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Wirz-von Planta Christine · Nationalrat · 2003-06-02

Wirz-von Planta Christine · Nationalrat · Basel-Stadt · Liberale Fraktion · 2003-06-02

Wortprotokoll

Herr Hämmerle, der ja schliesslich mit mir verwandt ist, hat den Wolf als Märchenfigur dargestellt, und Frau Teuscher hat uns sehr schöne Märchen erzählt. Aber es entzieht sich nun wirklich meiner Kenntnis, ob Sie auch folgende Geschichte kennen:

Es spazierte einmal ein Schaf über die Weide und stand vor einem Wolf. Es fragte ihn: "Wolf, warum willst du denn auf die Liste der geschützten Tiere?" Da antwortete der Wolf: "Damit ich dich besser fressen kann!" - und aus war es mit dem Schaf. Diese Geschichte wiederholte sich 49 Mal. Ich kann nur sagen: Zum Glück sind wir keine Schafe!

Wir profitieren zwar von der Schafwolle, essen Schafkäse und sehen auch ein Schafskotelett lieber auf unserem Teller als auf der Menükarte des Wolfes. Die Produkte, die aus der Schafhaltung gewonnen werden, gewinnen an Bedeutung, und dies besonders seit der BSE-Krise. Schafzüchter und Schafhalter leben vom Ertrag dieser Tiere, und ich kann gut begreifen, dass sie sich gegen das uns vorliegende "Wolfskonzept Schweiz" wehren.

Übrigens, Herr Hämmerle, der Handel mit Mäusefellen und Mäusefleisch ist wirklich noch kein lukratives Geschäft, und da liegt eben ein grosser Unterschied! Schliesslich sind es wir Menschen, die den Wolf vor 130 Jahren vertrieben haben, und das wird auch Gründe gehabt haben. Wir haben uns die Natur zunutze gemacht und dabei nicht mehr mit dem Wolf gerechnet. Es sind die Schafe, die sich heute um die Restlandnutzung kümmern, und was passiert, wenn die Schafhaltung aufgegeben wird? Natürlich gehen jedes Jahr viele Schafe aufgrund von Unfällen und Krankheiten verloren, aber das ist doch kein Grund, das Schaf einfach weiteren Gefahren auszusetzen! Der Wolf sieht im Schaf - das wurde gesagt - nicht nur eine Nahrungsquelle, sondern er reisst gleich mehrere Schafe; das entspricht seinem natürlichen Jagdtrieb.

Wir alle haben Briefe von Schafzüchtern erhalten, und es war kein einziger dabei, der sich für den Wolf ausgesprochen hat. Wer sich jetzt also nicht hinter die Motion Maissen stellt, vertritt 70 Prozent einer Bevölkerung, die in der Stadt lebt und die in ihrer Umgebung nie einen Wolf sehen wird ausser im zoologischen Garten.

Natürlich ist die Idee, den Wolf heimisch werden zu lassen, bestechend; ich könnte mich sogar mit einem Bären anfreunden. Aber der grösste Teil unserer Landschaft ist nicht natürlich gewachsen; der Baumbestand unserer Wälder entspricht längst nicht mehr dem ursprünglichen Baumbestand. Alles in allem haben wir eine von Menschenhand geschaffene Landschaft, in der das Rad nicht mehr zurückgedreht werden kann. Wir haben doch wirklich schon genug mit den bei uns heimischen Tierarten zu tun: Wir bauen für die Fische Treppen in die Schleusen; wir unterhalten im Winter Futterkrippen für das Wild; wir helfen Fröschen über die Strasse; wir schützen den Erdbockkäfer; wir retten Igel; wir bauen Stationen für die Störche und haben den Luchs ausgesetzt. Und jetzt möchten wir auch noch zum Wolf Sorge tragen. Es geht wirklich nicht darum, jeden Wolf abzuschiessen. Der Wolf ist ein unbestritten schönes und auch elegantes Tier. Aber das "Wolfskonzept Schweiz", das uns vorliegt, ist wirklich zu large. Schafe sind auch Tiere und haben ein Recht auf Schutz.

Wir Liberalen stellen uns mehrheitlich auf die Seite der Schafe und können uns mit dem vorliegenden Konzept - es ist ein Wolf-im-Schafspelz-Konzept - nicht einverstanden erklären. Wir sind für die Überweisung der Motion Maissen. Sollte sie nicht überwiesen werden, was passieren könnte, unterstützen wir die Überweisung des Postulates UREK-NR.

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