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Teuscher Franziska · Nationalrat · 2003-03-13

Teuscher Franziska · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2003-03-13

Wortprotokoll

Jacqueline Fehr hat vorhin ausgeführt, dass wir uns wahrscheinlich ernsthaft mit der Durchführung des G8-Gipfels beschäftigen müssen, denn obschon es Ihnen wahrscheinlich klar ist, dass ich für den Nichteintretensantrag der Minderheit II (Cuche) stimmen werde, wird dieser Minderheitsantrag leider in diesem Saal keine Chance haben. Aber ich bin folgender Meinung: Wenn dieser G8-Gipfel schon stattfindet, wenn er einer Region während drei Tagen ein anderes Gesicht gibt, dann müssen wir auch versuchen, das Thema überall präsent zu machen, das Thema auch in den Schulen aufzunehmen. Deshalb habe ich Ihnen einen Zusatzantrag oder einen Antrag für einen Zusatzpunkt zum Antrag der Minderheit III (Fehr Jacqueline) gestellt.

Das Treffen der acht Regierungschefs der acht wirtschaftlich führenden Länder und von rund 20 weiteren Staatsoberhäuptern von Schwellen- und Entwicklungsländern wird begleitet von einem riesigen Sicherheitsaufwand. Für die Bevölkerung wird in dieser Region während dieser drei Tage kein normales Leben mehr möglich sein. Die Globalisierungsdebatte unter den Staatschefs wird in einem gesicherten Rahmen stattfinden. Was genau die Staatschefs dort unter sich diskutieren, erfährt die Bevölkerung - wenn überhaupt - nur über die Medien. Dass Globalisierung aber nicht nur ein Thema für den G8-Gipfel ist, sondern uns alle betrifft, nehmen die wenigsten zur Kenntnis. Die Globalisierung ist aber in unserem Alltag ständig präsent, denken wir zum Beispiel nur an den Kauf von Kleidern oder Plastikspielsachen. Wenn wir im Supermarkt stehen und kein Schweizer Poulet mehr finden, sondern nur Poulet aus China, ist das ein Ausdruck der Globalisierung.

Mit meinem Antrag verlange ich, dass die Globalisierung eben nicht nur Thema am G8-Gipfel ist, sondern auch ein Thema in den Schulen der Region. Denn die Schüler und Schülerinnen werden den G8-Gipfel während drei Tagen miterleben, und diese Gelegenheit soll auch dazu benutzt werden, den Schülern und Schülerinnen konkret aufzuzeigen, was Globalisierung ist und welche Folgen sie hat. Ich verlange daher vom Bundesrat, dass er geeignete NGO beauftragt, diese Aufklärungsarbeit in Schulen der Region zu übernehmen, und dass der Bund die nötige Finanzierung sicherstellt.

Ein Beispiel: Während des G8-Gipfels werden im Juni sehr viele Schulkinder ein T-Shirt tragen, und sie werden sich nicht bewusst sein, dass ihr T-Shirt ein Teil der Globalisierung ist. Die Mehrzahl der Textilien wird heute nicht mehr in Europa hergestellt, sondern in freien Produktionszonen, zum Beispiel in Südostasien oder Zentralamerika. Die Arbeitsbedingungen in diesen Produktionszonen sind schrecklich. Ein 16-Stunden-Tag ist die Regel. Unter diesen Umständen - und nur unter diesen Umständen - ist es eben möglich, billige Kleider herzustellen, die wir dann in den Läden kaufen.

Ein zweites Beispiel, das im Juni auch aktuell sein wird, sind die Turnschuhe der Jugendlichen. Auch hier gilt es aufzuzeigen, dass Turnschuhe einen Zusammenhang mit Globalisierung haben. 100 Franken für Turnschuhe mögen für den einzelnen Jugendlichen viel sein, aber er wird sich kaum bewusst sein, dass die Angestellten von diesen 100 Franken nur 40 Rappen bekommen. Der Rest, Fr. 99.60, geht an Grossfirmen, an die Vermarktung des Turnschuhs. [PAGE 309]

Die Globalisierung zeigt uns die weltweiten Verteilungsprobleme und ist überhaupt nicht widerspruchsfrei. Auch wenn es uns in der Schweiz im Vergleich zum Rest der Welt sehr gut geht, so gibt es doch auch bei uns immer noch sehr viele Leute, die froh sind, wenn sie billig einkaufen können. Viele billige Produkte werden aber eben unter miserablen Arbeitsbedingungen in diesen Schwellen- und Entwicklungsländern produziert.

Wenn der G8-Gipfel schon stattfindet, so muss er dazu genutzt werden, den Schülerinnen und Schülern das abstrakte Thema der Globalisierung konkret vor Augen zu führen. Sie sollen sich Gedanken über die Zusammenhänge zwischen unserem Leben in der Schweiz und den Verhältnissen in den Produktionsländern vieler unserer Konsumgüter machen. Die Schüler sollen merken, dass Globalisierung nicht nur während drei Tagen - während des G8-Gipfels - in ihrer Region präsent ist, sondern dass Globalisierung während 365 Tagen des Jahres bei uns präsent ist.

Ich bitte Sie daher, den von mir beantragten Zusatzpunkt zum Antrag der Minderheit III (Fehr Jacqueline) - den Punkt 7 - anzunehmen.

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