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Studer Lilian · Nationalrat · 2022-09-12

Studer Lilian · Nationalrat · Aargau · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2022-09-12

Wortprotokoll

Für den Standort Schweiz wie auch für den Wohlstand der hier lebenden Menschen ist die Digitalisierung ganz entscheidend. Das ist nicht nur uns bewusst, sondern auch Daniel Markwalder, Leiter des Bereichs "Digitale Transformation und IKT-Lenkung" des Bundes. Laut ihm bedeutet das, dass der Staat hier investieren muss, damit die Digitalisierung gelingt. Wir sollten die Vision haben, die Schweiz zu einem führenden Land der Digitalisierung zu machen, indem wir als Gesellschaft "Digital first" konsequent zum Nutzen der Menschen umsetzen, so Markwalder.

Zur Erinnerung: Die Strategie Digitale Schweiz besteht aus fünf Wirkungsbereichen, und im Aktionsplan werden die operativen Ziele und Massnahmen zu diesen Wirkungsfeldern definiert. Zudem gibt es jährlich zwei bis drei konkrete Fokusthemen.

Im Rahmen der Frauensession 2021 wurde der Antrag gestellt, die Geschlechterperspektive in die Strategie Digitale Schweiz zu integrieren. Der Grund war unter anderem, weil in den Mint-Berufen etwa 85 Prozent der digitalen Fachkräfte [PAGE 1356] Männer sind. Der digitale Wandel ist aber nicht neutral. Dazu drei Beispiele:

1.[NB]Es wäre wichtig, die geschlechtsspezifischen Auswirkungen der Digitalisierung auf Beschäftigte in frauendominierten Berufen anzuschauen. Diskutiert wird es wahrscheinlich kaum oder nur am Rande. Beachten muss man auch Studien und Aussagen vonseiten des Internationalen Währungsfonds und des World Economic Forum, wonach Frauen gerade in jenen Bereichen unterrepräsentiert sind, in denen ein Jobwachstum erwartet wird. Sie sind somit eher als Männer von Arbeitsverlust durch die Digitalisierung betroffen. Nur weil diese Aussagen globaler Natur sind, sind sie für die Schweiz nicht weniger richtig.

2.[NB]Der digitale Wandel ist kein Branchenphänomen mehr. Heute sind fast alle Berufe von Digitalisierungsprozessen betroffen. Ein Grossteil der Frauen arbeitet somit auch mit der digitalen Technologie.

3.[NB]Diejenigen Menschen, die Algorithmen programmieren, bestimmen auch, wie die Ergebnisse produziert werden. Spracherkennungssoftware wird somit mit Daten gefüttert, die Frauen übergehen, oder es werden Bilder und Datensätze verwendet, die Frauen vergessen.

Somit hat die Untervertretung der Frauen im digitalen Bereich eine Auswirkung, und zwar auf alle Ebenen der Gesellschaft. Um den gesellschaftlichen Erwartungen Rechnung zu tragen, sind sowohl eine ausgewogene Vertretung als auch ein differenziertes Denken zur Frage, wie sich die digitale Strategie unterschiedlich auf Frauen und Männer auswirkt, sehr wichtig.

Bei der Diskussion in der WBK-N bekamen wir den Eindruck, dass auch die Verwaltung die Geschlechterperspektive als Chance sieht; dies hat auch der Bundesrat mit seiner unterstützenden Haltung zur Motion bestätigt. So einfach, wie wir das wünschen, ist es aber nicht - dies ist uns allen klar. Als Beispiel führte Herr Daniel Markwalder aus, dass man gerne mehr Frauen im Team hätte, aber massiv mehr Bewerbungen von Männern als von Frauen erhalte. Unter anderem wurde von Herrn Markwalder ausgeführt, dass dringend mehr unternommen werden müsse, um Frauen für Mint-Berufe zu begeistern. Als möglicher Ansatzpunkt wäre es denkbar, "Frauen in Mint-Berufen" ein Jahr lang zu einem Fokusthema zu machen, und zwar auch im Bundesrat.

Mit 14 zu 11 Stimmen hat die Kommission der Annahme der Motion zugestimmt, da Handlungsbedarf erkannt worden ist. Die Kommissionsmotion fordert eine längerfristige und verbindliche Perspektive für den Einbezug von Frauen im digitalen Bereich. Herausforderungen im digitalen Bereich sollen im Zusammenhang mit Frauen angepackt werden. Ein Brief mit ähnlicher Stossrichtung wurde zudem seitens der Kommission an den Bundesrat gesandt.

Kurz zum Antrag der Minderheit: Wortmeldungen dafür gab es nur eine einzige. Diese wurde von den Ausführungen von Herrn Markwalder überzeugt, dass das Anliegen ernst genommen und entsprechend gehandelt wird und dass man es somit beim Brief belassen könne. Dieser an den Bundesrat gerichtete Brief wurde übrigens mit 18 zu 7 Stimmen angenommen.

Die Kommission unterstützt wie auch der Bundesrat die Annahme dieser Motion. Ich bitte Sie, die Motion ebenfalls anzunehmen.