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Giacometti Anna · Nationalrat · 2023-03-01

Giacometti Anna · Nationalrat · Graubünden · FDP-Liberale Fraktion · 2023-03-01

Wortprotokoll

Mit meiner Motion will ich den Bundesrat beauftragen, den Besonderheiten von Eseln, Maultieren und Mauleseln in der Tierschutzverordnung Rechnung zu tragen. Equiden sind soziale Tiere, die sich in ihrer Herde am wohlsten fühlen. Die natürlichen Bedürfnisse von Equiden werden demnach nicht erfüllt, wenn sie alleine gehalten werden.

Das heutige Tierschutzrecht regelt in Artikel 59 die Haltung der Equiden, macht aber keinen Unterschied, ob es sich um Pferde, Esel, Maultiere oder Maulesel handelt. Esel gehören einer eigenständigen Tierart an und unterscheiden sich vom Pferd nicht nur optisch, sondern auch in ihrer Physiologie und ihrem Verhalten. Ein Maultier ist eine Kreuzung einer Pferdestute mit einem Eselhengst, und ein Maulesel ist eine Kreuzung einer Eselstute mit einem Pferdehengst.

Zurzeit leben in der Schweiz über 11[NB]000 Esel und lediglich 570 Maultiere und Maulesel. Die Anzahl der Esel ist seit 2016 um 18 Prozent gestiegen. Aber nicht nur im Gesetz werden Esel vernachlässigt, sie gehören zu den von der Gesellschaft am schlechtesten verstandenen Tieren. Sie werden oft unterschätzt, belächelt und als stur, störrisch oder dumm bezeichnet. Oft verbringen sie ihr Leben als "Beisteller" für Pferde.

Wie bereits erwähnt, ist es unbestritten, dass sich Esel und Pferde sowohl optisch als auch in der Physiologie und insbesondere im Verhalten unterscheiden. Esel brauchen die Gesellschaft anderer Esel. Die Tierschutzverordnung soll deshalb entsprechend angepasst werden. Esel, Maultiere, Maulesel und Pferde weisen deutliche Unterschiede in ihrer sozialen Organisation auf, und wenn es ihnen möglich ist, suchen sie systematisch die Gesellschaft von Individuen der gleichen Art. Da die Mutter von Maultieren ein Pferd ist, muss bei Annahme der Motion selbstverständlich eine geeignete Lösung gefunden werden.

Im "Schweizer Bauer" habe ich gelesen, dass zurzeit fünf Infoabende zur Eselhaltung organisiert werden. Esel sind spannende Wesen, ihre spezifischen Bedürfnisse müssen anerkannt sein. Was die Eselhaltung betrifft, kann ich aus eigener Erfahrung reden, da ich auf meinem kleinen Bauernhof jahrelang zwei Eselinnen gehalten habe. Im Fernsehen läuft regelmässig die Werbung der Bauern und Produzenten von Schweizer Fleisch mit schönen Videos von glücklichen Tieren und Aussagen der Bauern zum Tierwohl, das in der Schweiz einen hohen Stellenwert geniessen soll. Ich kaufe übrigens nur Schweizer Fleisch, falls vorhanden in Bioqualität.

Geschätzter Kollege Martin Haab, ich kann nicht nachvollziehen, wie Sie gegen eine Verbesserung der Haltung der Equiden sein können. In meiner Motion geht es ebenfalls um das Tierwohl. Sie verlangt lediglich, dass den Besonderheiten der einzelnen Equiden in der Tierschutzverordnung Rechnung getragen wird.

Der Bundesrat empfiehlt in seiner Stellungnahme vom 9. November 2022, die Motion in Bezug auf die Sozialkontakte von Eseln, Maultieren und Mauleseln mit ihren Artgenossen anzunehmen.

Ich bitte Sie ebenfalls, der Motion zuzustimmen.