Fiala Doris · Nationalrat · 2021-12-15
Fiala Doris · Nationalrat · Zürich · FDP-Liberale Fraktion · 2021-12-15
Wortprotokoll
Als 31. Sprecherin werde ich nicht alle gehörten Argumente, welche mir wichtig scheinen, repetieren. Ich bin seit Jahren aktive Tierschützerin. Ich bin nicht Vegetarierin, nicht vegan lebend, ich habe jedoch Respekt vor der Problematik der Massentierhaltung. Spätestens der Film "We Feed the World" von Erwin Wagenhofer aus dem Jahr 2005 hat mich für das Tierwohl politisiert. Ich bin aktives Mitglied im Verein Animal Trust und engagiere mich immer wieder. Der Dokumentarfilm, der ein sehr kritisches Licht auf die zunehmende Massenproduktion von Nahrungsmitteln und die Industrialisierung gerade in der Massentierhaltung wirft, hat mich erschüttert, als Konsumentin beschämt und meine Einstellung geprägt.
Im vorletzten Abschnitt des Dokumentarfilms wird die Geflügelproduktion gezeigt. Ich erspare Ihnen die Details, diese haben Sie heute auch schon oft gehört. Nur so viel: Lebende Küken werden wie eine Ware behandelt.
Massentierhaltung, konventionelle Masthallen können sicher nicht das produzieren, was ich als Produkte für einen halbwegs gesunden Fleischverzehr bezeichnen möchte. Ich setze auf Schweizer Fleisch, Schweizer Geflügel, Schweizer Lebensmittel, möglichst naturnah lebende Tiere. Ausländischer Billigware möchte ich gemeinsam mit Ihnen eine Absage erteilen. Es ist eine Frage der Erkenntnisstufe. Der Einsatz von Antibiotika ist hochproblematisch. Antibiotikaresistenz hat auch damit zu tun, dass wir Menschen den Respekt gegenüber einer vertretbaren Tierhaltung weitgehend verloren haben.
Der Rinderzüchter und Gemeindepräsident Niggli aus Samedan macht es vor: Als Samedanerin - wenn Sie so wollen, freiwillig dort lebend - sehe ich vorbildliche Tierhaltung, Rinder auf der Weide, möglichst kurze Schlachtwege. Das ist für mich vertretbar.
Weniger ist wahrscheinlich auch beim Fleischverzehr angesagt; weniger ist mehr. Die Konsumentinnen und Konsumenten möchte ich motivieren, einheimische Produkte zu konsumieren. Die Grossverteiler, beispielsweise Migros und Coop, haben das doch längst erkannt. Labels wie "Bio" und "Naturaplan" sind eben auch wirtschaftlich interessant. Das hat seinen Preis. Aber für mich gilt, und hoffentlich für viele von Ihnen genauso: Je näher die Produktion ist, desto besser.
Der Bundesrat hat es ebenfalls erkannt, auch das, was er vorschlägt, hat einen Preis. Tierfreundliche Unterbringung und Pflege, regelmässiger Auslauf, schonende Schlachtung - das ist für mich das Mindeste. Mit Antibiotika gefütterte Tiere und Fleischimporte erfordern von uns eine Absage. Und [PAGE 2618] ich wäre glücklich, wenn auch der Bundesrat sein Bekenntnis noch dahingehend ausweiten würde.