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Engler Stefan · Ständerat · 2024-06-11

Engler Stefan · Ständerat · Graubünden · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-06-11

Wortprotokoll

Ich unterstütze selbstverständlich auch die Minderheit und möchte, ohne das vom Kommissionssprecher bereits Gesagte zu wiederholen, noch auf zwei, drei Punkte aufmerksam machen.

Warum kann man darauf kommen, jetzt das Kartellgesetz in diesem Punkt anzupassen? Der Grund ist der, dass auf eine Anfrage bei der Weko nicht mit Sicherheit geantwortet werden konnte, dass ein solches Financial Fairplay kartellrechtlich unbedenklich sei. Wenn man sich hier also absichern möchte und Rechtssicherheit schaffen will, geht es gar nicht anders, als eine Ausnahme ins Kartellgesetz zu schreiben.

Wir wurden ja auch von zwei Clubs angeschrieben, die das im Unterschied zu den anderen zwölf Clubs, die das unterstützen, gar nicht so sehen. Es wurde gesagt, das sei gar kein Problem, es würde ja eine ausgeglichene Liga bestehen. Ich glaube, es ist ausserordentlich blauäugig, wenn man behauptet, dass die schweizerische Eishockey-Nationalliga sehr ausgeglichen sei. In Tat und Wahrheit gibt es Clubs aus wirtschaftlich schwächeren Regionen, die eigentlich nie eine Chance haben, am Wettbewerb um den Schweizer Meistertitel teilzunehmen. So war der HC Ajoie in den letzten drei Jahren regelmässig auf einem der letzten Plätze zu finden. Clubs wie die SCL Tigers aus Langnau oder auch der HC Ambri-Piotta aus der Leventina schaffen es kaum einmal in die Halbfinals, und das hat sehr wohl mit den unterschiedlichen Verhältnissen dieser Clubs zu tun.

Letztlich geht es im Rahmen dieses Financial-Fairplay-Systems, das eingeführt werden soll, eigentlich nur darum, den wirtschaftlichen Vorteil der Spitzenclubs sehr moderat zu reduzieren. Auch nach Einführung des Financial-Fairplay-Systems werden die Spitzenclubs über deutlich mehr finanzielle Mittel verfügen als die Clubs aus den ärmeren Regionen.

Das sei auch gesagt: Mein Interesse ist dasjenige eines Zuschauers. Ich bin seit dreissig Jahren Inhaber eines Abonnements des HCD und begeisterter Fan des Eishockeysports. Ich bin in kein Gremium eingebunden. Ich bin auch daran interessiert, dass eine spannende Meisterschaft stattfindet, und bin überzeugt davon, dass Financial Fairplay hier einen Beitrag leisten kann.

Es wurde in der Diskussion auch gesagt, das könnte dem schweizerischen Spitzensport international Wettbewerbsnachteile verursachen. Ich glaube, das Gegenteil ist richtig: Mit dem angedachten System könnten die Clubs der schweizerischen Nationalliga vermehrt Gelder in die defizitäre Nachwuchsförderung investieren und auch die Entwicklung des ebenso defizitären Fraueneishockeys vorantreiben. Die Schweiz bezahlt heute die höchsten Löhne in Europa und wird diese auch nach Einführung des Financial-Fairplay-Systems bezahlen. Würde man indessen den ärmeren Clubs etwas mehr finanziellen Spielraum gewähren, so könnten diese auch in den entsprechenden Regionen die Förderung der defizitären Sparten weiter professionalisieren.

Kollege Regazzi hat es auf den Punkt gebracht. "Eismeister" Zaugg, das ist einer der profiliertesten Eishockeyjournalisten unseres Landes, hat es eigentlich auch vorgezeichnet, indem er gesagt hat: 1993 konnte Kloten mit einem Gesamtbudget von 3 Millionen Franken Schweizer Meister werden. Heute benötigt es ein Budget von mindestens 20 Millionen Franken, um um den Meistertitel kämpfen zu können. 5 Millionen Franken entsprechen heute dem Budget eines Clubs in der Swiss League - das ist die zweite Kategorie der Eishockeymannschaften in der Schweiz -, dem Budget des EHC Visp oder eines ähnlichen Vereins in dieser Liga.

Wir greifen hier also nicht in ein System ein, sondern setzen nur den Rahmen, damit die Liga das von sich aus beschliessen kann. Ich bin auch nicht der Meinung, dass das gegen die Interessen der Spieler verstösst. Es ist mitunter sogar im Interesse derjenigen, die nicht Spitzenverdiener in der Eishockeyliga sind, die Obergrenzen zu kennen.

Insoweit sehe ich hier eigentlich mehr Vor- als Nachteile und bitte Sie auch, die Minderheit zu unterstützen. [PAGE 547]