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Graber Michael · Nationalrat · 2022-12-08

Graber Michael · Nationalrat · Wallis · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2022-12-08

Wortprotokoll

Drei ungeborene Lämmer, herausgerissen aus dem Mutterschaf, alle tot, gerissen von einem Wolf. Wölfe spazieren am helllichten Tag durch Dörfer und zeigen gegenüber den Menschen keine Scheu. Fünfzehn Kühe stürzen in den Tod, sie gerieten in Panik - mitten im Wolfsgebiet. Das sind drei exemplarische Fälle des letzten Sommers, die Schlagzeilen in der Presse machten. Solche Ereignisse sind im Berggebiet traurige Realität. Sie machen betroffen, und sie machen wütend - vor allem Menschen, denen Tiere wirklich am Herzen liegen.

Unsere neue Bundesrätin hat selbst Schwarznasenschafe. Das einzigartige Schwarznasenschaf, gleich wie die seltene Schwarzhalsziege oder die Eringer Rasse, gehört zum Kulturgut meines Kantons. Unsere Bauernfamilien kümmern sich mit Herzblut und Leidenschaft um diese Tiere, viele in Fronarbeit.

Die Wölfe verbreiten sich in der Schweiz rasant. Inzwischen zählt man über 210 Wölfe in mehr als zwanzig Rudeln. 2021 gab es noch rund 150 Wölfe. Das heisst, der Bestand hat in einem einzigen Jahr um über 30 Prozent zugenommen. Die übermächtige Wolfspräsenz verursacht gravierende Schäden und Konflikte mit Jägern, mit der Landwirtschaft, mit dem Tourismus und mit der Bevölkerung. Obwohl die Landwirtschaft grosse Anstrengungen betreibt, kommt es auch auf geschützten Weiden immer wieder zu Rissen. Herdenschutzmassnahmen sind nur bedingt geeignet und bieten keine Gewähr für eine wirksame Wolfsabwehr.

Als Folge davon geben viele Tierhalter auf. Unsere schönen Alpen verbuschen und verganden. Die Wölfe spazieren am helllichten Tag durch die Dörfer und zeigen gegenüber den Menschen keine Scheu. Die offensichtlich zunehmende Gewöhnung der Wölfe an den Menschen ist ein Risiko für die Sicherheit der Bevölkerung. Mir ist klar, dass Leute aus den Städten das für reine Polemik halten mögen. Aber ganz ernsthaft: Würden Sie in einem kleinen Bergdorf Ihre Kinder in der Abenddämmerung draussen spielen lassen, wo tags zuvor ein Rudel Wölfe umherstreifte? Die unkontrollierte Zunahme der Wolfsbestände ist also nicht nur für die Landwirtschaft eine existenzielle Bedrohung, sondern auch für die Sicherheit der Bevölkerung.

Will man den Tierhaltern wirklich helfen und die ungehinderte Ausbreitung des Wolfs stoppen, dann braucht es nun ein entschlossenes Vorgehen und einen Paradigmenwechsel. Die SVP ist überzeugt, dass es möglich sein muss, die Wölfe durch die Wildhut proaktiv zu regulieren, um Schäden oder Gefährdungen zu verhindern. Auch sollen Wölfe, die Siedlungen und Menschen nahe kommen oder den Herdenschutz umgehen, erlegt werden dürfen.

Die betroffene Bevölkerung und unsere einheimische Landwirtschaft hegen sehr grosse Erwartungen in diese Vorlage. Daher bitte ich Sie im Namen der SVP-Fraktion: Erhalten wir das Berggebiet als Lebens- und Wirtschaftsraum, stellen wir die Sicherheit der Bevölkerung sicher, und stoppen wir die unkontrollierte Zunahme der Wolfsbestände!

Wer schon einmal ein von einem Wolf gerissenes Lamm oder eine von einem Rudel angegriffene zitternde Mutterkuh mit eigenen Augen gesehen hat, kann die qualvollen Schmerzen und den Stress nur erahnen, den diese Tiere erleiden müssen. Da muss auch jeder Tierschützer eine Abwägung vornehmen. Wer wirklich ein Herz für Tiere hat, ist wie die SVP-Fraktion für Eintreten auf die Vorlage.

Lassen Sie mich noch etwas anmerken: Wir haben Krieg in Europa. Es gibt eine Rekordinflation und eine Zuwanderung, die alle Grenzen sprengt. Es gibt also in diesem Land Wichtigeres als den Wolf. Aber das Raubtier und vor allem der staatliche Umgang damit sind Sinnbild einer Entwicklung, unter der vor allem die Bergregionen leiden. In Bundesbern wurde eine ganze Verwaltungsindustrie aufgebaut, um die Wege des Wolfs haargenau nachzuverfolgen und zu beobachten. Der Staat gibt jedes Jahr Unmengen von Steuermillionen aus; den Schafzüchtern, den Direktbetroffenen vor Ort, hilft man aber nicht, solange man das Raubtier nicht wirksam regulieren kann.

Egal ob im Wallis, in Graubünden, in der Waadt, in der Innerschweiz oder selbst im Kanton Zürich: Der Wolf ist ein Schädling und längst zum Wappentier der Bundesbehörden geworden. Er symbolisiert die ideologisch handelnden Beamten, die sich lieber um Tiere kümmern als um die Anliegen der betroffenen Menschen. Der Wolf steht in diesem Sinne für nichts anderes als für ein unverkennbares Staatsversagen.