Roth Franziska · Ständerat · 2024-06-13
Roth Franziska · Ständerat · Solothurn · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-06-13
Wortprotokoll
Ich bedanke mich beim Bundesrat für die Beantwortung des Postulates. Ich muss leider aber auch hier feststellen, dass der Bundesrat in seiner Antwort nicht oder nur teilweise auf die Fragen, die ich im Postulat gestellt habe, eingeht. Wie wir wissen, gibt es in der Schweiz immer mehr junge Frauen mit psychischen Problemen und immer weniger Geburten. Ich vermute, dass es zwischen den psychischen Problemen und der sinkenden Geburtenzahl einen Zusammenhang gibt. Ich bin mir aber bewusst, dass die Thematik vielschichtig ist und dass es mehrere Gründe gibt, welche zum Sinken der Geburtenzahl beitragen.
Der Bundesrat schreibt, dass die niederschwellige Betreuung und Beratung durch Hebammen und die Mütter- und Väterberatung 90 Prozent aller Geburten abdecken. Dies hat für das Erkennen einer depressiven Störung in der postnatalen Zeit [PAGE 635] eine Bedeutung. Die Fachpersonen von Gynécologie Suisse haben mir aber bestätigt, dass trotz der Mütter- und Väterberatung postnatale Depressionen massiv unterdiagnostiziert sind. Auch wurde mir mitgeteilt, dass die ambulante und die stationäre Versorgung ungenügend seien. Was nützen Diagnosen, wenn es nachher an Behandlungsmöglichkeiten fehlt? Und ist ein Symptom besser als eine klare Diagnose? Die Risikofaktoren im Inland zu kennen und Massnahmen ergreifen zu können, damit Depressionen verhindert oder gemildert werden können, ist doch zentral. Und darum geht es in meinem Postulat.
Mit dem Postulat ist der Auftrag verbunden, spezifische Probleme der postnatalen Depression näher zu erforschen, Risikofaktoren in der Schweiz zu erkennen und niederschwellige Behandlungslösungen vorzuschlagen, die sich in einzelnen Kantonen und im Ausland bereits bewährt haben. Übrigens sind auch Männer von postnataler Depression betroffen - das ist wissenschaftlich nachgewiesen. Ich möchte auch betonen, dass es für das Neugeborene schädliche Folgen mit Langzeitwirkung haben kann, wenn die junge Mutter psychisch krank ist und nicht oder zu spät behandelt werden kann. Mit dem Postulat soll diese Lücke zumindest teilweise geschlossen werden.
Ich habe mich auf die Lektüre des Berichtes gefreut, den der Bundesrat in Erfüllung des Postulates Fehlmann Rielle 19.3910, "Gesundheit der Frauen. Bessere Berücksichtigung ihrer Eigenheiten", am 15.[NB]Mai 2024 publiziert hat. Enttäuschend ist, dass die Themen Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett im Bericht gänzlich fehlen. Ich denke, da haben wir 100 Prozent Übereinstimmung, dass es eine Eigenheit von uns Frauen ist, dass wir schwanger werden und Kinder gebären können. Wir sollten als Parlament und als Gesellschaft ein gutes Umfeld für Schwangerschaft und Elternschaft schaffen, weil Kinder unsere Zukunft sind. Es braucht Massnahmen, damit schwangerschafts- und geburtsbezogene Ängste und depressive Störungen abgebaut werden können. Es trifft also überhaupt nicht zu, dass die Problematik der postnatalen Depression gelöst ist und ein Postulatsbericht "keinen substanziellen Beitrag" leisten könnte. Ganz im Gegenteil: Das Postulat kann im Idealfall dazu beitragen, dass psychischen Krisen, die mit einer Geburt verbunden sind, begegnet werden kann, dass sie vermindert, gelindert oder gar vermieden werden können. Und man kann mit einer Annahme des Postulates indirekt dazu beitragen, dass wieder mehr Kinder auf die Welt kommen.
Diese Chance, finde ich, sollten wir packen, und wir sollten das Postulat annehmen.