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Christ Katja · Nationalrat · 2023-03-08

Christ Katja · Nationalrat · Basel-Stadt · Grünliberale Fraktion · 2023-03-08

Wortprotokoll

Füllen Sie die Pfanne nur fingerhoch mit Wasser, setzen Sie einen Deckel darauf, schalten Sie beim Siedepunkt den Herd aus und nutzen Sie die Restwärme. So hat 1988 unser damaliger Energieminister Adolf Ogi am Fernsehen demonstriert, wie man effizient Eier kocht und dabei Energie spart. Die Ogi-Methode bleibt bis heute ungeschlagen, ausser man verwendet einen Eierkocher. Doch das war nur der Anfang. Zwei Jahre später rief der damalige Bundesrat und Energieminister das Programm Energie 2000 ins Leben, um für eine verbesserte Energieeffizienz in der Schweiz zu sorgen und erneuerbare Energien zu fördern.

Was mit der bekannten Eierkoch-Demo begann, entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten zum nationalen Programm Energie Schweiz. Es gibt wohl kaum etwas anderes, was nach 34 Jahren nicht total aus der Zeit gefallen, sondern an Aktualität nicht zu überbieten ist. Wir tun uns aber immer noch schwer mit der Notwendigkeit, Energie zu sparen. Dabei geht es eigentlich eher darum, keine zu verschwenden.

Stellen Sie sich vor, jeder dritte Bissen Ihres Essens falle von der Gabel direkt in den Müll. Genau so verhält es sich bei unserem Energiekonsum. Rund ein Drittel verpufft einfach, weil Geräte eingeschaltet sind, ohne dass sie jemand benutzt. Betrieb ohne Nutzen heisst diese Art der Verschwendung. Während wir Lebensmittelverschwendung mittlerweile als Problem wahrnehmen, geht es uns bei der Energie noch kaum so. Insgesamt könnten wir ohne Komfortverlust mit einem Drittel der Energie auskommen.

Die Ineffizienz schlägt volkswirtschaftlich zu Buche. Gemäss der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES) bezahlen Wirtschaft, Haushalte und öffentliche Hand pro Jahr 10 Milliarden Franken für Energieverluste. Der Bericht des UVEK vom 8. Februar 2022 zum Potenzial der Stromeffizienz zeigt auf, dass bis 2025 mit zusätzlichen Stromeffizienzmassnahmen Einsparungen von rund 200 Gigawattstunden erzielt werden können, wobei die Einsparungen jährlich ansteigen. 2030 sparen dieselben Massnahmen bereits 700 Gigawattstunden Strom ein, über die gesamte Lebensdauer werden es 7,7 Terawattstunden sein. Bei dieser Analyse sind nur Massnahmen geprüft worden, die keine grösseren gesetzlichen oder gar verfassungsrechtlichen Anpassungen verlangen.

Als ich meine Motion im März letzten Jahres eingereicht habe, war noch nicht von einer akut drohenden Strommangellage die Rede. Der aktuelle Krieg in der Ukraine, die Folgen trockener Sommer, AKW-Ausfälle sowie ein fehlendes Stromabkommen mit der EU zeigen uns nun aber eindrücklich auf, wie empfindlich uns unsere Abhängigkeit von ausländischen fossilen Brennstoffen trifft. Wenn die Strompreise weiter so steigen, könnte irgendwann sogar das Licht am Ende des Tunnels nicht mehr bezahlbar sein.

Die billigste und umweltfreundlichste Energie ist aber die, die wir nicht verbrauchen und deshalb erst gar nicht produzieren müssen. Energieeffizienz ist die konkrete Antwort auf die aktuelle Strommangellage. Wir brauchen dringend zusätzliche Anstrengungen auf allen Ebenen sowie ambitioniertere Effizienzziele im Programm Energie Schweiz. Es geht darum, einen entscheidenden Beitrag zu leisten, damit wir auch im nächsten Winter nur mit einem blauen Auge davonkommen - aber zumindest mit warmen Füssen.

Das seit vielen Jahren bestehende freiwillige Programm Energie Schweiz basiert auf Zielvereinbarungen. Die Wirtschaftsakteure und der Bund schätzen das Programm und den relativ einfachen und effizienten Vollzug. Das Ziel von Energie Schweiz ist es, die Energieeffizienz und den Anteil der erneuerbaren Energien in der Schweiz zu erhöhen. Es ist nur folgerichtig, die bewährten Energieeffizienzprogramme grundsätzlich weiterzuführen, aber sowohl ambitionierte Ziele zu setzen wie auch inhaltliche Anpassungen rasch vorzunehmen, um Tempo und Wirksamkeit auf dem eingeschlagenen Weg zu erhöhen.

Ich danke Ihnen für die Unterstützung meiner Motion.