Gysi Barbara · Nationalrat · 2024-06-13
Gysi Barbara · Nationalrat · St. Gallen · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-06-13
Wortprotokoll
Vielleicht erinnern Sie sich an die RSV-Welle im Winter 2022/23. In ganz Europa waren die Kinderspitäler am Anschlag. Die Infektion mit dem Respiratorischen Synzytial-Virus kann vor allem für Babys und Kleinkinder so gefährlich sein, dass sie ins Spital müssen.
Die Pflege der kleinen Patientinnen und Patienten ist extrem komplex und aufwendig. In schweren Fällen werden sie invasiv beatmet und unter Umständen über eine Magensonde ernährt. Alle Werte müssen konstant überwacht werden. Dazu müssen die Pflegenden auch die zu Recht besorgten Eltern betreuen. Ich muss hier nicht speziell auf den Mangel an Pflegefachpersonen aufmerksam machen. Er ist eben auch in der Kinderkrankenpflege sehr gross.
Bei der Motion, die ich von meiner Kollegin und der heutigen Ständerätin Flavia Wasserfallen übernommen habe, geht es darum, dass die Pflegenden auch so ausgebildet werden, dass sie in allen Bereichen kompetent arbeiten können, wenn sie die Ausbildung abgeschlossen haben. Das ist die Idee hinter der generalistischen Ausbildung, wie sie seit 2002 für die Pflegeberufe vorgesehen ist. Für die Pflege von Kindern und Jugendlichen braucht es spezifisches Wissen über die Physiologie und Pathologie von Kindern und Jugendlichen, über die Betreuung des Familiensystems und über vieles mehr. Doch pädiatrisches Basiswissen wird weder in der Lehre der Fachpersonen Gesundheit noch in den Studiengängen Pflege HF und FH systematisch vermittelt oder gar geprüft. Folglich haben die ausgebildeten Pflegenden trotz des generalistischen Anspruches kaum oder nur oberflächliches Wissen im Umgang mit Babys, Kindern und Jugendlichen.
In seiner Ablehnung der Motion argumentiert der Bundesrat kurzsichtig mit der Zuständigkeit der Branche und der Berufsverbände. Damit stiehlt sich der Bundesrat aus der Verantwortung, und das geht nicht. Er überwälzt die Kosten für die praktische Ausbildung des Pflegepersonals in der Pädiatrie an die Kinderspitäler, die chronisch unterfinanziert sind und Defizite im zweistelligen Millionenbereich schreiben. Er delegiert die Verantwortung für die Bildung an die Pflegenden in den Kinderspitälern selber, die schon jetzt über eine immense Arbeitsbelastung klagen. Der Bundesrat delegiert aber auch die Kosten an die Pflegenden, indem diese gefälligst selber für ihre Spezialisierung aufkommen sollen. Darüber hinaus verschärft der Bundesrat die Situation in den Kindernotfallstationen, die Sicherheitspersonal anstellen müssen, weil Eltern wegen der langen Wartezeiten aggressiv werden. Das trägt dann dazu bei, dass noch mehr Pflegende den Beruf verlassen.
Die Menschen in diesem Land haben ein Recht darauf, die Pflege zu erhalten, die sie brauchen. Dazu gehören auch Menschen zwischen 0 und 18 Jahren. Darum rufe ich Sie dazu auf, die Motion anzunehmen und so dafür zu sorgen, dass in allen Bereichen kompetente Pflegefachpersonen vorhanden sind - auch in der Pädiatrie. Vielen Dank für die Unterstützung dieses Vorstosses.