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Schläpfer Therese · Nationalrat · 2021-09-16

Schläpfer Therese · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-09-16

Wortprotokoll

"Psychische Gesundheit ist ein Zustand des Wohlbefindens, in dem eine Person ihre Fähigkeiten ausschöpfen, die normalen Lebensbelastungen bewältigen, produktiv arbeiten und einen Beitrag zu ihrer Gemeinschaft leisten kann."

Wie misst man die psychische Gesundheit? "Psychische Belastungen kann man im Gegensatz zu Lärm oder Staub nicht technisch per Messgerät messen. Aber nach bestimmten Kriterien und Indikatoren lassen sich Belastungsfaktoren - und [PAGE 1661] eventuelle Fehlbelastungen - mit Befragungen identifizieren und quantifizieren."

Die Pandemie hat wohl jede und jeden in unserem Land, wenn nicht auf der ganzen Welt, beeinträchtigt, das ist uns allen klar. Was gehört nun zum psychischen Wohlbefinden? Subjektives Wohlbefinden "besteht aus drei Komponenten: der Lebenszufriedenheit - kognitive Bewertung -, dem Vorhandensein positiver Emotionen/Stimmungen und der Abwesenheit negativer Emotionen/Stimmungen". Das sind die affektiven Bewertungen von Diener, 1984.

Was ist normal, was ist krank? "Krankheitsbegriff und Diagnostik in der Psychiatrie [...] Eine relevante psychische Erkrankung sollte dann diagnostiziert werden, wenn lebensrelevante Funktionsfähigkeiten beeinträchtigt sind und die betroffene Person darunter leidet oder in ihrer Bewältigung des Alltags beeinträchtigt ist."

Was kann die psychischen Symptome auslösen? "Chronische Anspannung, Überforderung, dauernde Angst, Gefühle von Hilflosigkeit und Einsamkeit führen zu unterschiedlichen körperlichen Reaktionen: Sie belasten zum Beispiel den Stoffwechsel, das Immunsystem und die Organe, sie stören den Schlaf und führen zu einer Verkrampfung der Muskulatur."

Wie finde ich nun heraus, ob ich psychisch krank bin? "Eine psychische Krankheit kann vorliegen, wenn Sie beispielsweise dauerhaft ängstlich oder niedergeschlagen sind oder an körperlichen Beschwerden leiden, für die sich keine organischen Ursachen finden lassen."

Das ist schon interessant. Jetzt soll der Bundesrat mit einer Studie uns Schweizern den psychischen Gesundheitszustand vermessen, natürlich unverbindlich und teuer. Die psychische Gesundheit soll vom Bund gestärkt werden. Mir als liberalem Geist sträuben sich alle Haare, wenn ich in Ziffer 3 des Postulates lese: "Welche Massnahmen können ergriffen werden, um die Schutzfaktoren (hohe Kontrollüberzeugung, hohe allgemeine Selbstwirksamkeit, hohes resilientes Coping, starke soziale Unterstützung) durch die öffentliche Politik des Bundes zu stärken?" Ist es tatsächlich die Aufgabe des Bundes, uns Schweizern psychologische Tipps zu geben, zumal in dieser Branche sehr viel mit Kann-Formulierungen gearbeitet wird?

Auf der BAG-Seite finden Sie jetzt schon Tipps, um Ihrer mentalen Gesundheit etwas Gutes zu tun: Kommen Sie in Bewegung; suchen Sie einen Ort der Ruhe auf; finden Sie ein Gute-Nacht-Ritual; tun Sie etwas, das Ihnen Spass macht; schicken Sie eine Postkarte an einen geliebten Menschen.

Ganz wichtig ist zudem Folgendes: Allfällige psychische Folgen der Pandemie wurden nicht durch die Pandemie selbst, sondern durch die Massnahmen des Bundesrates ausgelöst. Falls durch den Lockdown und andere Massnahmen tatsächlich psychische Folgen entstanden sind, dann wird es nach Beendigung der bundesrätlichen Massnahmen schnell wieder zu einer Normalisierung kommen. Das wäre ein Wink an den Bundesrat, die Covid-19-Massnahmen zu überdenken und nachvollziehbar zu gestalten. So spart man die Millionen Franken für die geforderte Studie. Man kann ausserdem davon ausgehen, dass die Studie zu einem Zeitpunkt abgeschlossen sein wird, in dem Covid aus unser aller Kurzzeitgedächtnis verflogen ist.

Ich bitte Sie, dieses Postulat abzulehnen und den Bundesrat aufzufordern, die besondere Lage aufzuheben.