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Schilliger Peter · Nationalrat · 2023-05-03

Schilliger Peter · Nationalrat · Luzern · FDP-Liberale Fraktion · 2023-05-03

Wortprotokoll

Mein Postulat stammt aus dem Jahr 2021, und ich bin froh, dass wir dieses Geschäft noch in dieser Legislatur behandeln können. Denn in dieser Legislatur hat sich gezeigt, dass wir auf zwei wichtige Fragen eine Antwort finden müssen. Zum einen ist das die klima- und energiepolitische Frage, zum andern die Frage des fehlenden Wohnraums. Dort stellen wir ja nicht nur in Bezug auf die Flüchtlingsunterbringung einen grossen Notstand fest. In beiden Bereichen könnte die bessere Ausnützung von Dachstöcken einen grossen Beitrag leisten. Es stellt sich einfach die Frage, ob der Staat hier einen Beitrag zur Nutzung des grossen Sanierungspotenzials leisten kann.

Der Bundesrat bzw. die Vorgängerin von Bundesrat Rösti beantragte zwar die Ablehnung des Postulates. Sie stellte fest, dass ein Ausbau der Dachstockwerke weniger aus energiepolitischer Sicht als aufgrund des raumplanerischen Ziels der Verdichtung sinnvoll wäre, sofern dieser Ausbau zu einer Erhöhung der Bewohnerzahl der Häuser führen würde. Das kann man so sehen. Sicher ist: Das Bevölkerungswachstum - Sie alle kennen die Prognosen für die nächsten Jahre - und die damit verbundene steigende Nachfrage nach Wohnraum sowie die Verschärfung der Vorschriften des Raumplanungsrechts haben zu einer spürbaren Verknappung von Bauland und zu steigenden Land- und Immobilienpreisen geführt. Nicht unlängst haben wir im Rat dringlich über die Wohnungsknappheit in der Schweiz debattiert. Im Interesse von uns allen, der Wohnungssuchenden, der Liegenschaftseigentümer und der gesamten Bevölkerung, wird es damit immer wichtiger, Grundstücke und Liegenschaften baulich optimal zu nutzen. Das ist heute nachweislich noch nicht der Fall. Viel nutzbares Potenzial im bestehenden Gebäudepark liegt brach, so eben auch in den Dachstöcken.

Dachstock-Ausbauten sind dank vorhandener Gebäudehülle, die ohnehin saniert werden muss, ohne grosse Probleme als Erweiterung mit einer Netto-null-Energiebilanz durchführbar. Die Argumente des Bundesrates zielen hier also ins Leere. Eine vergrösserte Wohnfläche führt nämlich höchstens zu einem marginal grösseren Energiebedarf. Ob ein Ausbau des Dachstockwerkes an eine Erhöhung der Bewohnerzahl geknüpft wird, ist auch nicht relevant. Familien entwickeln sich, brauchen mehr Platz, und das Gleiche gilt für die Bedürfnisse im Zusammenhang mit dem Homeoffice, das ja auch vom Bund gefördert wird. [PAGE 816]

Der Titel des Postulates sagt, dass das Potenzial zu erheben ist, was eine bescheidene Massnahme darstellt. Das Postulat hat letztlich ein sehr bescheidenes, allerdings ein ausserordentlich nützliches Ziel: Das Potenzial für die Erhöhung der Bewohnerzahl könnte durch eine Statistik zu nicht ausgebauten Dachstockwerken erhoben werden. Zudem, über die Frage des Dachstock-Ausbaus hinausreichend, ist Folgendes zu sagen: Eine der wirtschaftlichsten Massnahmen zur Erreichung der Emissionsziele für die Zukunft stellen nicht nur die Dachsanierung und der Fensteraustausch, die gemeinsam erfolgen sollten, dar, sondern dies sollte gleichzeitig mit einer Fotovoltaik-Installation gekoppelt werden.

Dies dient nicht nur der Energieerzeugung, sondern auch der Energieeffizienz: Eine optimale und effiziente Dachsanierung leistet somit einen raschen und wirksamen Beitrag, um die Klimaziele des Bundesrates zu erreichen. Meine Bewertung sagt, dass dadurch bei bisher nicht sanierten Gebäuden eine durchschnittliche Energieeinsparung von mindestens 50 Prozent ohne Probleme möglich wäre. Zumindest bei diesen schlechtesten Gebäuden wäre die Energieeinsparung pro investiertem Schweizerfranken in die Energieeffizienz der Gebäudehülle wirtschaftlich und damit auch[NB]gesellschaftlich,[NB]im[NB]Sinne[NB]der Energiestrategie 2050, höchst profitabel.

Nun geht es um die Frage, weshalb der Ausbau von bestehenden Dachstöcken im Verzug ist. Kennt die Öffentlichkeit, kennen die Kantone das Potenzial? Um diese Umsetzung in Gang zu setzen, braucht es die Unterstützung des Bundes. Wir brauchen in diesem Bereich eine Zuständigkeit, einen Kümmerer. Herr Bundesrat Rösti, ich sehe in Ihnen diesen Schirmherrn und Chef aller Kümmerer. Es braucht eine Gesamtbetrachtung und auch einen Input für die Kantone, welche dann in der operativen Umsetzung im Lead sein werden und auch sein müssen.

Vielen Dank, wenn Sie das Postulat annehmen und es damit möglich machen, dass wir offiziell erkennen, wie gross das Potenzial einer energetischen Sanierung von Dachstöcken überhaupt ist.