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Weichelt Manuela · Nationalrat · 2024-06-12

Weichelt Manuela · Nationalrat · Zug · Grüne Fraktion · 2024-06-12

Wortprotokoll

Unsere Kinder sind unsere Zukunft, und es ist unsere Verantwortung, ja, es ist unsere Pflicht, ihnen den bestmöglichen Start in ein gesundes Leben zu ermöglichen. Ich fordere Sie deshalb auf, gemeinsam mit der Allianz Ernährung und Gesundheit für die Einführung einer zuckerfreien Babynahrung einzutreten.

Verschiedene Organisationen sind Mitglied der Allianz Ernährung und Gesundheit, unter anderem die Krebsliga Schweiz, verschiedene landwirtschaftliche Zentren, Pädiatrie Schweiz, Public Health Schweiz, die Schweizerische Herzstiftung, die Schweizerische Zahnärztegesellschaft, die Stiftung für Konsumentenschutz sowie viele Verbände aus dem Ernährungsbereich. Die Allianz Ernährung und Gesundheit gab Ihnen in der ersten Sessionswoche die Möglichkeit, sich in der Galerie des Alpes über den Zucker in der Nahrung und die von ihm verursachten gesundheitlichen Schädigungen zu informieren.

Die frühkindliche Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die körperliche und geistige Entwicklung unserer Kinder. Ein überhöhter Zuckerkonsum kann gemäss einer Fülle von epidemiologischen Untersuchungen und klinischen Interventionsstudien mit einem erhöhten Risiko für viele verschiedene Erkrankungen in Zusammenhang gebracht werden: Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Blutfett-Stoffwechselstörungen, Gicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Leberverfettung, um nur einige zu nennen.

Ich habe erst kürzlich von einem Hepatologen gelesen, der jeden Tag in der Klinik nichtalkoholische Leberverfettung bei Kindern diagnostiziert - die Folge einer Kombination aus Bewegungsmangel und dem Verzehr ungesunder Snacks, Lebensmittel und Getränke. Viele der beschriebenen Erkrankungen können durch intensive medikamentöse und nichtmedikamentöse Behandlungen gemildert oder teilweise geheilt werden. Allerdings sind die Beeinträchtigung der Lebensqualität und die durch diese Erkrankungen entstehenden Kosten enorm. [PAGE 1244]

Die ersten Lebensmonate und -jahre legen den Grundstein für die zukünftigen Ernährungsgewohnheiten. Je früher Kinder mit freiem Zucker in Kontakt kommen, desto eher entwickeln sie eine Präferenz für den süssen Geschmack. Kinderärztinnen und -ärzte empfehlen deshalb, den Konsum von Zucker so früh wie möglich zu reduzieren, um eine erhöhte Appetenz nachhaltig zu verringern. Ausserdem wirkt Zucker auf das Belohnungszentrum im Gehirn. Er hat eine ähnliche Wirkung auf das Gehirn wie Drogen und somit Suchtpotenzial. Die Erhebung der Schweizer Konsumentenorganisationen von 2022 ergab Folgendes ... (Glocke und Zwischenruf des Präsidenten: Darf ich Sie bitten, noch zuzuhören - das ist der letzte Vorstoss. Besten Dank!) Danke. 94 Prozent der Lebensmittel, deren Verpackungsdesign sich an Kinder richtet, entsprechen nicht den Ernährungskriterien der WHO. Ausserdem - ich weiss nicht, ob Sie das wissen - gibt es in der Schweiz keine ungesüssten Kindergetränke. Leider verbergen sich in vielen handelsüblichen Babyprodukten noch immer unnötige und schädliche Zuckerzusätze.

Ich erlaube mir noch einen Hinweis an die Frau Bundesrätin bzw. an das zuständige Amt. (Zwischenruf des Präsidenten: Können wir uns einigen, dass wir jetzt noch zwei Minuten still sind? Dann ist das viel angenehmer für die Rednerin und für alle, die im Saal anwesend sind. Bitte noch zwei, drei Minuten, und dann kommen wir zur Abstimmung. Bitte, Frau Weichelt, Sie haben das Wort.) Danke. Der Bundesrat erwähnt das Modell für Nährstoffprofile für Produkte für 6- bis 36-monatige Säuglinge bzw. Kleinkinder der WHO. Er begründet seinen Antrag auf Ablehnung der Motion mit dem Verweis auf dieses Modell. In der im Modell enthaltenen WHO-Empfehlung stehen jedoch genau die gleichen Worte wie in meiner Motion. Aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt lautet die WHO-Empfehlung: "Kein Zusatz von freien Zuckern oder Süssstoffen, einschliesslich von Mono- und Disacchariden, Sirup, Nektar und Honig, Fruchtsäften und Fruchtkonzentraten [...] sowie Süssstoffen ohne Zucker." Es ist an der Zeit, diese Richtlinien auch zu übernehmen.

Sie sehen, dass in einer zuckerfreien Babynahrung grosses Potenzial zur Förderung der Gesundheit steckt. Eine Zuckerreduktion führt nicht zuletzt auch zu Einsparungen von Gesundheitskosten. Packen wir also die Gesundheitskosten an der Wurzel an und nicht erst dann, wenn die Leute schon krank sind.

Ich komme zum Schluss. Lassen Sie uns Verantwortung übernehmen: Schützen wir unsere Kinder, und ermöglichen wir ihnen einen gesunden Start ins Leben!

Ich bitte Sie deshalb, meiner Motion 23.3183, "Ein gesunder Start ins Leben", zuzustimmen und damit ein Zeichen für die Zukunft unserer Kinder zu setzen.