AB 338927
Prelicz-Huber Katharina · Nationalrat · Zürich · Grüne Fraktion · 2024-05-29
Wortprotokoll
Ich spreche jetzt zu verschiedenen Minderheiten, immer vor dem Hintergrund des Konzepts einer Zunahme der Mittel um 2,5 Prozent. Es geht um die Berufsbildung, um Beiträge an Fachprüfungen, um Beiträge für Studierende, um Weiterbildung, um Ausbildungsbeiträge, auch an die Kantone, die ETH, die Unis sowie die Fachhochschulen, und teilweise um die nötigen Bauprojekte und sonstigen Projekte. Eine 2,5-prozentige Erhöhung ist eine breit abgestützte Forderung der Praxis und eine Forderung seitens der Kantone. Es geht dabei nur, aber immerhin, um den Erhalt des Status quo mit gleichbleibender Qualität, unter Berücksichtigung der höheren Zahl von Studierenden und der Teuerung. Die Bildung - da gibt es anscheinend keine Meinungsdifferenz - ist die Ressource, die wir in der Schweiz haben. Warum dann nicht mehr finanziert wird, da wir hier einen hohen Return on Investment haben, verstehen wir nicht.
Lebenslanges Lernen ist heute zentral. Die Technologie ist dauernd in Entwicklung. Wir müssen dranbleiben, wollen wir nicht abgehängt werden. Und selten ist es heute so, dass jemand von Beginn des Berufslebens bis zur Pensionierung den gleichen Job ausübt. Viele Berufe gibt es schon gar nicht mehr. Zentral ist auch bei uns, wie wir das gehört haben, als Basis eine gute Berufsbildung. Zuerst wird die Lehre absolviert, danach besteht die Möglichkeit der Weiterqualifizierung über höhere Fachschulen oder Fachhochschulen. Wichtig ist [PAGE 864] ihre Nähe zur Praxis, was in der Wirtschaft sehr gefragt ist. Wir haben hier also eine riesige Erfolgsgeschichte. Trotzdem gibt es Nachholbedarf.
Das Ziel des Bundes, dass 95 Prozent der jungen Menschen mindestens eine Lehre absolviert haben sollen, haben wir nicht erreicht. Und was ist mit den restlichen 5 Prozent? Auch diese sollen eine gute Perspektive haben und anschliessend weiterführende Ausbildungen an höheren Fachschulen oder Fachhochschulen oder Weiterbildungen für Erwachsene. Auch hier gibt es ein grosses Potenzial, das nicht wirklich genutzt wird. Viele Arbeitnehmende möchten sich weiterbilden, können aber nicht. Das liegt nicht an ihrer fehlenden Eigeninitiative, sondern sehr oft ist die Aus- und Weiterbildung zu teuer. Sie wird leider auch nicht überall von den Arbeitgebenden unterstützt, weil vor allem gut Qualifizierte gefördert und weniger gut Qualifizierte leider zu wenig gefördert werden.
Etwa ein Drittel der Hochqualifizierten arbeitet in Tieflohnbereichen. Auch da gibt es ein riesiges Potenzial. Es bräuchte Arbeitsplatzstipendien, die auch die Existenz sichern. Bei der Nachqualifizierung wäre also viel Potenzial da, um den Fachkräftemangel und die Armut zu bekämpfen.
Genauso dringend ist eine Erhöhung der Mittel für die Universitäten, die Fachhochschulen und die ETH um 2,5 Prozent. Wollen wir top bleiben, braucht es Investitionen. Damit geht natürlich auch eine Erhöhung der Kantonsbeiträge um 2,5 Prozent einher. Ich appelliere gleichzeitig an die Kantone, ebenso ihre Investitionen zu erhöhen, nicht zuletzt mit Stipendien. Es gibt bis jetzt praktisch keine Kantone, die auch existenzsichernde Stipendien für Erwachsene anbieten.
Wir wollen mit unserem Minderheitsantrag den Erhalt des Status quo, die Qualität garantieren. Wir wollen keinen Abbau, sondern, wenn schon, einen Ausbau. Dazu braucht es eine Topinfrastruktur; hier soll da nicht gespart werden. Die Betreuungsquote ist zu hoch, und wir wollen sicher keine Begrenzung der Studierendenzahlen, wie es an der EPFL bereits diskutiert wird. Dann käme es wieder zu Folgendem: noch ungleichere Chancen, noch mehr Selektion und damit weniger Fachkräfte, die wir aber dringend in allen Bereichen brauchen.
Den Antrag auf überproportionales Sparen bei der ETH verstehen wir nicht. Wir rühmen uns mit ihrer Topqualität, ihrem Toprating. Das soll für uns so bleiben, inklusive des dafür nötigen Geldes. Vermögensabbau ist gut, da ist die ETH aber dran. Dass man zusätzlich 100 Millionen Franken einsparen will, verstehen wir nicht.
Wir brauchen den Ausbau um 2,5 Prozent zum Erhalt des Status quo. Hier zu wenig zu investieren, schadet nur der Schweiz, denn wir profitieren sowohl von den Hochschulen wie von den Studierenden.
Wir bitten Sie, den Minderheitsanträgen Prelicz-Huber zuzustimmen.