Lexipedia

Graf Maya · Ständerat · 2021-06-07

Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2021-06-07

Wortprotokoll

Ich lehne diese Initiative ebenfalls klar ab. Sie ist extrem, sie ist schädlich für unseren Forschungs- und Innovationsstandort, und sie ist für die nächsten Handlungsschritte, die wir in der Thematik der Tierversuche miteinander tun sollten, unbrauchbar. Denn etwas ist klar: Wir müssen einen Ausstieg aus der Tierversuchsforschung finden und vor allem den Aufbau und Ausbau der Innovation von Forschungsstandorten ohne Tierversuche, die wichtig und zukunftsweisend sind, Schritt für Schritt planen.

Ich bin überzeugt: Die Schweiz mit ihrem ausserordentlichen Forschungsplatz kann hier weltweit einen Spitzenplatz für 3R einnehmen. Sie sollte sich nicht von anderen Ländern überholen lassen, weil es in der Zukunft weg vom Tierversuch, hin zu vielen anderen Innovationen gehen wird, welche heute schon unterwegs sind. Wir sollten auch in diese tierversuchsfreie Grundlagenforschung investieren. Ich erinnere Sie daran, der Präsident der WBK hat es auch erwähnt: Wir verbrauchen sozusagen heute noch über 600[NB]000 Tiere jährlich für die Forschung, und zwar hauptsächlich an unseren Hochschulen in der Grundlagenforschung, und bezahlen das somit auch zum Teil mit unseren Steuergeldern.

Wir haben also einen Handlungsbedarf bei den Tierversuchen, und dies insbesondere im Bereich der Tierversuche mit mittlerer und schwerer Belastung. Jährlich werden rund 180[NB]000 Tiere bei Versuchen mittleren bis schweren und schwersten Belastungen ausgesetzt; das sind die Schweregrade 2 und 3. Das bedeutet für diese Tiere grosses Leid und schreckliche Ängste, und dies, obwohl seit mehr als 25 Jahren im Tierschutzgesetz verankert ist, dass wir insbesondere auf die Reduktion von Tierversuchen mit mittleren und schweren Belastungen hinwirken müssen. Neueste Zahlen - Herr Ständerat Germann hat es erwähnt - zeigen zwar, dass die Anzahl Tierversuche insgesamt abnimmt, doch zwei Studien von 2016 attestieren ihnen eine ungenügende Qualität und Aussagekraft; ähnliche Studien in anderen Ländern kommen zu den gleichen Resultaten.

Ist die wissenschaftliche Qualität von Tierversuchen nicht gegeben, so müssen auch die Aussagekraft und der Erkenntnisgewinn der Untersuchungen infrage gestellt werden. Damit fehlt uns schlussendlich auch der Nutzen für unsere Gesundheit und Wissenschaft. Ich erwähne das hier, weil das nicht meine Schlussfolgerungen, sondern die Schlussfolgerungen der erwähnten Studien aus dem Jahr 2016 sind.

Ich möchte aber gerne ebenso erwähnen, dass die Politik sowie der Bund, auf Druck der Politik und der Tierschutzorganisationen hin, in den letzten Jahren reagiert haben. Ich will hier nicht wiederholen, was der Präsident der WBK bereits aufgezählt hat. Wir haben nämlich, wie erwähnt, im Anschluss an einen Bericht des Bundesrates aus dem Jahre 2015 über Tierversuche in der Schweiz aus der Stiftung Forschung 3R das 3R-Kompetenzzentrum eröffnet. Der Bericht des Bundesrates zeigte auf, wie die Erforschung von Alternativmethoden gefördert, die Zahl der Tierversuche verringert und die Belastung der Tiere vermindert werden kann.

Es reicht aber nicht, dass es ein Kompetenzzentrum 3R gibt, sondern wichtig ist auch, dass genug Finanzen vorhanden sind. Eigentlich sollten genauso viele Fördergelder in diese 3R-Förderung gehen wie in die Tierversuchsförderung. Wichtig ist, dass mit dieser Schaffung des 3R-Kompetenzzentrums erstmals die Hochschulen und die pharmazeutische Industrie die Verantwortung für die Etablierung dieser 3R-Kultur in der Schweiz übernehmen. Mit dem nationalen Forschungsprogramm zum Thema "Advancing 3R - Tiere, Forschung und Gesellschaft" hat das erste Mal auch der Bund gezeigt, dass er diese Innovation in unseren Hochschulen und in unseren Forschungsgremien ernst nimmt und dass dies ein wichtiges Forschungsfeld für die Zukunft ist. Dieses Programm wurde am 3. Februar 2021 lanciert und ist mit 20 Millionen Franken dotiert.

Sie sehen also, wir sind sehr gut unterwegs - aber wir haben noch Aufgaben zu erledigen. Eine Aufgabe, die ich Ihnen ans Herz legen möchte und die wir unbedingt miteinander lösen müssen, ist, dass wir die Anzahl der mittel- und schwerbelastenden Tierversuche reduzieren; es kann nicht sein, dass sie jedes Jahr sogar noch zunimmt. Hier ist der Handlungsbedarf sehr gross. Das wurde uns auch von den von uns angehörten Organisationen, wie z. B. der Gesellschaft der Schweizer Tierärzte und Tierärztinnen oder dem Schweizer Tierschutz, immer wieder gesagt. Ebenso müssten die Haltungsbedingungen für diese Tiere während der Tierversuche unbedingt verbessert werden.

Ich gebe Ihnen dies hier gerne mit, um zu zeigen, dass die vorliegende Initiative das falsche Instrument ist, um diese wichtigen Thematiken und Aufgaben anzugehen. Die Politik muss sich, gemeinsam mit den Akteuren, aber weiterhin mit der Thematik der Reduktion der Anzahl Tierversuche in der Schweiz befassen und hier auch Lösungen finden.