Wyss Sarah · Nationalrat · 2023-12-11
Wyss Sarah · Nationalrat · Basel-Stadt · Sozialdemokratische Fraktion · 2023-12-11
Wortprotokoll
Es geht hier um zwei Minderheitsanträge, die ich sehr gerne für meine Kollegin Schneider Schüttel vertrete. Verglichen mit den Millionenbeträgen von vorhin geht es bei diesen Minderheitsanträgen um kleine Beiträge.
Es geht erstens um die Leseförderung: Eine zweiprozentige Kürzung - das muss ich, glaube ich, hier drin nicht sagen - kann sehr schmerzhaft sein, sie kann insbesondere dann schmerzhaft und existenzbedrohend sein, wenn es um die Zukunft geht. Aus diesem Grund beantragen wir mit der Minderheit Schneider Schüttel, bei der Leseförderung die Kürzung von 2 Prozent nicht zu vollziehen.
Sie haben es wahrscheinlich auch in den Medien gelesen: Die Resultate der Pisa-Studie 2022 sind erschienen. Mit dem[NB]19.[NB]Platz schneidet die Schweiz im Bereich Lesen gesamthaft zwar leicht besser als in der Studie von 2018 ab, aber sie liegt immer noch weit hinter Ländern wie Finnland oder Estland. Brisant ist auch, dass es immer mehr leistungsschwache Schülerinnen und Schüler gibt. Seit 2015 ist der Anteil von 20 auf 25 Prozent gestiegen. Jeder vierte Jugendliche in der Schweiz erreicht die von der OECD definierte Mindestkompetenz nicht. Aus diesem Grund ist es zwingend notwendig, in dieses "Gold" zu investieren. Es ist auch wichtig, um die Chancengleichheit und die Chancengerechtigkeit zu fördern. Ich bitte Sie deshalb, der Minderheit Schneider Schüttel zuzustimmen und die Kürzung von 2 Prozent so nicht zu vollziehen.
Zur zweiten Minderheit Schneider Schüttel, es geht um den Kinderschutz: Die psychische Belastung der Kinder und Jugendlichen nimmt zu. Die aktuelle Situation ist besorgniserregend. Angebote zur Unterstützung sind von enormer Bedeutung für diese Kinder und Jugendlichen, aber auch für deren Eltern, für die Angehörigen. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium sagt, die psychischen Belastungen seien gegenüber 2017 gestiegen. Besonders betroffen ist die Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen. Im Speziellen sind junge Frauen davon betroffen.
Viele Kantone reagieren mit zusätzlichen Plätzen in den Kinder- und Jugendpsychiatrien und mit einer Erhöhung der Angebote. Es ist jedoch eine Multikrise. Es ist wichtig, dass wir in dieser Krise für unsere Jugendlichen auch als nationales Parlament aktiv werden und Verantwortung übernehmen. [PAGE 2292]
Genau diese Möglichkeit und Gelegenheit haben Sie heute. Der Kredit "Kinderschutz/Kinderrechte" kommt unter anderem auch der "Beratung und Hilfe 147" von Pro Juventute zugute. Es handelt sich dabei um den einzigen Beitrag, den Pro Juventute aktuell vom Bund pro Jahr erhält; dies für ein Angebot einer nationalen Anlaufstelle, die ihre Aufgabe aus der UN-Kinderrechtskonvention ableitet.
Diese Unterstützung ist dringend notwendig. Die "Beratung und Hilfe 147" von Pro Juventute verzeichnet alleine im Vergleich zum Jahr 2019 eine Steigerung des Beratungsaufwands um 40 Prozent. Hinzu kommt, dass die Gespräche intensiver sind. Die Krisenfälle dauern länger an. Deren Zahl hat sich im Vergleich zum Jahr 2019 - vor Corona - fast verdreifacht.
Ich bitte Sie, dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen die Hilfe bekommen, die sie nötig haben, indem hier auch der Bund aktiv wird. Ich bitte Sie, diesem Minderheitsantrag zuzustimmen.