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Imboden Natalie · Nationalrat · 2023-09-21

Imboden Natalie · Nationalrat · Bern · Grüne Fraktion · 2023-09-21

Wortprotokoll

Es geht hier um eine gezielte Ausbildungsoffensive für niedrigqualifizierte Arbeitnehmende. In einem weiteren Sinne schliesst diese Forderung auch an die Forderung des Vorredners an. Denn es geht auch darum, Fachkräfte für unser Land zu haben.

Der Bundesrat soll beauftragt werden, gezielt Aus- und Weiterbildungsmassnahmen - ich betone das bewusst, weil es eben um beides geht - für Niedrigqualifizierte zu entwickeln, dies natürlich zusammen mit den Kantonen und den Branchen. Insbesondere soll auch die Situation von niedrigqualifizierten Frauen berücksichtigt werden.

Es liegt sicher in unser aller Interesse, in Zeiten eines Fachkräftemangels die Qualifizierung zu verstärken. Gerade bei den Weiterbildungen sehen wir, dass sich ein Graben auftut. Avenir Suisse formulierte es 2021 wie folgt: "Weiterbildung akzentuiert den Bildungsgraben." Und: "Es bilden sich insbesondere jene häufiger fort, die bereits höher qualifiziert sind." Gemäss Daten bildet sich ein Drittel derjenigen, die einen obligatorischen Schulabschluss haben, weiter. Bei den Hochschulabgängern und -abgängerinnen sind es aber mehr als 80 Prozent. Gerade auch vor dem Hintergrund der Digitalisierung ist es wichtiger denn je, dass wir auf allen Bildungsstufen in die Weiterbildung investieren und nicht nur diejenigen sich weiterbilden, die schon gebildet sind.

Wir haben bereits in der Covid-19-Pandemie, auch in Auswertungen über diese Zeit gesehen, dass gerade sehr viele Tiefqualifizierte mit niedrigen Einkommen Schwierigkeiten hatten, über die Runden zu kommen. Darum braucht es eben Wege der nachhaltigeren Erwerbsintegration und auch für einen Ausstieg aus den Tieflohnbranchen. Dazu braucht es finanzierte Aus- und Weiterbildungsoffensiven, denn gerade Menschen mit tiefen Löhnen haben zu wenig Zugang zu Aus- und Weiterbildungen. Diese Weiterbildungen müssen auch modular ausgestaltet sein. Es ist relativ offensichtlich, dass eine Verkäuferin, die auch noch Kinderbetreuungspflichten hat und schon heute bis um acht Uhr abends arbeitet, Schwierigkeiten beim Zugang zu normalen Weiterbildungsprogrammen hat.

Diese Empfehlung, die Nachqualifizierung von Frauen gezielt zu fördern, ist auch eine Empfehlung der Eidgenössischen Kommission für Frauenfragen (EKF), die diese in einem Bericht über die Auswertung der Covid-19-Massnahmen und der Situation der Frauen dargelegt hat. Die Requalifizierung oder Höherqualifizierung ist auch im Hinblick auf die Digitalisierung ein sehr wichtiger Schritt, um den digitalen Graben in diesem Land nicht zu vergrössern. Sie werden sagen: ja, die Eidgenössische Kommission für Frauenfragen! Es gibt aber auch verschiedene Studien und Akteure, die sehr wirtschaftsnah sind, die zum gleichen Schluss kommen. Die Studien sind von McKinsey, von PwC, und auch das WEF postuliert eigentlich das Gleiche: Wir haben grosses Interesse an einer Requalifizierung, einer stärkeren Qualifizierung der Menschen, die heute eben einen kleinen Bildungsrucksack auf ihrem Rücken tragen.

In der Stellungnahme des Bundesrates werden zwar sehr ausführlich alle allgemeinen Massnahmen erwähnt, die der Bund ergriffen hat, aber diese richten sich eben nicht genau an die Zielgruppe. Es wird auch auf einen sehr interessanten Bericht verwiesen, der von den Kantonen in Auftrag gegeben worden war. Dieser Bericht zeigt klipp und klar: Es gibt Lücken im System, und die Lücken bestehen auch in der Finanzierung, insbesondere in der direkten Finanzierung.

Durch die Unterstützung dieser Motion würden Sie dem Bundesrat den Auftrag erteilen, gezielt Massnahmen für die Aus- und Weiterbildung von niedrigqualifizierten Frauen zu ergreifen und die Folgerungen, die die Studien eigentlich auf den Tisch gelegt haben, dann auch konkret umzusetzen. Ich glaube, es ist im Interesse nicht nur der Wirtschaft, sondern von uns allen, dass wir hier die Requalifizierung verstärken.

Ich hoffe auf die Unterstützung für diese Motion.