Jauslin Matthias Samuel · Nationalrat · 2024-03-12
Jauslin Matthias Samuel · Nationalrat · Aargau · FDP-Liberale Fraktion · 2024-03-12
Wortprotokoll
Zu den Titelzusätzen fand im letzten Jahr eine Konsultation bei den massgebenden Akteuren in der Berufsbildungslandschaft statt. Eine deutliche Mehrheit spricht sich für die Einführung der Titelzusätze "Professional Bachelor" und "Professional Master" aus.
Als Berufsbildner und Inhaber eines kleinen Elektroinstallationsunternehmens mit rund dreissig Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist es mir ein grosses Anliegen, dass wir auch als Bundesparlament nochmals ein klares Zeichen setzen. Hier geht es nicht nur um unseren Berufsnachwuchs, sondern auch darum, Berufsleute in der Branche zu halten und weiterhin solide Handwerksarbeit anbieten zu können. Wollen wir das inländische Arbeitspotenzial erhalten, müssen wir dem Wandel in der Arbeitswelt Rechnung tragen und gegenüber Neuerungen offen sein.
Es ist notwendig und richtig, dass ein Teil der Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger den weiteren Bildungsweg via Fachhochschule wählt. Insbesondere die Industrie und Forschung greifen sehr gerne auf diese Personen zu und bieten hervorragende Berufskarrieren. Tatsache ist aber auch, dass Abgänger von Fachhochschulen selten in die Bauwirtschaft zurückkehren. Obwohl wir die Grundausbildung mitgetragen haben, stehen sie uns nicht mehr zur Verfügung. Gerade in den technisch anspruchsvollen Berufen, die einen wesentlichen Beitrag zur Vernetzung der Gebäudeautomation leisten, wird das zu gefährlichen Engpässen führen.
Wir als Gewerbler sind auf sehr gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen, die aktiv in den Betrieben mitarbeiten. In einigen Branchen braucht es eine berufsspezifische Weiterbildung, damit man einen solchen Betrieb führen kann. Bei uns in der Elektroinstallationsbranche zum Beispiel ist die Fachprüfung mit eidgenössischem Diplom obligatorisch, um überhaupt eine Installationskonzession zu erhalten. Ansonsten darf der Betrieb keine Arbeiten am Stromnetz ausführen. Früher war dafür der Begriff "Meisterprüfung" bekannt. Heute führen wir dafür den sperrigen Titel "Dipl. Elektroinstallations- und Sicherheitsexperte oder -expertin (HFPEL)".
Wenn wir nicht genügend Berufsleute auf diesen Bildungsweg bringen, fehlen uns irgendeinmal die konzessionierten Betriebe und damit auch die Handwerker. Wer führt dann bei uns zuhause noch die Reparaturen durch? Wer wird in der Industrie den entsprechenden Unterhalt ausführen?
Im Gegensatz zu den Fachhochschulen und Universitäten wird die höhere Berufsbildung und die höhere Fachprüfung zu einem wesentlichen Teil durch das Gewerbe selber organisiert und finanziert. Das Gewerbe sorgt auch dafür, dass die Weiterbildung und die praktische Arbeit Hand in Hand gehen. Bei diesen Motionen - es sind fünf - geht es schlicht und einfach darum, die Leistung dieser höheren Berufsbildung gegen aussen sichtbar zu machen.
Etwas eigenartig kommt die Haltung des Dachverbandes der Absolventinnen und Absolventen Fachhochschulen daher: Der Verband stemmt sich weiterhin gegen die Bezeichnungen "Professional Bachelor" und "Professional Master". Scheinbar hat man Angst davor, dass damit ein Abschluss an der Fachhochschule abgewertet wird. Oder vertritt man in diesen Kreisen tatsächlich die Meinung, dass man nach der Jagd nach Bologna-Punkten unvergleichlich besser arbeitet als Kandidatinnen und Kandidaten, die sich der traditionellen beruflichen Weiterbildung gewidmet haben?
Wer sich wirklich für das Gewerbe einsetzt, unterstützt heute alle fünf Motionen. Damit setzen Sie ein klares Zeichen, dass Sie an die duale Berufsbildung glauben. Damit helfen Sie jungen Leuten dabei, stolz und tagtäglich in der Funktion als "Professional Bachelor" oder "Professional Master" für unsere Wirtschaft direkt an der Basis motiviert mitzuwirken. Setzen Sie ein deutliches Zeichen zur Aufwertung des dualen Bildungssystems; setzen Sie ein Zeichen für die Berufslehre; und setzen Sie ein Zeichen für die höhere Berufsbildung.