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Cassis Ignazio · Bundesrat · 2022-03-16

Cassis Ignazio · Bundesrat · Tessin · 2022-03-16

Wortprotokoll

Depuis trois semaines se poursuit l'attaque militaire russe. Une guerre violente est en cours en Europe, causant des souffrances intolérables. Ses répercussions pour la sécurité du continent sont graves. Ses répercussions sont durables.

Durant ces dernières semaines, la Suisse a dû revoir en profondeur ses relations avec la Russie. En Ukraine, notre ambassade à Kiev a été évacuée. De grands efforts ont été faits pour prêter assistance aux Suisses sur place, ainsi qu'aux personnes ayant des liens avec la Suisse.

J'ai encore pu me faire une idée concrète de la situation sur le terrain durant un entretien avec le premier ministre Chmyhal vendredi dernier. Malgré la poursuite des efforts diplomatiques intenses, la guerre s'aggrave. Aucun cessez-le-feu [PAGE 459] n'est en vue. Il ne semble pas y avoir de perspective pour de véritables corridors humanitaires sûrs. Les victimes civiles se comptent malheureusement déjà par centaines, voire bientôt par milliers si aucun cessez-le-feu n'est décidé immédiatement. La situation humanitaire est catastrophique. La prise de contrôle et le bombardement d'installations nucléaires par la Russie violent le droit international et augmentent le risque d'accidents graves.

Le Conseil fédéral a condamné très fermement cette invasion d'un pays libre et démocratique, notamment dans les enceintes multilatérales et dans ses contacts avec la Russie. Il appelle à une désescalade et à un cessez-le-feu immédiat.

Nous avons demandé à toutes les parties de respecter le droit international humanitaire et les droits de l'homme. Mon département est prêt à fournir des bons offices si les parties au conflit le demandent.

La Suisse s'engage au niveau multilatéral. Elle soutient l'activation des mécanismes de l'OSCE et du Conseil des droits de l'homme de l'ONU pour collecter des preuves de crimes de guerre, en prévision des enquêtes et des éventuels procès devant une cour internationale. Le 2 mars dernier, avec 38 autres Etats, la Suisse a enjoint la Cour pénale internationale à enquêter sur la situation en Ukraine. La Suisse continue de soutenir la mission de surveillance des droits de l'homme de l'ONU en Ukraine, qui existe depuis 2014 et qui est restée déployée sur le terrain.

En parallèle, la situation des droits de l'homme en Russie s'est largement détériorée depuis le lancement des hostilités. Nous suivons cette évolution avec inquiétude.

En Ukraine, près de 12 millions de personnes, soit plus de 25 pour cent - un quart! - de la population, dépendent d'une aide d'urgence par manque d'eau, d'électricité, de nourriture et d'autres produits de base. On estime que plus de 1,9 million de personnes ont été déplacées à l'intérieur du pays. Plus de 3 millions d'Ukrainiens ont cherché refuge dans les pays voisins, en partie jusqu'en Suisse. L'ONU et le Mouvement international de la Croix-Rouge et du Croissant-Rouge chiffrent les besoins de financement pour l'Ukraine et les pays voisins à près de 2 milliards de dollars américains jusqu'en mai de cette année.

Le Conseil fédéral a réagi très vite pour soulager la détresse de la population ukrainienne. Nous avons déjà livré plus de 500 tonnes de biens d'urgence et déployé une vingtaine d'experts du Corps suisse d'aide humanitaire. La Suisse contribue, avec 6,5 millions de francs, aux besoins des organisations humanitaires sur place et dans les pays limitrophes, et l'opération continue. Dans les toutes premières heures, un paquet d'aide humanitaire pour 8 millions de francs a été décidé.

Letzten Freitag hat der Bundesrat beschlossen, sein humanitäres Engagement in der Ukraine und der Region für dieses Jahr auf insgesamt 80 Millionen Franken zu erhöhen. Davon sind 53 Millionen Franken zusätzliche Mittel, die Ihnen zur Bewilligung unterbreitet werden. Auch bezüglich der Aufnahme von Schutzbedürftigen hat der Bundesrat rasch reagiert und in Abstimmung mit den europäischen Partnern, den Kantonen und interessierten Kreisen beschlossen, den Schutzstatus S anzuwenden. Dieser Status wurde mit dem auf europäischer Ebene vorgesehenen Status harmonisiert. Die grosse Solidarität der Schweizer Bevölkerung ist berührend. Wir wollen sie auch bei der Unterbringung der schutzsuchenden Ukrainerinnen und Ukrainer berücksichtigen.

Nun spreche ich zu den Sanktionen: Sanktionen sind am effizientesten, wenn sie möglichst breit abgestützt sind. Gestützt auf das Embargogesetz kann sich die Schweiz Sanktionen anschliessen, die von der UNO, von der OSZE oder von unseren wichtigsten Handelspartnern erlassen wurden und die der Einhaltung des Völkerrechts dienen. Bis jetzt hat die Schweiz praktisch nur die EU als wichtigsten Handelspartner betrachtet. Der Bundesrat hat am 28. Februar entschieden, die Sanktionen der EU gegen Russland zu übernehmen und somit deren Wirkung zu verstärken. Die EU-Sanktionen vom 9. März gegen Russland und die neuen EU-Sanktionen gegen Belarus werden auch von der Schweiz übernommen und treten heute, am 16. März um 12 Uhr, in Kraft. Dies ist mit der Neutralität vereinbar.

