Villiger Kaspar · Bundesrat · 2002-11-28
Villiger Kaspar · Bundesrat · Luzern · 2002-11-28
Wortprotokoll
1. Ich habe den Eindruck, wir seien ein seltsames Volk. Wir haben über diese Expo gejammert und geschimpft, bis sie stattfand. Dann fand sie statt, war ein Riesenerfolg, war toll - ich war etwa sechsmal dort -, und Millionen von Menschen fanden sie auch toll. Und jetzt fahren wir mit dem Gejammer weiter. Ich finde das schade. Es war eine schöne, eine gute Sache. Man sollte das auch einmal zur Kenntnis nehmen.
2. In der Tat ist am Anfang vieles schief gelaufen. Man hat das dann aber angepackt, neu strukturiert, neu organisiert, und wir dürfen mit Befriedigung feststellen - das wurde vorhin von Herrn Hofmann erwähnt -, dass das Ganze z. B. von den Kosten her eine sehr gute "Ziellandung" ist. Ich glaube, das darf festgehalten werden.
3. Natürlich hat man sich bei den Einnahmen etwas verschätzt; das ist auch der schwierigere Teil am Ganzen, ich will das nicht kritisieren. In Bezug auf die Wirtschaft hat man sich gewisse Illusionen gemacht, das gebe ich gerne zu; man hat zu viel erwartet. Wenn Sie das aber einmal mit der Wirtschaftslage konfrontieren und gleichzeitig mit anderen Grossanlässen, ähnlichen Ausstellungen im Ausland und den dortigen Sponsoring-Geldern vergleichen, stellen Sie fest, dass der Beitrag der Wirtschaft doch beachtlich war. Das darf man auch positiv anerkennen. Vor allem kommen sich jene, die mitgemacht haben, langsam etwas komisch vor, wenn man immer nur pauschal über die Wirtschaft schimpft und sagt, sie habe zu wenig gemacht.
4. Wenn Sie nun wieder Leute aus der Wirtschaft beteiligen wollen, stelle ich Ihnen die Gegenfrage: Wer ist die Wirtschaft? Ist das der Gewerbeverband von Herrn Triponez, der das mit einem Rundschreiben mit beigelegtem Einzahlungsschein machen soll? Oder müssen wir einen Bettelbrief an Grossfirmen schreiben, die schon bezahlt haben? Oder vielleicht etwas anderes? Sie können doch nicht einfach pauschal sagen, die Wirtschaft, die kein homogener Block, sondern in Konkurrenten aufgeteilt ist, von denen viele sehr gut beigetragen haben, soll jetzt im Nachhinein noch etwas leisten!
5. Mit den Kantonen hat man diese Gespräche geführt, aber nicht völlig unerwartet wurde dankend abgelehnt, nachdem das Ganze jetzt über die Bühne gegangen ist. Herr Hofmann hat auf die politischen Schwierigkeiten in den einzelnen Kantonen hingewiesen. Ich habe an sich auch bedauert, dass man nicht noch einen Solidaritätsbeitrag gesprochen hat, aber immerhin haben die Kantone und Standortgemeinden zugesichert, alles zu tun, um den Rückbau möglichst einfach zu machen und zu helfen, wo sie können. Auch das ist etwas Wichtiges.
6. Wir müssen dieses Geld jetzt sprechen, sonst beteiligt sich die Wirtschaft ungewollt daran, nämlich indem Handwerkerrechnungen und Arbeiten nicht mehr bezahlt werden und die Ruinen, soweit sie noch nicht abtransportiert sind, stehen bleiben. Das wäre, gerade aus ökologischer Sicht, etwas nicht so wahnsinnig Gutes.
Weil wir es eben sauber rechnen, müssen Sie sehen, dass von diesem Kredit nach dem Bruttoprinzip ja ungefähr 20 Millionen Franken als Mehrwertsteuer und Zinsen wieder an den Bund zurückkommen. Natürlich ist es unschön, dass dieser Kredit auch nächstes Jahr noch nötig ist, dass wir alle diese Nachtragskredite haben sprechen müssen. Aber ich glaube, das Ganze ist jetzt sehr gut über die Bühne gegangen, wir wollen uns auch darüber freuen.
Ich bitte Sie sehr, jetzt halt nachträglich noch in diesen sauren Apfel zu beissen und diesem Kredit zuzustimmen.