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Sommaruga Simonetta · Bundesrat · 2021-06-15

Sommaruga Simonetta · Bundesrat · Bern · 2021-06-15

Wortprotokoll

Frau Ständerätin Maret, Sie haben es eben erwähnt: Der Bundesrat führt die bundesnahen Betriebe, so auch die SBB, über die strategischen Ziele, die wir alle vier Jahre erlassen und auch anpassen. Ich bin gerne bereit, noch einmal anzuschauen, wie wir über die strategischen Ziele sicherstellen können, dass diesem wachsenden Bedürfnis nach Velotransporten im Bahnbetrieb - das Bedürfnis hat sich wirklich sehr stark verändert und zugenommen - genügend Rechnung getragen werden kann.

Wir sind indes der Meinung, dass die Erwartungshaltung des Bundesrates schon heute klar ist, sprich, dass die SBB den wachsenden Bedürfnissen von Velofahrerinnen und Velofahrern Rechnung tragen müssen. Erst kürzlich haben wir das als Eigner im Rahmen der Eignergespräche mit den SBB nochmals diskutiert. Die Festlegung der betrieblichen Abläufe müssen wir indes den SBB überlassen. Ich denke, wir als Eigner müssen zum Ausdruck bringen, dass wir erwarten, dass dem Thema Rechnung getragen wird. In diesen Gesprächen haben uns die SBB gesagt - und da kann ich Ihnen nur sagen, was sie uns zurückgemeldet haben -, dass sie die starke Zunahme der Nachfrage im letzten Sommer markant unterschätzt hätten.

Sie müssen sich aber auch bewusst sein: Im Juli 2020 wurden rund 80[NB]000 Velotageskarten verkauft, 45 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Natürlich kann man nun einwenden, die SBB hätten die Entwicklung und mögliche kurzfristige Veränderungen verschlafen oder im Zusammenhang mit der Pandemie vielleicht unterschätzt. Vonseiten der SBB kann ich Ihnen indes zurückmelden, dass das Ganze wirklich schwierig sei. Sie müssten zum Teil Wagen umbauen, um mehr Platz für Velos zu schaffen, dadurch würden Sitzplätze wegfallen. Gleichzeitig müssten sie aber auch dafür sorgen, dass nicht mit einem Mal nur noch Velos transportiert würden und die Passagiere nicht mehr sitzen könnten. Hinzu kämen dann auch noch "les poussettes", die Kinderwagen, die Sie erwähnt haben.

Die Sache ist also ziemlich komplex. Deshalb meinten die SBB auch, sie wollten mit dem Reservationssystem eine bessere Planung sicherstellen, damit die Leute dann auch wirklich den Platz vorfänden, den sie suchten.

Von den SBB weiss ich, dass sie auch mit den Veloverbänden in Kontakt stehen; sie wollen im Dialog eine Lösung finden. Es war auch nie die Meinung der SBB, über die Reservationsgebühr irgendjemanden zu bestrafen. Vielmehr war es der Versuch, eine bessere Planbarkeit zu erreichen; von daher rührt auch die Reservationspflicht am Wochenende. Die SBB möchten das in diesem Jahr einmal ausprobieren. Sie haben aber schon Bereitschaft signalisiert, dass sie offen wären, auch zusammen mit den Velo- und anderen Interessenverbänden anzuschauen, was man noch verbessern könnte.

Ich erlebe die SBB in dieser Frage als sehr offen und kundenorientiert, auch gegenüber den Velofahrerinnen und Velofahrern. Als Eigner wird der Bundesrat auch in Zukunft darauf achten, dass dieses Bedürfnis im Rahmen des Auftrags der SBB abgedeckt werden kann.