. Für uns ist klar, dass der Bund gemeinsam mit Swiss Olympic mit Hochdruck vorangehen und in Richtung dieser unabhängigen Meldestelle arbeiten muss - ich habe gesagt, sie müsse am 1. Januar 2022 in Betrieb sein. Diese Arbeiten müssen weitergeführt werden können. Das geschieht auch im Wissen, dass das nur ein Teil eines gesamten Massnahmenpaketes ist. Wir vom Departement und ich persönlich sind sehr interessiert daran, dass wir hier gute Lösungen finden.