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Christ Katja · Nationalrat · 2024-06-12

Christ Katja · Nationalrat · Basel-Stadt · Grünliberale Fraktion · 2024-06-12

Wortprotokoll

Mutter Erde beschenkt uns mit schier unerschöpflicher Wärme. Reden wir über diesen Hidden Champion, den man nicht riecht, hört oder sieht: die Geothermie. Sie ist umweltfreundlich, ständig und bei jedem Wetter verfügbar, braucht kaum Fläche, ist kaum sichtbar und ist schier unerschöpflich. Sie hat das Potenzial, unsere Abhängigkeit und damit den Import von fossilen Brennstoffen signifikant zu reduzieren. Die Wertschöpfung bleibt somit bei uns. Bisher haben wir uns vorwiegend auf die Stromproduktion konzentriert. Doch es ist an der Zeit, unseren Blick zu erweitern und die immense Kraft, die unter unseren Füssen ruht, zu erkennen und zu nutzen.

50 Prozent unseres Energiebedarfs brauchen wir für Wärme, und Wärme schlummert im Boden und kann genutzt werden. Insbesondere das in mittleren Tiefen vorhandene warme Wasser bietet eine nahezu unerschöpfliche Energiequelle, die für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt werden kann, vom Heizen von Quartieren und grösseren Stadtgebieten über die Versorgung von Gewerbe und Industrie mit Wärme oder Kälte bis hin zur Unterstützung der Landwirtschaft. Auch kann im Untergrund Energie gespeichert und die Wärme des Sommers im Winter genutzt werden. Mit der mitteltiefen Geothermie haben wir den richtigen Schlüssel zur Wärmewende in der Hand, jetzt und im Übermass.

Warum verbrennen wir zum Heizen immer noch Dinge, wenn wir doch die fertige Wärme unter unseren Füssen haben? Regionen wie Paris und München haben dieses Potenzial bereits erkannt und nutzen es erfolgreich, während es in der Schweiz mit Ausnahme der Geothermieanlage in meiner Heimatgemeinde Riehen im Kanton Basel-Stadt sowie einer Anlage für Gewächshäuser in Schlattingen im Thurgau weitgehend unerschlossen bleibt. Dies ist eine verpasste Gelegenheit; solche Gelegenheiten zu verpassen, können wir uns nicht länger leisten.

Die abschlägige Stellungnahme des Bundesrates auf mein Postulat zeigt auf, was alles bereits gemacht wird. Doch ist es wichtig, dass diese losen Elemente in der von mir geforderten Roadmap zu einem Ganzen zusammengefügt werden. Erst so kann von einem effizienten und planmässigen Vorgehen seitens des Bundes gesprochen werden, denn es fehlen ein Mechanismus zur Deckung des naturgegebenen Fündigkeitsrisikos, eine Führung und Anreize seitens des Bundes zum Aufbau eines kollektiven Know-hows unter den verschiedenen Stakeholdern und zur Harmonisierung der Bewilligungsverfahren, eine finanzielle Unterstützung zur Entwicklung des Marktes sowie ein Fahrplan zur Beschleunigung der direkten Nutzung der Geothermie. Hinzu kommt die Tatsache, dass die geologischen Verhältnisse nicht[NB]den[NB]kantonalen[NB]Grenzen[NB]folgen[NB]und unterschiedliche Verfahren in den Kantonen eine hemmende Wirkung haben. Der Bund kann und muss eine gewisse Federführung übernehmen, um die transkantonale Koordination zu beschleunigen.

Der Aktionsplan würde dem Parlament zudem mit einer ganzheitlichen Sicht aufzeigen, wo das Thema Geothermie in der Schweiz steht und welche hemmenden Faktoren mit welchen Anspruchsgruppen gelöst werden könnten, damit die Möglichkeiten der Geothermie für das Erreichen der gesteckten Klimaziele genutzt werden könnten.

Die Zeit zu handeln ist jetzt. Wir haben die Ressource unter unseren Füssen, wir haben die Technologie für ihre Gewinnung, und es besteht das Potenzial für ihre Nutzung. Was uns fehlt, ist der kollektive Wille und die Unterstützung auf allen Ebenen, um diese Chance zu ergreifen und eine nachhaltigere, saubere Zukunft für uns alle zu schaffen. Es ist Zeit, die Wärme aus der Erde zu holen und der Geothermie Flügel zu verleihen.

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