Candinas Martin · Nationalrat · 2021-06-01
Candinas Martin · Nationalrat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-06-01
Wortprotokoll
Mit der vorliegenden Motion, die ich vom ehemaligen Nationalrat Thomas Egger übernommen habe, wird der Bundesrat beauftragt, die Kriterien für die Wohnraumförderung im Rahmen des Wohnraumförderungsgesetzes so anzupassen, dass sie den Verhältnissen in den Berggebieten und ländlichen Räumen besser Rechnung tragen.
Der demografische Wandel mit der Überalterung der Bevölkerung und die fehlenden Perspektiven für Jugendliche stellen etliche Gemeinden in Berggebieten und im ländlichen Raum vor grosse Herausforderungen. Eine Möglichkeit, diesen Tendenzen entgegenzuwirken, ist die Bereitstellung von vergünstigtem Wohnraum. Jugendliche können sich nicht direkt nach der Lehre oder dem Studium ein Eigenheim leisten. Sie suchen deshalb Mietwohnungen, die sie aber gerade in ländlichen Gemeinden oft nicht finden. Zwar gibt es oft leer stehenden Wohnraum in älteren Gebäuden, dieser entspricht jedoch nicht mehr den modernen Ansprüchen. Aber auch für den Zuzug von Familien ist der Wohnraum ein entscheidendes Kriterium. Letztlich muss festgestellt werden, dass sogar Teile der älteren Generation aus den Bergdörfern wegziehen, weil sie Einkaufsmöglichkeiten, die medizinische Versorgung oder andere Dienstleistungen vermissen.
Die Bereitstellung von vergünstigtem Wohnraum ist einer von vielen Puzzlesteinen zur Attraktivitätssteigerung ländlicher Räume. Der Versuch der Gemeinde Albinen (VS), durch Wohnraumförderung neue Zuzüger anzuziehen, hat weltweit für Schlagzeilen gesorgt und war letztlich erfolgreich. Das Beispiel zeigt, dass die Wohnraumförderung zur[NB]Verbesserung[NB]der[NB]demografischen Entwicklung beitragen kann.
Nicht alle Gemeinden in Berggebieten und im ländlichen Raum sind aber in der Lage, entsprechende finanzielle Mittel bereitzustellen. Die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für die Berggebiete (SAB) hat gerade dieses Jahr bei Jugendlichen im Rahmen der Arbeiten des SAB-Jugendforums eine Umfrage zu den Anliegen der Jugendlichen durchgeführt und kommt zu folgendem Schluss - ich zitiere aus der SAB-Medienmitteilung vom 13. März 2021 -: "Die Jugendlichen haben ihre wichtigsten Anliegen formuliert, damit sie in den Berggemeinden bleiben können. Immer wieder sticht ein Thema hervor: mangelnder angemessener Wohnraum. Während es in einigen Tourismusdestinationen fast nur überteuerte Luxuswohnungen gibt, gibt es in anderen Dörfern nur überalterte freistehende Wohnungen. Offensichtlich scheint es im Moment für Investoren wenig interessant, diese zeitgemäss zu sanieren und zu vermieten. Für die Jugendlichen ist der Mangel an passendem Wohnraum oft ein Grund, vom Dorf wegzuziehen."
Aus historischen und strukturellen Gründen sind gemeinnützige Wohnbauträger in Berggemeinden und im ländlichen Raum weniger aktiv als in den Städten und Agglomerationen. Die Wohnraumförderung soll aber vermehrt auch in den ländlichen Regionen und in den Bergregionen ein Thema werden. Damit dies gelingt, müssen die heute geltenden Kriterien der Wohnraumförderung des Bundes den besonderen [PAGE 931] Verhältnissen in den Berggebieten und ländlichen Räumen stärker Rechnung tragen.
Zudem ist das Instrumentarium in diesen Regionen viel weniger bekannt. Es braucht deshalb eine Anpassung der Förderkriterien und mehr Sensibilisierung, damit auch die Gemeinden im Berggebiet und ländlichen Raum vermehrt in den Genuss dieser Förderung kommen. So können neue Entwicklungsperspektiven insbesondere für die Jugendlichen in den vom demografischen Wandel besonders betroffenen Gemeinden geschaffen werden. Der Austausch zwischen den Generationen kann gefördert werden.
In diesem Sinne bitte ich Sie, dieser Motion zuzustimmen.