Graf Maya · Ständerat · 2022-09-13
Graf Maya · Ständerat · Basel-Landschaft · Grüne Fraktion · 2022-09-13
Wortprotokoll
Sie erinnern sich sicher an die Abstimmung über die extreme Tierversuchs-Initiative Anfang Jahr, die wir hier ja alle abgelehnt haben. Im Abstimmungskampf haben wir aber versprochen, dass unter anderem die Tierversuche reduziert werden sollen und das Leiden von Versuchstieren minimiert werden soll. Wir haben in diesem Abstimmungskampf auch erfahren müssen, dass es Hunderttausende von Labortieren gibt, die jedes Jahr bei der Zucht von Versuchstieren entstehen und überzählig sind, und dass diese dann reduziert, also getötet, werden müssen.
Mit meinem Postulat möchte ich den Bundesrat beauftragen, in einem Bericht aufzuzeigen, wie Hunderttausende von Labortieren, die überzählig sind, nachhaltig reduziert werden können. Zudem soll geprüft werden, wie die Erhebung und Entwicklung der Anzahl dieser Tiere jährlich, realistisch, zeitnah und für die Öffentlichkeit nachvollziehbar erfolgen kann. Heute muss ihre Anzahl sehr umständlich auf der Basis der Tierversuchsstatistik zusammengezählt werden.
Was uns die Tierversuchsstatistik der letzten Jahre nämlich deutlich zeigt, ist, dass längst nicht alle Tiere, die für Tierversuche gezüchtet werden, auch dafür eingesetzt werden. Rund 550[NB]000 Tiere werden jährlich im Tierversuch genutzt, während etwa zwei- bis dreimal so viele Versuchstiere gezüchtet, importiert und in engen Käfigen gehalten werden. So wurden 2020 in den 150 Versuchstierhaltungen rund 1,3 Millionen Tiere gezüchtet und importiert, davon knapp 80 Prozent Mäuse. Der grösste Teil davon war gentechnisch verändert. Bei der Züchtung gentechnisch veränderter Mäuse gibt es fast fünfmal so viele überzählige Tiere, sogenannte Überschusstiere, welche nicht eingesetzt werden können, weil sie entweder nicht das richtige Geschlecht oder nicht die richtige genetische Veränderung aufweisen. So müssen die allermeisten dieser Tiere euthanasiert und entsorgt werden. Die heute gängigste Tötungsmethode ist jene mittels CO2-Vergasung. Sie ist für die meisten Tiere sehr qualvoll. Dieser Tötungsprozess beginnt in den Käfigen, und es geht sehr lange, bis die einzelnen Tiere dann auch wirklich tot sind.
Der Handlungsbedarf ist also gross. Wir haben das Versprechen abgegeben, an diesem Thema dranzubleiben. Der Handlungsbedarf ist dringend.
Die negative Antwort des Bundesrates ist daher äusserst unbefriedigend. Er sagt beispielsweise, dass die Zahlen, wie viele überzählige Tiere es überhaupt gibt, ja aus den Zahlen zu den Versuchstieren abgeleitet werden könnten. Es muss aber in der Tierversuchsstatistik für die Öffentlich jederzeit klar feststellbar sein, welche Tiere wofür gebraucht werden und wie viele Tiere eben überzählig sind.
Der Bundesrat sagt auch, dass die Forschung auf genetische Modelle angewiesen ist - was wir wissen - und die Zucht [PAGE 687] dieser Tiere eben den Regeln der Vererbung entspricht. Es ist aber so, dass dies nicht nur ein enormer Eingriff in das Leben der Tiere ist, sondern dass eben nur ein kleiner Bruchteil dieser Tiere überhaupt für Tierversuche eingesetzt wird.
In seiner Stellungnahme spricht der Bundesrat auch von Animatch, einem Projekt der EU zur Vermittlung von gezüchteten Tieren, die nicht in Tierversuchen eingesetzt werden. Nach Einsicht in dieses Projekt scheint mir, dass es für die Schweiz nicht sehr nützlich ist. Hier richtet sich meine Frage auch an Herrn Bundesrat Berset: Vielleicht können Sie sagen, wie der Bundesrat darauf kommt, dass dies bereits eine Lösung sei.
Weiter weist der Bundesrat zu Recht darauf hin, dass mögliche CO2-Alternativen zur Euthanasie von Labortieren[NB]erforscht werden - und das ist auch sehr wichtig und dringend -, die weniger Leiden hervorrufen, bevor die Tiere das Bewusstsein verlieren. Der Bundesrat sagt, dass entsprechende Ergebnisse im Jahr 2025 zu erwarten sind. Zudem gibt es das Nationale Forschungsprogramm 79, "Advancing 3R - Tiere, Forschung und Gesellschaft".
Genau diese Lösungsansätze müssten nun dem Parlament in einem Bericht vorgelegt werden, und ich bitte Sie, dieses Anliegen zu unterstützen. Denn es werden ja Lösungsansätze erarbeitet, und der Bundesrat soll mit einem Postulat beauftragt werden, diese dem Parlament in einem Bericht darzulegen.
Ich bitte Sie daher, heute dem Postulat zuzustimmen, damit wir hier dranbleiben und das Tierleid auch reduzieren können, das nicht nur mit dem Züchten und Töten von Labortieren, die in Versuchen gebraucht werden, verbunden ist. Es betrifft vielmehr auch die ganz vielen Labortiere - es sind zwei- bis dreimal mehr als jene, die für Versuche gebraucht werden -, die gezüchtet werden und dann sterben müssen, weil sie überzählig sind. Es geht darum, dass wir hier eine gute Übersicht und vor allem Lösungsvorschläge erhalten.
Ich danke für die Beantwortung meiner Fragen.