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Aebi Andreas · Nationalrat · 2021-10-01

Aebi Andreas · Nationalrat · Bern · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2021-10-01

Wortprotokoll

Wir verabschieden heute zwei Ratsmitglieder, Isabelle Chevalley und Christoph Eymann.

Isabelle Chevalley ist seit 2011 Mitglied unseres Rates. Schon vorher war sie politisch aktiv, etwa als Mitglied des Waadtländer Grossen Rates und als Mitgründerin der Waadtländer Sektion der Grünliberalen Partei. Im Nationalrat wirkte Isabelle Chevalley in der Kommission für Bildung, Wissenschaft und Kultur und in der Kommission für Rechtsfragen mit. Bis zu den letzten Wahlen war sie zudem die einzige Vertreterin der Romandie in der grünliberalen Fraktion des Nationalrates. Das bedeutete, dass die promovierte Chemikerin ein breites Themenspektrum abdecken musste.

Isabelle Chevalley engagierte sich besonders in den Bereichen nachhaltige Energie, Vermeidung von Lebensmittelverschwendung, Tierschutz sowie Bekämpfung von Plastikabfall und Förderung des Recyclings. Bei mehreren Vorstössen zu diesen Themen fand sie im Rat eine Mehrheit. Auch die Landwirtschaft und die Beziehungen der Schweiz zu Afrika sind ihr wichtige Anliegen. Stets ist es ihr Ziel, Wirtschaft und Ökologie sinnvoll zu verbinden, dies zum Nutzen von Mensch und Natur.

Isabelle Chevalley war eine sehr aktive Nationalrätin, die ihre Argumente glaubwürdig, beharrlich und mit grosser Leidenschaft einbrachte. Als Naturwissenschafterin ist sie es gewohnt, gründlich zu recherchieren, einen Sachverhalt zu analysieren und dann die nötigen Schlüsse zu ziehen. Dabei scheute sie sich nicht, sich wenn nötig unbeliebt zu machen und auch unbequeme Themen zu vertreten. Die Kolleginnen und Kollegen schätzten an ihr ihre offene Art, die positive Einstellung, ihren Humor und die Fähigkeit zuzuhören.

Isabelle Chevalley politisierte mit Herz und Verstand, engagiert und zupackend. Sie will etwas bewegen und ist an praktischen Lösungen interessiert. Um zu überzeugen, wählte sie mitunter auch unkonventionelle Wege: Unvergessen ist ihr Insekten-Apéro im Bundeshaus, wo als besondere Leckerbissen unter anderem Mehlwurm-Burger und karamellisierte Heuschrecken kredenzt wurden. So kamen einige Kollegen auf den Geschmack oder fanden zumindest, diese Häppchen schmeckten besser als erwartet. Wer weiss, ob der Bundesrat nicht aufgrund dieses Apéros später den Handel und Verkauf von Insekten als alternative Nahrungsmittel legalisierte!

Isabelle Chevalley ist eine Macherin. Sie redet nicht nur von einer besseren Zukunft, sie handelt auch und realisierte schon zahlreiche konkrete Projekte in ihrer zweiten Heimat, in Burkina Faso, und in anderen afrikanischen Ländern. So unterstützt sie seit vielen Jahren auf vielfältige Art die dortige Landbevölkerung, versorgt Geburtshäuser mit warmem Wasser, setzt sich gegen Müllhalden und für die Abfallwiederverwertung ein.

Isabelle Chevalley tritt nach zehn Jahren als Nationalrätin zurück. Ihr Engagement in Afrika wird sie mit Freude und Elan weiterführen.

Christoph Eymann wurde 1991 aus der Liste der Liberaldemokratischen Partei von den Wählerinnen und Wählern des Kantons Basel-Stadt in den Nationalrat gewählt. 2001 verliess er unseren Rat, weil er in die Basler Regierung gewählt wurde. Dort wirkte er 16 Jahre lang als Erziehungsdirektor und war auch Präsident der schweizerischen Erziehungsdirektorenkonferenz. 2015 kandidierte Christoph Eymann erneut erfolgreich für den Nationalrat und holte dabei auch den Sitz der Basler Liberaldemokraten zurück. Der promovierte Jurist engagierte sich in unserem Rat in der Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie, der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit, der Kommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur und in der Kommission für Rechtsfragen.

Beruflich arbeitete er vor seiner Zeit als Regierungsrat als Direktor des Basler Gewerbeverbandes. Schon damals setzte er sich erfolgreich für die Verknüpfung von ökologischen und wirtschaftlichen Anliegen ein.

Als Nationalrat war er in zahlreichen Themengebieten aktiv. Neben Wirtschafts- und Umweltfragen widmete sich Christoph Eymann insbesondere der Forschungs- und Bildungspolitik, der Aussenpolitik, der Energiepolitik und der Sozialpolitik. Dabei liegen ihm das Gemeinwohl und die gesellschaftliche Integration, eine funktionierende Sozialpartnerschaft, die internationale Solidarität und eine nachhaltige Entwicklung besonders am Herzen. Vom Bundesrat wurde er zum Präsidenten des nationalen Komitees des Europäischen Naturschutzjahres 1995 ernannt, in dessen Funktion er zahlreiche konkrete Projekte zum Schutz von Natur und Umwelt aufgleiste.

Christoph Eymann zeichnet sich durch eigenständige Ansichten, durch ein ganzheitliches Denken und zielgerichtetes Vorgehen aus. Seine Haltung und sein Handeln waren stets geprägt von einem liberalen, offenen und humanistischen Geist. Er legte in der politischen Diskussion Wert auf einen gepflegten Stil und argumentierte sachlich, überlegt, mit Eloquenz und Humor. Dabei konnte er auch schwierige Sachverhalte verständlich formulieren. Christoph Eymann verstand es immer wieder, zu überzeugen, Brücken zu bauen und kreative Lösungen einzubringen. Seine Kolleginnen und Kollegen schätzten seine umgängliche, sympathische und verbindliche Art.

Im FC Nationalrat war Christoph Eymann als Spielmacher mit der Nummer 10 eine wichtige Stütze und ein vielfacher Torschütze - das ist bei einem Basler ja klar! Auch im Ratssaal gelangen ihm dank guter Teamarbeit und guter Argumente einige Erfolge. So wurde ein Vorstoss von ihm angenommen, der verlangte, den Grundsatz der nachhaltigen Entwicklung in der Bundesverfassung zu verankern. Auch in anderen Bereichen, zum Beispiel bei der Deklaration von Tropenholz, der Bekämpfung der Schwarzarbeit oder der Sprachförderung vor dem Kindergartenalter, fand er Mehrheiten im Parlament.

[PAGE 2135] Nun tritt Christoph Eymann aus dem Nationalrat zurück. Weiterhin engagiert er sich als Präsident der Schweizerischen Sozialhilfekonferenz und in anderen Gremien. Dem eingefleischten Basler - genauer Kleinbasler - Christoph Eymann gefällt es am besten in seiner Heimatstadt, wo er jetzt hoffentlich etwas mehr freie Zeit hat, die er zusammen mit seiner Familie oder bei der Pflege seines Sonnenblumenfeldes verbringen kann.

Wir danken unserer Kollegin und unserem Kollegen für ihr grosses Engagement als Mitglieder des Nationalrates und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute! (Stehende Ovation; der Präsident überreicht Frau Chevalley und Herrn Eymann ein Geschenk und einen Blumenstrauss)