Gredig Corina · Nationalrat · 2024-05-29
Gredig Corina · Nationalrat · Zürich · Grünliberale Fraktion · 2024-05-29
Wortprotokoll
Andere Länder haben Rohstoffe wie beispielsweise Erdöl, die Schweiz hingegen ist ein rohstoffarmes Land. Zu Recht und mit Stolz weisen wir immer wieder darauf hin, dass Bildung der entscheidende Rohstoff für den Erfolg der Schweiz ist. Allerdings sind Bildung und unser ausgezeichnetes Bildungssystem nicht einfach gottgegeben und vom Himmel gefallen. Vor vier Generationen bot die Schweiz ein komplett anderes Bild, als wir es heute kennen.
Die Schweiz war lange Zeit ein mausarmes Land, und bis zum Jahr 1888 hatte sie einen negativen Wanderungssaldo. Die Schweiz war also ein Auswandererland. In jener Zeit [PAGE 860] gab es sogar einen Artikel in der Bundesverfassung, der die Auswanderung steuerte - heute kaum mehr vorstellbar. Mit der Industrialisierung kam die Wende; die Wirtschaft begann zu wachsen. Ein bedeutender Grund für dieses Wachstum war die kontinuierliche Investition in die Köpfe, in die Bildung. Es wurde erkannt, dass gut ausgebildete Fachkräfte notwendig sind, um die technischen und organisatorischen Herausforderungen der industriellen Revolution zu bewältigen. Dies war die Geburtsstunde des dualen Bildungssystems, das bis heute ein Erfolgsmodell ist.
In der Schweiz hat dieses System, das theoretische Ausbildung an Berufsschulen und praktische Ausbildung in Betrieben kombiniert, eine lange Tradition. Es ermöglicht den Jugendlichen schon früh, praktische Erfahrungen zu sammeln und gleichzeitig eine fundierte schulische Bildung zu erhalten. Wir hören es immer wieder, wenn wir ins Ausland gehen: Das duale Bildungssystem wird international als Vorbild betrachtet. Viele Länder versuchen, etwas Ähnliches zu implementieren.
Auch auf unsere Hochschullandschaft können wir zu Recht stolz sein. Unsere Hochschulen entsprechen den höchsten Standards und geniessen weltweit hohes Ansehen. Institutionen wie die ETHZ oder die EPFL gehören zu den besten der Welt und ziehen Talente aus der ganzen Welt an. Diese Bildungsstätten tragen wesentlich zur Innovationskraft des Landes bei, indem sie sowohl Grundlagenforschung machen als auch angewandte Wissenschaft auf höchstem Niveau betreiben.
Die kontinuierliche Verbesserung und Anpassung des Bildungssystems an die Bedürfnisse der Gesellschaft und der Wirtschaft ist essenziell. Gerade in Zeiten der Digitalisierung und, damit verbunden, der sich rasch wandelnden Arbeitswelt ist es wichtig, dass das Bildungssystem flexibel bleibt und neue Entwicklungen aufgreifen kann. Initiativen zur Förderung der Mint-Fächer - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik -, der Weiterbildung und des lebenslangen Lernens sind daher von grosser Bedeutung.
Es ist klar, dass Bildung nicht nur ein individueller Vorteil ist, sondern eben ein gesellschaftlicher Wert. Eine gut gebildete Bevölkerung kann die Herausforderungen der Zukunft besser meistern. Daher müssen wir weiterhin in die Bildung investieren, so, wie das auch vor vier Generationen gemacht wurde. Wir müssen sie fördern und dafür sorgen, dass unsere Bildungslandschaft auch auf höchstem Niveau bleiben kann.
Abschliessend möchte ich betonen, dass die Schweiz trotz ihrer geografischen und rohstofflichen Begrenzungen immer wieder gezeigt hat, dass Wissen und Bildung die mächtigsten Werkzeuge sind, um Wohlstand und Fortschritt zu sichern. Diese Erkenntnis muss uns antreiben, um auch in Zukunft mit Entschlossenheit und eben auch mit Weitblick in unsere Bildungssysteme zu investieren. Genau mit dieser Brille wird die Grünliberale Fraktion die BFI-Botschaft behandeln.
Die Grünliberale Fraktion wird auf die Vorlage eintreten und im Sinne einer moderaten Erhöhung der Investitionen in das Bildungssystem und in unsere Forschung überall der Kommissionsmehrheit folgen.