Wasserfallen Flavia · Nationalrat · 2023-09-28
Wasserfallen Flavia · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-09-28
Wortprotokoll
"Guten Tag, hier spricht Ihre Krankenkasse. Wir haben gesehen, dass Sie das Präparat X einnehmen, das sich übrigens nicht so gut mit dem Präparat Y verträgt. Zum Präparat X gäbe es auch ein günstigeres Generikum."
Gleich werden Sie in den Fraktionsvoten x eingängige Beispiele dafür hören, weshalb es sinnvoll sein soll, dass die Versicherer ihre Versicherten individuell kontaktieren und beraten können. Trotz dieser Beispiele ist Vorsicht geboten, und ich möchte Ihnen mit meiner Minderheit beliebt machen, diese Möglichkeit nicht einzuführen.
Wir sollten uns einige Grundsatzfragen stellen: Ist es richtig, dass eine Krankenkasse, die nicht über Ihre Krankenakte verfügt und die weder Ihre Diagnose noch Ihre medizinische Situation kennt, Sie ungefragt medizinisch berät? Sollen die Krankenkassen jetzt auch noch medizinische Abteilungen aufbauen, damit sie ihre Versicherten beraten können? Oder ist es am Ende ein Versicherungsexperte, der mich auf eine mögliche Fehl- oder Überbehandlung hinweist? Was macht ein Patient in einem solchen Fall? Bleibt er alleine in seiner Verunsicherung zwischen der Empfehlung der Kasse und derjenigen des behandelnden Arztes?
Der Fokus der Leistungserbringer muss auf den Patienten und die Patientin gerichtet sein, ebenso wie auf das Medizinische. Gemäss Artikel 56 Absatz 1 müssen sich die Leistungserbringer in ihren Leistungen "auf das Mass beschränken, das im Interesse der Versicherten liegt und für den Behandlungszweck erforderlich ist". Es wäre meines Erachtens möglich, den Kassen diese Rolle im Rahmen alternativer Versicherungsmodelle einzuräumen. So wäre auch sichergestellt, dass die Versicherten diese Option, die Sie nun für alle einführen wollen, bewusst wählen würden.
In der Einführung einer generellen neuen Möglichkeit für die Kassen, ihre Kundinnen und Kunden medizinisch zu beraten, sehe ich jedoch mehr Gefahren als Nutzen und beantrage Ihnen deshalb im Rahmen meiner Minderheit, diesen neu eingefügten Absatz 1bis wieder zu streichen.