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Herzog Eva · Ständerat · 2022-12-05

Herzog Eva · Ständerat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2022-12-05

Wortprotokoll

Ich beantrage Ihnen, hier dem Minderheitsantrag zuzustimmen und die Messgrösse auf 4 zu erhöhen, also vier Öffnungstage statt drei. Im Moment - die Berichterstatterin und Präsidentin unserer Finanzkommission hat es gesagt - ist der Lesesaal des Bundesarchivs während dreissig Stunden pro Woche an drei Tagen geöffnet. Dies ist schon weniger als bei der Nationalbibliothek, aber auch weniger als bei vielen kantonalen Archiven. Zudem gibt es eine Sommerpause von drei Wochen - gerade in einer Zeit, in der viele Forschende auch aus dem Ausland, aber auch solche, die Semesterferien haben, der Forschung nachgehen möchten.

Die Argumente gegen eine Verlängerung liegen zum einen bei der Auslastung. Man sagt, die Auslastung betrage nur 70 Prozent. Aber hier kann man die Frage von Huhn oder Ei stellen: Wenn die Öffnungszeiten nicht attraktiv sind, dann kommen die Leute auch nicht. Die Diskussion kommt nicht zum ersten Mal. Es gab auch schon einmal eine Reduktion der Öffnungszeiten. Die Begründung war immer die Digitalisierung. Mit der Digitalisierung sei es nicht mehr notwendig, dass die Forschenden physisch im Bundesarchiv vor Ort seien.

Mich hat interessiert, ob das möglicherweise zutrifft. Die Auskunft, die ich bekommen habe, hat mich erstaunt und darin bestärkt, diesen Minderheitsantrag aufrechtzuerhalten: Gerade physisch kann man pro Tag bis zu zwölf Dossiers im Lesesaal einsehen, während man nur ein Dossier aufs Mal digital bestellen kann, und die Wartefristen betragen zwischen zwei und sechs Wochen - eine erstaunliche Auskunft, die darauf hinweist, dass die Digitalisierung noch nicht so weit fortgeschritten ist, wie man sich das wünschte. Das soll man selbstverständlich durchaus weiter vorantreiben. Aber im Moment ist es noch nicht so.

Es sollte auch nicht so sein, dass Digitalisierung und physische Anwesenheit gegeneinander ausgespielt werden. Beides ist wichtig. Die Quellen vor Ort physisch einzusehen, ist einfach etwas anderes, da appelliere ich als Historikerin an Sie. Das ist wichtig, der Zugang ist ein anderer.

Was sowieso für diesen Antrag spricht, ist der Umstand, dass er nicht mehr kostet. Man rechnet damit, dass es 100[NB]000 Franken kostet, diesen zusätzlichen Öffnungstag möglich zu machen. Aber er soll im Budget aufgefangen werden, im Budget von 20 Millionen Franken des Bundesarchivs. Das sollte möglich sein. Wir sollten hier einfach das Signal aussenden, dass das zu tun ist.

Ich bitte Sie, den Forschenden, insbesondere jenen zur Schweizer Geschichte, einen besseren Zugang zum Bundesarchiv zu ermöglichen und dem Minderheitsantrag zuzustimmen.