Hegglin Peter · Ständerat · 2024-09-23
Hegglin Peter · Ständerat · Zug · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2024-09-23
Wortprotokoll
Ihre WAK hat die Motion Schneider Meret 22.4552, "Stärkung der Direktvermarktung", am 1.[NB]Juli 2024 vorberaten. Die Motion war am 16.[NB]Dezember 2022 eingereicht und ist vom Nationalrat am 12.[NB]März 2024 angenommen worden. Die Motion beauftragt den Bundesrat, Massnahmen zu ergreifen, die Bauernbetrieben den Einstieg in die Direktvermarktung vereinfachen. Vorgeschlagen werden finanzielle Anreize, die Erschliessung von Absatzkanälen wie öffentlichen Verpflegungseinrichtungen oder der Abbau von Hürden in Bezug auf lebensmittelrechtliche Anforderungen bei der Nährwertangabe, die ein unverhältnismässiges Mass an Bürokratie mit sich bringen. Mit 9 zu 3 Stimmen beantragt Ihnen die Kommission, die Motion abzulehnen, und zwar aufgrund der nachfolgenden Überlegungen.
In den letzten Jahren hat die Direktvermarktung in der Schweiz an Bedeutung gewonnen. Viele landwirtschaftliche Betriebe nutzen diese Möglichkeit, um Verbraucherinnen und Verbrauchern ihre Produkte direkt zu verkaufen. Zu den häufigsten direkt vermarkteten Produkten gehören frisches Obst und Gemüse, Fleisch, Milchprodukte, Eier, Backwaren und verarbeitete Lebensmittel. Die Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten legen grossen Wert auf regionale und saisonale Produkte, was der Direktvermarktung zugutekommt. Viele Städte und Gemeinden betreiben Märkte, auf denen lokale Produzenten ihre Waren anbieten können. Es gibt auch Initiativen und Plattformen, die die Verbindung zwischen Landwirten und Verbrauchern fördern. Ein zunehmendes Interesse an nachhaltigen und ökologischen Produkten hat auch die Direktvermarktung gefördert. Viele Verbraucher möchten wissen, woher ihre Lebensmittel stammen, und unterstützen lokale Betriebe.
In den letzten Jahren hat der Online-Verkauf von Lebensmitteln ebenfalls zugenommen. Das ermöglicht es Landwirten, ihre Produkte einem breiteren Publikum anzubieten.
Die Zahl der Betriebe, die in der Direktvermarktung tätig sind, ist von 7084 Betrieben im Jahr 2010 auf 12[NB]676 Betriebe im Jahr 2020 gestiegen. Das ist fast eine Verdoppelung, oder, anders gesagt, fast jeder vierte Bauernhof verkauft Lebensmittelprodukte ab Hof. Trotzdem beträgt der Marktanteil nur gute 6 Prozent, also unter 10 Prozent. Es dürfte schwierig sein, diesen Prozentsatz bzw. diesen Marktanteil zu verbessern. Denn obwohl immer mehr Betriebe [PAGE 865] in die Direktvermarktung einsteigen, wird sie nur bei wenigen Landwirten zu einem zentralen Standbein. Die Verarbeitung und die Direktvermarktung über Hofladen und Wochenmarkt sind sehr arbeitsintensiv und müssen, um rentabel zu sein, hochprofessionell betrieben werden. Zudem sind auch die[NB]Präsenz,[NB]die[NB]Erreichbarkeit und die Produktvielfalt ein Erfordernis. Für einen Liter Milch oder sechs Eier eine kilometerlange Anreise in Kauf zu nehmen, ist weder ökonomisch noch ökologisch.
Wenn Betriebe in die Direktvermarktung einsteigen wollen, gibt es schon heute mehrere sehr gute Instrumente. So unterstützt der Bund die Direktvermarktung über Bereiche der Strukturverbesserung, wie Projekte zur regionalen Entwicklung, über die Absatzförderung, über die Förderung der Qualität und der Nachhaltigkeit im Agrar- und Lebensmittelsektor sowie über die landwirtschaftliche Beratung. Weitere mögliche Massnahmen zur Verbesserung und Unterstützung des Direktverkaufes wären dann im Rahmen der Weiterentwicklung der Agrarpolitik zu prüfen. So beauftragt die Motion WAK-S 22.4251, "Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik. Konkretisierung des Konzepts", den Bundesrat, dem Parlament bis Ende 2027 eine Botschaft zur Weiterentwicklung der AP 2030 zu unterbreiten. Die gesetzlichen Grundlagen für die Unterstützung des Direktverkaufs sind also vorhanden. Eine Weiterentwicklung wird im Rahmen der AP 2030 plus geprüft.
Daher beantragt Ihnen die Mehrheit der Kommission, die Motion abzulehnen. Die Minderheit Sommaruga Carlo vertritt die Meinung, es brauche zur Förderung der Direktvermarktung eine offensivere Strategie des Bundesrates, unter anderem angesichts der breiten Unterstützung, die im Nationalrat für das Anliegen ausgesprochen wurde.
Ich danke Ihnen für die Unterstützung des Antrages der Mehrheit.