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Zopfi Mathias · Ständerat · 2023-09-20

Zopfi Mathias · Ständerat · Glarus · Grüne Fraktion · 2023-09-20

Wortprotokoll

Ich bin normalerweise mit der Beurteilung meiner Befriedigung gnädig, wenn es um Stellungnahmen auf Interpellationen geht. Aber hier, so muss ich Ihnen sagen, bin ich nicht nur nicht befriedigt, ich bin hochgradig unzufrieden. Ich hätte erwartet, dass man die Problematik, die diese Interpellation aufwirft, nicht schönredet, was man meiner Meinung nach in der Antwort tut, sondern dass man alles unternimmt, um diese massive Verschlechterung für den Kanton Glarus zu verhindern.

Der Step Ausbauschritt 2035 - ich muss Ihnen sagen, ich beginne langsam, aber sicher generell ein bisschen daran zu zweifeln - bringt für den Kanton Glarus eine untragbare und massive Verschlechterung. Für den Kanton Glarus ist das, was passiert, also der Wegfall der umsteigefreien Verbindungen, ein Rückschritt in die Fünfzigerjahre - aber nicht in die 1950er-Jahre, sondern in die 1850er-Jahre. Seit 1859, seit es die Bahnlinie von Rapperswil nach Glarus und umgekehrt gibt, ist ein umsteigefreies Reisen von Rapperswil nach Glarus oder von Glarus nach Rapperswil möglich - seit es die Bahnlinie gibt. Das würde jetzt wegfallen.

Ebenfalls wegfallen würde die Errungenschaft - Ihnen sagt vielleicht der Begriff "Glarner Sprinter" etwas -, die mein geschätzter und leider zu früh verstorbener Vorgänger Pankraz Freitag nicht hier im Ständerat, sondern im Glarner Regierungsrat durchbringen konnte, nämlich die Direktverbindung, die umsteigefreie Verbindung nach Zürich. Auch diese Verbindung hat für den Kanton Glarus schon damals und bis heute einen Quantensprung im Bereich des öffentlichen Verkehrs gebracht, und sie würde einfach gestrichen werden.

Wir haben im Kanton Glarus eine Bahnlinie. Natürlich können Sie sagen, so viele Menschen wohnten dort nicht - es sind ungefähr 42[NB]000. Ich sage Ihnen aber, dass erstens ein Kantonshauptort dabei ist, zweitens eben nur eine Bahnlinie besteht und drittens der Kanton stark auf den Grossraum Zürich ausgerichtet ist, was zu entsprechenden Pendlerströmen führt. Weiter ist viertens der relative Anteil industrieller Arbeitskräfte im Kanton Glarus nach wie vor so hoch wie nirgends sonst in der Schweiz. Gerade diese Menschen sind auch auf Verbindungen des öffentlichen Verkehrs angewiesen. Schliesslich ist der Kanton Glarus fünftens dann noch ein wichtiges Erholungsgebiet in der näheren Umgebung des Grossraums Zürich, was entsprechende Besucher-, Touristen- und Wandererströme in unseren Kanton zur Folge hat. Sie sehen also mit mir zusammen, dass es inakzeptabel ist, dass diese Verbindungen wegfallen.

Aus diesem Grund habe ich, zusammen mit meinem geschätzten Standeskollegen Thomas Hefti, diese Interpellation ausgearbeitet; das ist unsere Aktion hier. Das andere ist, dass der Regierungsrat des Kantons Glarus eine Studie in Auftrag gegeben hat, die nachweist, dass es möglich wäre. In diesem Zusammenhang bin ich enttäuscht darüber, dass man weder auf diese Studie Bezug nimmt noch anderweitig Hand bietet; dies umso mehr, als nachgewiesen ist, dass man dieses Problem anders lösen könnte und dass die umsteigefreien Direktverbindungen nicht wegfallen müssten.

An dieser Stelle erlaube ich mir nochmals einen Hinweis auf die Stellungnahme des Bundesrates. Dort steht, dass dieser Wegfall gemäss heutiger Beurteilung unausweichlich sei. Das sehe ich anders: Es wäre eine massive Verschlechterung der Attraktivität, und das ist schlicht und einfach inakzeptabel. Wenn nun gesagt wird, dass die Arbeiten, die im Rahmen der Fahrplan-Workshops noch stattfinden werden, ergebnisoffen seien, dann muss ich Ihnen sagen, dass das mir und dem Kanton Glarus mit Sicherheit nicht reicht. Ich erwarte, dass man sich des Problems annimmt. Ich erwarte auch, dass man klare Anweisungen erteilt, damit das Problem gelöst wird und die umsteigefreien Verbindungen für den Kanton Glarus nicht wegfallen.

Nochmals: Es wäre ein Rückschritt in die 1850er-Jahre, und das können wir als Kanton Glarus nicht dulden. Ansonsten würde ich mir vorbehalten, zu diesem Thema eine Motion einzureichen.