Freund Jakob · Nationalrat · 1999-12-06
Freund Jakob · Nationalrat · Appenzell A.-Rh. · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 1999-12-06
Wortprotokoll
Vorerst möchte ich meine Interessenbindungen bekannt geben: Ich bin aktiver Volksmusikant und Mitglied der Interessengemeinschaft für Volkskultur in der Schweiz.
Wie wir in dieser Debatte schon mehrmals gehört haben, hat die Stiftung Pro Helvetia den gesetzlichen Auftrag, die Kultur in unserem Lande zu wahren, kulturelles Schaffen, den kulturellen Austausch und die Verständigung im Inland zu fördern. Zusätzlich erhält sie nun neue Aufträge: Stärkung der nationalen Identität und des inneren Zusammenhaltes sowie Intensivierung ihrer Auslandtätigkeiten.
Grundsätzlich habe ich nichts gegen eine massvolle Kulturförderung einzuwenden. Es soll aber eine unter den verschiedenen Kultursparten ausgeglichene Förderung sein. Damit ziele ich auf die stiefmütterliche Behandlung des gesamten Bereiches der Volkskultur innerhalb der Pro Helvetia. Es gibt in der Schweiz auch noch andere Kulturförderer, z. B. die Interessengemeinschaft für Volkskultur in der Schweiz. Sie wahrt ebenfalls das kulturelle Wirken in der Schweiz; sie unterstützt ebenfalls das kulturelle Schaffen; sie fördert ebenfalls die Verständigung in unserem Land usw.; das alles ohne Bundesmittel.
Die Interessengemeinschaft für Volkskultur in der Schweiz wird übrigens von unserem neuen Ratspräsidenten, Hanspeter Seiler, präsidiert. Sie zählt 450 000 aktive Mitglieder und vereint alle in der Schweiz wirkenden Verbände und Institutionen im Bereich der Volkskultur.
Dass dieser Vorlage aus dem Lager der Interessengemeinschaft für Volkskultur Widerstand erwachsen ist, geht vor allem auf einen Artikel des Direktors der Stiftung Pro Helvetia zurück. Er hat in seiner Hauszeitung "Cadenza" verschiedene markante Sätze geschrieben. Einen hat Herr Föhn bereits zitiert; ich lasse ihn deshalb aus. Ein zweites Zitat: "Normierung des Jodels, Konservierung der Gesänge in ein Regelkorsett und Zwangsjacken aller Art bedeuten den Tod der Kultur." Oder ein anderes Zitat: "Zu fördern ist auch das Vermitteln des Neuen, das beim Zuhören Hörhemmungen verursacht." Und abschliessend schreibt er in seinem Artikel: "Will man wissen, wie es um die demokratische Kulturförderungsinstitution und ihre Zukunft steht, achte man auf den Umgang mit der Volkskultur. Pro Helvetia schneidet dabei gut ab."
Ich beurteile das nicht gleich. Wer mit der Volkskultur so umgeht, schockiert jeden, der diese aus Freude pflegt.
Die Stiftung Pro Helvetia ist autonom und kann ihre Mittel einsetzen, wie sie will. Sie täte aber gut daran, in den erlauchten Club der intellektuellen Verteilungskünstler - damit meine ich den Stiftungsrat - auch einen Vertreter aufzunehmen, der aus der ihrer Auffassung nach nicht förderungswürdigen Volkskultur stammt; damit meine ich einen Vertreter der Interessengemeinschaft für Volkskultur in der Schweiz.
Wegen der für viele Freunde der Volkskultur in der Schweiz schwer verständlichen Förderungspraxis, aber auch aus finanzpolitischen Gründen empfiehlt Ihnen die SVP-Fraktion, dem Antrag der Minderheit I (Föhn) zuzustimmen und die Anträge der Mehrheit und der Minderheit II (Müller-Hemmi) abzulehnen.
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