Wismer-Felder Priska · Nationalrat · 2021-12-15
Wismer-Felder Priska · Nationalrat · Luzern · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2021-12-15
Wortprotokoll
Was haben wir heute und gestern nicht schon alles über die Würde des Tieres, über das Tierschutzgesetz in der Schweiz, über die Höchstbestände und Vorschriften in der Tierhaltung gehört! Ich verzichte aus diesem Grund auf die Ausführungen dazu und beschränke mich auf einen Tatsachenbericht - man könnte auch "Erlebnisbericht" sagen - und auf eine entscheidende Frage: Was ist denn Massentierhaltung? Betrifft es die Familienbetriebe, die den Grossteil der Schweizer Landwirtschaftsbetriebe ausmachen? Sandro Brotz würde in der "Arena" jetzt sagen: "Öber das müemer rede!"
Ja, gegen wen richtet sich nun diese Massentierhaltungs-Initiative? 25 Milchkühe, 30 Muttersauen, ist das die Zielgruppe? Die meisten von Ihnen und mit Sicherheit auch die Initianten würden dies verneinen.
Ist ein solcher Betrieb somit von der Massentierhaltungs-Initiative nicht betroffen, ist also alles kein Problem? Doch, auch ein solcher Betrieb mit diesen Tierzahlen wäre betroffen! Denn die Initiative definiert die Bio-Suisse-Richtlinien 2018 als Mindeststandard.
Die Aussage von gestern, dass diese Richtlinien eine Richtschnur sein sollen, ist falsch. Denn wir schreiben mit der Annahme dieser Initiative in die Verfassung: "Die Ausführungsgesetzgebung muss bezüglich Würde des Tiers Anforderungen festlegen, die mindestens den Anforderungen der Bio-Suisse-Richtlinien 2018 entsprechen." Es ist also verbindlich.
Ich spreche hier als Direktbetroffene. Ich erzähle Ihnen von unserem eigenen Betrieb im Luzerner Mittelland, einem absolut durchschnittlichen Betrieb. Wir haben 25 Milchkühe, wir haben einen Laufstall mit Kühen, die jeden Tag entweder auf die Weide oder in den Laufhof dürfen. Wir produzieren Wiesenmilch. Wir halten zudem 30 Muttersauen und einen Eber. Hier halten wir die Tiere nach erhöhten Ansprüchen, die weit über das Tierschutzgesetz hinausgehen.
Auch wenn sich diese Produktion weit entfernt von einer Massentierhaltungsproduktion bewegt, wäre unser Betrieb ganz direkt betroffen. Was mich dabei am meisten nachdenklich stimmt, ist die Tatsache, dass die Tierhaltung bei den Schweinen nicht den Ansprüchen der Initiative entspricht; dies, obwohl wir in den letzten Jahren mehrmals und immer zugunsten des Tierwohls umgebaut haben. Wir erfüllen sämtliche Bedingungen, welche für die Produktion von Naturafarm-Schweinefleisch gefordert werden. Nur, was ist mit diesem Label passiert? Sie wissen es: Es gibt es gar nicht mehr. Weshalb? Weil die Produkte nicht verkauft wurden. Das frustriert und macht uns Produzenten traurig. Wir möchten nicht mehr immer höheren Ansprüchen genügen, unsere Produkte am Ende aber nicht mehr verkaufen können. Ich bin so weit, dass ich fordere, dass jeder, der solchen Anliegen zustimmt, mit den Kaufquittungen des letzten Jahres beweisen muss, dass er diese Produkte auch tatsächlich kauft. Nur dann gilt ein Ja als ein Ja.
Bitte, geschätzte Initianten und Initiantinnen: Wenn Sie etwas erreichen wollen, dann überlegen Sie sich, was Sie verhindern und was Sie fördern wollen, und zielen Sie nicht mit der Schrotflinte, wie das hier einmal mehr passiert. Mit dieser Initiative treffen Sie nicht nur jene, die Sie treffen wollen, sondern praktisch die gesamte Landwirtschaft.
Vielen Dank, wenn Sie zu dieser Initiative Nein sagen.