Lexipedia

Ryser Franziska · Nationalrat · 2021-12-15

Ryser Franziska · Nationalrat · St. Gallen · Grüne Fraktion · 2021-12-15

Wortprotokoll

Klickt man sich durch Werbung für Schweizer Fleisch, begegnen einem jede Menge glückliche Hühner, Schweine, die sich zufrieden im Dreck suhlen, und Kälber, die neben ihren Müttern auf der Weide stehen. Schön wär's! Die Realität sieht heute leider anders aus. Ein immer grösserer Teil des Fleischs, das in der Schweiz konsumiert wird, stammt aus industrieller Tierproduktion. Die Anzahl der in der Schweiz gehaltenen Nutztiere hat sich in den letzten zwanzig Jahren verdoppelt, während die Anzahl der Landwirtschaftsbetriebe gleichzeitig um einen Fünftel zurückging. Das Resultat: Pro Betrieb werden immer mehr Tiere gehalten.

Die Initiative "Keine Massentierhaltung in der Schweiz" will diese Entwicklung stoppen und stattdessen eine kleinbäuerliche und naturnahere Landwirtschaft stärken. Die Initiative will die Würde des Tieres und höhere Tierschutzanforderungen in der Verfassung verankern. Das heisst, die heutigen Biostandards sollen für alle Betriebe gelten. Die Initiative ist also konsequent, hat aber die Realität der Bäuerinnen und Bauern im Blick, denn für die Umsetzung sieht die Initiative 25 Jahre vor. Das ist mehr als genügend Zeit, um langfristig zu planen und Investitionen, die in den nächsten Jahren getätigt werden, auf die neuen Anforderungen auszurichten. Zudem sollen neue Importbestimmungen den Schweizer Markt und die Schweizer Landwirtinnen und Landwirte vor Preisdumping durch ausländische Produkte schützen.

Die Initiative dient dem Wohl der Tiere, deren Grundbedürfnisse sichergestellt werden, zum Beispiel ein regelmässiger Auslauf und eine angemessene tiermedizinische Versorgung. Aber auch die Fleischkonsumenten und Fleischkonsumentinnen würden davon profitieren, denn heute werden in der Landwirtschaft etwa fünfzig Tonnen Antibiotika eingesetzt. Mit kleineren Herden kann der Einsatz von Medikamenten und damit das Risiko einer Verbreitung antibiotikaresistenter Bakterien deutlich reduziert werden. Schliesslich ist die kleinbäuerliche Landwirtschaft klimafreundlicher. Die intensive Nutztierhaltung in der Schweiz ist hingegen für etwa 12 Prozent der Schweizer Treibhausgasemissionen verantwortlich.

Der Bundesrat hat den grundsätzlichen Handlungsbedarf deshalb auch erkannt. Er schlägt mit einem direkten Gegenentwurf vor, die Würde des Tieres in der Verfassung zu verankern. Doch die Initiative hat es hier im Rat nicht leicht. Die vor allem bürgerlichen Vertreterinnen und Vertreter der Bauern lehnen die Initiative, den direkten Gegenentwurf und einen indirekten Gegenvorschlag ab und verhindern damit eine Verbesserung zugunsten des Klima- und des Tierschutzes.

Die Initiative würde einen Weg hin zu einer tierfreundlichen und ökologisch tragfähigen Produktion eröffnen. Dank der langen Übergangsfrist von 25 Jahren hätten alle Betriebe genügend Zeit, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen. So könnten die Betriebe einfacher zu fairen Preisen und vor allem zum Wohl der Tiere produzieren.