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Grossen Jürg · Nationalrat · 2021-09-23

Grossen Jürg · Nationalrat · Bern · Grünliberale Fraktion · 2021-09-23

Wortprotokoll

Ich möchte zuerst meine Interessenbindung offenlegen: Ich bin Präsident des Schweizerischen Fachverbandes für Sonnenenergie, des Schweizer Elektromobilitätsverbandes Swiss E-Mobility sowie des Vereins Smart Grid Ready, und ich bin an drei Firmen im Bereich der Elektroplanung und Gebäudesteuerung beteiligt.

Mit der Energiestrategie 2050 haben wir etwas beschlossen, das eine Transformation im Energiebereich bedingt. Wir haben auch die Klimaziele von Paris unterschrieben; der Bundesrat hat das getan. Es ist klar: Wir wollen bis 2050 dekarbonisieren. Die Richtung stimmt im Grundsatz, aber es ist klar, es gibt extrem viel zu tun.

Es wird insbesondere notwendig sein, dass in den nächsten Jahren eine starke Elektrifizierung des Verkehrs und der Gebäudeheizungen stattfindet. Dafür werden Anreize gesetzt, dafür gibt es viele Massnahmen, die ergriffen werden. Es ist klar, dass auch die Produktion der Energie in Zukunft viel dezentraler sein wird. Die Gebäude werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie sind die Tankstellen und die Energiehubs der Zukunft; dort wird der Strom produziert.

Alleine das Potenzial der Fotovoltaik schätzen wir auf etwa 80 Terawattstunden. Das ist viermal mehr, als die heutigen Atomkraftwerke zu liefern imstande sind. Vielleicht wird nicht das ganze Potenzial ausgeschöpft, weniger reicht auch. Aber es ist klar, die Gebäude stehen hier absolut im Zentrum.

Ein weiterer Wandel besteht darin, dass sich eben auch der Verkehr elektrifiziert. Die Elektromobilität setzt sich in der Breite durch. Für das Jahr 2030 rechnen wir mit rund zwei Millionen Fahrzeugen, die täglich am Netz aufgetankt werden. Die hängen am Netz, sie sind Verbraucher, genau gleich, wie sie auch Speicher sind. Es gibt eine totale Veränderung.

Die Gebäude, die ich erwähnt habe, sind eben nicht nur die Energietankstellen, sondern sie sind die Energiehubs. In Zukunft beträgt der für Gebäude verbrauchte Strom etwa 60 Prozent der Endenergie. Heute sind es nur etwa 20 Prozent.

Wenn man das alles machen will, bedingt das aber, dass man die Stromproduktion und den Verbrauch besser miteinander in Einklang bringt. Das funktioniert so, wie man das in der alten Stromwelt mit den Rundsteuerungen auch getan hat, wo man die Boiler, die Elektrospeicherheizungen und die Wärmepumpen so gesteuert hat, dass sie den Strom dann brauchen, wenn er produziert wird. Man hat auch die Pumpspeicherung eingesetzt, um dies aufeinander abzustimmen. Dies ist auch in Zukunft ein zentrales Element der Gesamteffizienz, der Systemstabilität und der Versorgungssicherheit.

Um das zu erzielen, brauchen wir mehr Digitalisierung im Stromnetz. Damit wir das machen können, braucht es Anpassungen in den Netzregulierungen an die Bedürfnisse dieser neuen Strukturen, und da kann ich Ihnen sagen: Die heutigen Regeln der Netztarifierung werden dieser neuen Realität leider bei Weitem nicht gerecht, insbesondere bezüglich der Arbeits- und Leistungstarife usw. Die Vorschläge des Bundesrates im sogenannten Mantelerlass zum Geschäft 21.047 sind unzureichend und geben den Netzbetreibern und den Kunden nicht den notwendigen Handlungsspielraum und die nötigen Anreize.

Mit meiner Motion beauftragen wir den Bundesrat, eine zukunftsgerichtete Überarbeitung der gesetzlichen Grundlagen der Netztarifierung auszuarbeiten. Diese Netztarifierung muss dringend weiterentwickelt werden, damit anstelle von Anreizen für teure Netzverstärkungen, so wie es heute ist, Anreize für eine effiziente Netznutzung, für eine dezentrale Produktion, für eine dezentrale Speicherung und für Quartierstromlösungen sowie zur Nutzung von Flexibilitäten gesetzt werden.

Ich bitte Sie, Frau Bundesrätin, diese Motion doch noch wohlwollend zu kommentieren, und Sie im Rat bitte ich: Nehmen Sie die Motion an, sie ist ein zentrales Element für die Stromversorgung der Zukunft.