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Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · 2021-03-17

Locher Benguerel Sandra · Nationalrat · Graubünden · Sozialdemokratische Fraktion · 2021-03-17

Wortprotokoll

Die Volksinitiative "Ja zum Schutz der Kinder und Jugendlichen vor Tabakwerbung" verlangt ein Verbot von Tabakwerbung, Verkaufsförderung und Tabaksponsoring. Aus folgenden Gründen spreche ich mich für die Initiative aus:

Tabakwerbung zielt auf die Jungen: Es ist erwiesen, dass sich die Gewohnheit des Rauchens in der Regel bereits im frühen Jugendalter herausbildet. So haben etwa 60 Prozent der Rauchenden bereits im Alter von 13 Jahren begonnen, über 90 Prozent dann vor Vollendung des 25. Lebensjahres. Daher scheint es nur logisch, dass die Tabakindustrie ein besonderes Interesse daran hat, gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen. Sie sind für die Tabakproduzenten ein wichtiges Marktsegment. Diese Erfahrung machte auch ich. Das Bild des abenteuerlich über die Prärie reitenden Cowboys löst bei mir immer noch die Assoziation zu einer Zigarettenmarke aus. Tabakkonzerne ködern also mit ausgeklügelten Werbestrategien, Verkaufsförderung und Sponsoring gezielt [PAGE 551] junge Menschen. Genau darum sind sie vor allem an Konzerten, Partys und Open-Airs präsent, aber nicht an Opern. So hat beispielsweise jede sechste Person zwischen 15 und 17 Jahren bereits mindestens ein Werbegeschenk der Tabakindustrie erhalten.

Tabakwerbung verführt zum Rauchen: Nicht rauchende Teenager, die die Tabakwerbung wahrnehmen, werden später eher zu Raucherinnen und Rauchern als Jugendliche, die gegenüber der Zigarettenwerbung nicht empfänglich sind. Dies macht sich die Tabakwerbung zunutze mit Worten und Bildern, die Coolness auslösen und die Erfolg, Sex-Appeal und Traumwelten vermitteln. Darum braucht es eine Gesetzgebung, die Jugendliche besser vor dem Konsum von Tabakprodukten schützt.

Tabakwerbung untergräbt die Arbeit der Gesundheitserziehung: Dies scheint mir ein ganz wichtiges Argument. In den verschiedensten Bereichen unternehmen wir richtigerweise stetig Anstrengungen zur Gesundheitserziehung unserer Jugend und lassen uns dies auch einiges kosten. Genau diesen Bestrebungen widerspricht die Tabakwerbung diametral. Es ist erwiesen, dass die Akzeptanz von Produkten, die breit angepriesen werden, erhöht wird. Diese allgegenwärtige Präsenz von Tabakwerbung hinterlässt einen prägenden Eindruck im Unterbewusstsein unserer Jugend. Wirksame Präventionsmassnahmen setzen folglich bei der Verhinderung des Einstiegs an.

Zum Rahmenübereinkommen der WHO zur Eindämmung des Tabakgebrauchs: Die Schweiz hat dieses Rahmenübereinkommen vor fast zwanzig Jahren unterzeichnet, jedoch als eines der wenigen Länder nicht ratifiziert. Das Übereinkommen beinhaltet unter anderem ein umfassendes Verbot von Tabakwerbung. Damit die Schweiz das Rahmenübereinkommen ratifizieren kann, hat der Bundesrat 2015 das Tabakproduktegesetz vorgelegt, welches noch immer im parlamentarischen Prozess steht. Auch wenn die ständerätliche Kommission Ende Januar einen möglichen Kompromiss vorlegte, sind wir noch weit vom Ziel entfernt. Deshalb braucht es, wie von der Initiative gefordert, ein umfassendes Verbot. Damit würde die Schweiz endlich den Hauptpunkt der internationalen Konvention der WHO erfüllen.

Ich komme zum Schluss: Die bisherigen Beschlüsse zum Tabakproduktegesetz reichen bei Weitem nicht, um dem Ziel der Initiative gerecht zu werden. Deshalb braucht es die vorliegende Volksinitiative jetzt erst recht. Wir sollten alles tun, um Kinder und Jugendliche vor den schädlichen Wirkungen des Tabakkonsums zu schützen.