Egger Kurt · Nationalrat · 2022-05-09
Egger Kurt · Nationalrat · Thurgau · Grüne Fraktion · 2022-05-09
Wortprotokoll
Bei dem vorliegenden Postulat geht es um Energieeffizienz. Es geht um Energiesparen, und es geht sogar um Energiesparen zum Nulltarif. Die günstigste und umweltfreundlichste Kilowattstunde ist bekanntlich jene, die nicht verbraucht wird. Das Postulat verlangt vom Bundesrat einen Bericht, der das Potenzial des Energiesparens beim "Betrieb ohne Nutzen", wie das so schön heisst, erfasst und der Massnahmenvorschläge und Anreizmechanismen zu dessen Vermeidung unterbreitet.
Wie der Name sagt, geht es beim Betrieb ohne Nutzen um Geräte und Anlagen, die in Betrieb stehen und dabei keinen Nutzen haben. Das können Lüftungsanlagen sein, die während der Nacht laufen, Drucker, die dauernd eingestellt sind, Beleuchtungen, die eingestellt sind, obwohl niemand im Raum ist, oder Motoren, die im Leerlauf laufen. Das Sparpotenzial bei dieser Energieverschwendung ist gross. Das Bundesamt für Energie hat bereits 2009 erste Untersuchungen angestellt und Dienstleistungsgebäude untersucht. Danach könnten alleine bei Dienstleistungsgebäuden etwa 2,4 Terawattstunden Strom pro Jahr eingespart werden. Wenn wir jetzt zu diesen Dienstleistungsgebäuden noch Schul- und Gewerbebauten dazuzählen, ist das Potenzial drei- oder viermal höher; da kommen wir plötzlich zu einer Stromverbrauchsreduktion um mindestens 20 Prozent, und das alles praktisch ohne Kosten. 20 Prozent sind weit mehr, als durch die viel beschworene Winterstromlücke, die von einigen hier im Saal vorausgesagt wird, fehlen würde.
Auf ähnliche Resultate kommt eine Studie der Stadt Zürich aus dem Jahre 2011; das ist auch schon zehn Jahre her. Da [PAGE 651] wurde der Stromverbrauch in städtischen Bauten, in der Verwaltung, in Schulen und in der Pflege untersucht. Dabei zeigte sich, dass mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs ausserhalb der Nutzungszeiten, also vor allem nachts, lag. Das wird als untrügliches Zeichen dafür gewertet, dass sehr viel Strom ungenutzt verbraucht wird.
Schliesslich weist auch der BFE-Bericht zum Stromverbrauch vom Mai 2021, ganz jung, darauf hin, dass das Effizienzpotenzial bei Weitem noch nicht ausgeschöpft ist. Hier wird als Hemmnis für die heute noch unzureichende Ausnützung unter anderem die Unwissenheit der Akteure genannt. Diese Unwissenheit muss nun behoben werden. Zur Elimination dieser Unwissenheit gibt es auch bereits Erfahrungen in der Schweiz. Ich möchte hier das Effizienzprogramm Eco 21 der Services industriels de Genève (SIG) erwähnen. Sie informieren und sensibilisieren ihre Kunden gezielt, schicken Energieberaterinnen vor Ort, die den Kunden die Lücken aufzeigen. Mit diesem Effizienzprogramm kann die SIG den gesamten Stromkonsum um jährlich fast 1 Prozent reduzieren. Es gäbe auch andere Anreize, z. B. die verstärkte Weiterbildung oder die Unterstützung von Instrumenten wie dem Energiespar-Contracting.
Es ist also höchste Zeit, dass wir unseren Strom effizienter nutzen. Die Steigerung der Energieeffizienz ist ein ganz wesentlicher Pfeiler für die Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050.
Der Bundesrat beantragt, das Postulat anzunehmen, und ich bitte Sie dringendst, dies auch zu tun.