Strupler Manuel · Nationalrat · 2021-03-08
Strupler Manuel · Nationalrat · Thurgau · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-03-08
Wortprotokoll
Bevor ich zu meinem Minderheitsantrag zur Position 504.A231.0412, "Covid-Finanzhilfen", bezüglich der Unterstützung des Breitensports komme, ist es mir wichtig zu erwähnen, dass dieser Antrag nicht gegen die Vereine und gegen die Wertschätzung ihrer Arbeit gerichtet ist. Ich bin als ehemaliger Schwinger, Handballer und Ringer von klein auf ein Teil dieses schönen Vereinslebens gewesen. Ich schätze das Vereinsangebot sehr und danke allen, die sich auf irgendeiner Stufe, meist ehrenamtlich, dafür einsetzen. Dem gilt es Sorge zu tragen.
Dem Vereinsleben Sorge tragen können wir aber nicht einfach mit einer Erhöhung der im Voranschlag vorgesehenen 100 Millionen Franken um weitere 50 Millionen Franken. Denn wenn ich mich in meinem Umfeld bei den Vereinen umhöre, erfahre ich, dass die meisten keine finanziellen Probleme haben, sind doch die Mitglieder beim Bezahlen der Beiträge solidarisch. Zudem entfallen viele Kosten bei den ehrenamtlich geführten Vereinen aufgrund des fehlenden Spielbetriebs sowieso. Ausserdem werden richtigerweise auch die Beiträge von "Jugend und Sport" weiter ausbezahlt, und auch weitere Unterstützungen von Sport-Toto, den Gemeinden und den Kantonen fliessen immer noch. Auch die meisten regionalen Sponsoren zeigen nach meiner Erfahrung grosse Solidarität mit den Vereinen und unterstützen sie weiter. Wenn finanzielle Engpässe bestehen, dann höchstens bei halbprofessionell geführten Abteilungen, Anlässen und Anlagen. Bei diesen Fällen sollten aber die 100 Millionen Franken, die Härtefalllösung, die Kurzarbeit und die allgemeinen Massnahmen greifen, wie es auch von Bundesrat Ueli Maurer bestätigt wurde.
Wo ich aber ein Problem sehe und wozu ich auch zahlreiche Rückmeldungen bekomme, sind die vielen Einschränkungen und Verbote bei den Trainings- und Vereinsaktivitäten. Für eine echte Unterstützung wäre es deshalb sinnvoller und richtig, sich dafür einzusetzen, dass wieder trainiert und gespielt werden kann. Denn es wäre schade, wenn sich jetzt Mitglieder durch diese Corona-Zwangspause von den Vereinen abwenden würden, was leider in einer immer stärker individualisierten Gesellschaft so oder so - auch ohne diese [PAGE 298] Einschränkungen - schon ein sehr grosses Problem für die Vereinstätigkeit ist. Dies ist längerfristig schädlicher, und die Auswirkungen sind grösser als die finanziellen Folgen.
Es ist für mich nach wie vor sehr unverständlich, dass gerade in einer Gesundheitskrise das Sporttreiben in Vereinen, in Fitnesszentren und in Hallenbädern so stark eingeschränkt wird, trägt doch gerade regelmässig betriebener Sport zu einer guten Gesundheit bei. Auch die mentale Gesundheit wird durch das Vereinsleben gefördert.
Aus all diesen Gründen bitte ich Sie, meiner Minderheit zu folgen und dem Bundesamt für Sport den klaren Auftrag zu geben, sich mit aller Vehemenz dafür einzusetzen, dass die Vereine bald wieder aktiv turnen, Fussball oder Tennis spielen, tanzen und schwingen können. Das wäre eine echte Unterstützung für unser Vereinsleben in der Schweiz; es hilft nicht, wenn man die Probleme einfach mit Geld zudeckt. Herzlichen Dank für die Unterstützung.