In Bezug auf den Rohstoffhandel steht die Bundesverwaltung in Kontakt mit den wichtigsten in der Schweiz domizilierten Handelshäusern. Viele von ihnen haben sich bereits ganz oder teilweise von ihrem Russlandgeschäft getrennt. Ein grosser Teil des Rohstoffhandels ist durch die Sanktionen im Finanzsektor sowie durch die freiwillige Zurückhaltung der Banken und Transportunternehmungen eingeschränkt.

Der Krieg in der Ukraine wirft auch Fragen zur Versorgungssicherheit auf. Die Schweiz deckt rund 15 Prozent ihres Energiebedarfs mit Gas, und dieses wird fast ausschliesslich importiert. Das Gas wird vorwiegend auf den Handelsplätzen in Deutschland eingekauft, wo viel russisches Gas angeboten wird. Mit knapp 50 Prozent ist der Anteil an russischem Gas in der Schweiz entsprechend hoch. Auch deshalb ist klar: Mittel- bis längerfristig muss unser Land von den fossilen Energien wegkommen. Wichtig dafür sind das Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung mit erneuerbaren Energien sowie das neue CO2-Gesetz, das derzeit in der Vernehmlassung ist. Um die Planung des Rückbaus von Gasnetzen zugunsten von Fernwärmenetzen zu prüfen, führt der Bund Gespräche mit den Kantonen und Städten. Für den laufenden Winter ist die Versorgungssicherheit mit Strom und Gas aus heutiger Sicht trotz der hohen Preise gewährleistet. Für die Versorgungssicherheit im kommenden Winter hat der Bundesrat Massnahmen getroffen.

Gesamtwirtschaftlich gesehen sollten die direkten Effekte des Krieges auf die Schweiz begrenzt sein. Auf Russland und die Ukraine entfallen nur geringe Anteile des Schweizer Aussenhandels, der Direktinvestitionen und der Auslandsforderung des Bankensystems. Wichtiger könnten indirekte Auswirkungen sein. Zum Beispiel dämpfen steigende Energiepreise die Kaufkraft der Haushalte, und die grosse[NB]Unsicherheit erhöht den Aufwertungsdruck auf den Schweizerfranken.

Die Folgen des Kriegs für die internationalen Beziehungen sind bedeutend. Der Bundesrat hat eine bewaffnete Eskalation in dieser Region Europas zwar für möglich gehalten, sie trat aber schneller und brutaler ein als erwartet. Die Souveränität, die territoriale Integrität, das Völkerrecht und die Menschenrechte werden verletzt. Freiheit und Demokratie sind heute infrage gestellt. Die allermeisten Staaten der Welt treten geeint und solidarisch gegenüber Russland auf. Für die Schweiz ist dieser gestärkte internationale Zusammenhalt bezüglich Sicherheit und Stabilität wichtig. In Europa sind für uns die Partnerschaft für den Frieden mit der Nato und die Kooperation mit der EU zentral. Letztere möchten wir stärken. Auch mit unseren Nachbarstaaten und denjenigen der Ukraine arbeiten wir zurzeit eng und gut zusammen.

Die aktuellen Entwicklungen zeigen auch die Dringlichkeit der Reduzierung der Nuklearwaffenrisiken und der nuklearen Abrüstung. Der Bundesrat verurteilt die nuklearen Drohungen Russlands scharf. Der Bundesrat wird die Frage eines Schweizer Beitritts zum Kernwaffenverbotsvertrag wie geplant neu beurteilen, die Folgen der aktuellen Krise sind auch ein Faktor für diese Neubeurteilung.

Unser Engagement für Frieden und Sicherheit ist notwendiger denn je. Die Schweiz will sich im UNO-Sicherheitsrat dafür einsetzen. Sie haben ja die Kandidatur in dieser Session erneut bestätigt. Ressourcen und Kompetenzen für diese Aufgabe sind vorhanden, und mit unserem breiten Vertretungsnetz verfügen wir in den meisten Krisenherden über eigene Kanäle. Wir können auf bewährte Grundsatzpositionen und eingespielte Prozesse zurückgreifen, die auch für andere UNO-Organe gelten. Im letzten November hat der Bundesrat auch festgelegt, in welchen Fällen er direkt impliziert sein wird. Ebenfalls bereits vereinbart ist, dass das Parlament weitgehende und weltweit einmalige Informations- und Konsultationsrechte erhält. Dadurch wird es jederzeit informiert sein und sich bei Bedarf einbringen können.

Der militärische Angriff Russlands auf die Ukraine hat die schwerste Sicherheitskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg sowie eine humanitäre Krise enormen Ausmasses ausgelöst. Am Freitag beschloss der Bundesrat, die interdepartementale Koordination zu verstärken. Alle zuständigen Stellen prüfen die Auswirkungen des Krieges und der Sanktionen auf die Schweiz und treffen laufend die nötigen Massnahmen. [PAGE 460] Dies gilt insbesondere auch für die Bekämpfung von Desinformation und von Cyberangriffen. Über aktuelle Entwicklungen und Massnahmen des Bundes wird das EDA, zusammen mit den entsprechenden Departementen, die zuständigen Kommissionen weiterhin informieren.

Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.