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Zanetti Roberto · Ständerat · 2022-06-14

Zanetti Roberto · Ständerat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-06-14

Wortprotokoll

Ich danke dem Kommissionsberichterstatter für die Vorstellung und Begründung des Antrages der Zwei-Drittel-Mehrheit der Kommission. Und ich danke dem Minderheitsvertreter für die Auslegeordnung der Gründe, die dagegen sprechen und für die ich grosses Verständnis habe.

Er hat die Unfallgefahr erwähnt. Es trifft zu, dass sich vielleicht unschöne Unfälle zwischen behornten Kühen und Menschen, die sich um diese Kühe kümmern, ereignen können. Die Unfallstatistik in der Landwirtschaft ist relativ dürftig. Immerhin kann man feststellen, dass die Mehrheit der Unfälle im Umgang mit landwirtschaftlichen Fahrzeugen, also mit Traktoren, Ladewagen, Maschinen usw., passiert. Weiter kommt es zu Sturzunfällen, beispielsweise zu Stürzen vom Kirsch- oder Apfelbaum. Erst an dritter oder vierter Stelle rangieren die Unfälle mit Tieren.

In der Logik der Minderheit müsste man jetzt sagen, dass wir alle Direktzahlungen für Hochstamm-Plantagen streichen sollten; das wäre die logische Konsequenz. Fällt man nämlich vom Hochstamm-Apfelbaum, ist das Risiko, dass der Unfall schwerer Natur ist, deutlich grösser als bei einem Sturz im Erdbeerfeld. In einem Bereich subventionieren wir Tatbestände, die ein höheres Unfallrisiko haben, und warnen dann im anderen Bereich davor.

Zu den Unfällen zwischen den Tieren: Die Kommissionssitzung, die wir hierzu abgehalten haben, fand, glaube ich, am Tag nach dem Kuhkampf im Wallis statt. Die Eringerkühe sind alle behornt. Während dieser Eringerkuhkämpfe passieren praktisch nie Unfälle unter den Tieren. Es gibt gar Theorien, die besagen, dass die Tiere mit den Hörnern kommunizieren würden; sie könnten demnach ihre Rangordnung ausmachen, sodass weniger aufeinandergeprallt werde. Unbehornte Kühe gehen eben auch aufeinander los. Und selbstverständlich kann man da ein paar unschöne Bilder an die Wand projizieren, aber die Wahrscheinlichkeit von Unfällen unter Tieren ist relativ gering, weil sie eben mit ihren Hörnern kommunizieren und so allenfalls Rangordnungskämpfe ausmachen können.

Weiter wird auf die Einschränkung des Tierwohls hingewiesen, weil dann alle Kühe an Anbindestellen gebunden wären. Das stimmt nicht! Ich habe hier ein Papier "Laufställe für horntragende Milchkühe". Das wird also wissenschaftlich untersucht. Dieses Problem kann man planerisch und baulich lösen, und es leuchtet ein, dass das Nichtenthornen das Tierwohl deutlich erhöht.

Der Mehrheitssprecher hat ja da von den philosophischen Tiefen der Debatte erzählt. Ich sage Ihnen: Machen Sie einmal Pediküre mit dem Lötkolben oder mit einem Heissluftgebläse, dann merken Sie, dass das Menschenwohl auch [PAGE 519] eingeschränkt wäre. Es gibt sogar Untersuchungen der Universität Bern, die besagen, dass es nicht ausgeschlossen ist, dass diese Enthornungen, die beim jungen Kalb vorgenommen werden, dann zu Phantomschmerzen führen. Das heisst also, dass diese Kälber während der ganzen Lebensdauer solche Phantomschmerzen in ihren Schädeln haben. Es ist unbestritten, dass die Enthornung das Tierwohl einschränkt. Und eben, mit geschickten Bauten und Laufställen für Hornkühe kann man all die negativen Nebenwirkungen beseitigen.

Ich bitte Sie deshalb, im Interesse der Mutterkühe und vor allem ihrer Kälber der deutlichen Mehrheit der Kommission zu folgen und die Motion anzunehmen.