Hübscher Martin · Nationalrat · 2024-09-26
Hübscher Martin · Nationalrat · Zürich · Fraktion der Schweizerischen Volkspartei · 2024-09-26
Wortprotokoll
Gerne gebe ich Ihnen meine Interessenbindung bekannt: Wir bewirtschaften als Familie einen Milchwirtschaftsbetrieb, und ich bin Verwaltungsratspräsident der Genossenschaft mooh mit über 3600 Milchproduzentinnen und Milchproduzenten.
Mit der Motion möchte ich den Bundesrat beauftragen, die Wertschöpfung in der Milchproduktion im Rahmen der AP 2030 zu verbessern. Gerne gebe ich Ihnen fünf Gründe bekannt, wieso diese Motion wichtig ist.
1.[NB]Die landwirtschaftliche Nutzfläche in der Schweiz besteht zu zwei Dritteln aus Grünflächen. In der Milchwirtschaft wird für den Menschen unverdauliches Gras zu hochwertigen Nahrungsmitteln wie Milch und Fleisch umgewandelt und nutzbar gemacht. Die Milchproduktion trägt somit wesentlich zur Ernährungssicherheit bei. Rund ein Drittel aller Betriebe in der Schweiz hat Milchwirtschaft. Die Milchwirtschaft ist gerade in den klassischen Grünlandgebieten stark vom Strukturwandel betroffen. Gleichzeitig bringt die Milchwirtschaft die höchste Wertschöpfung aus dem Grünland. Die Wichtigkeit der Milchwirtschaft für die Schweizer Landwirtschaft und für die Ernährungssicherheit anerkennt auch der Bundesrat.
Nun, in den Auswertungen von Agroscope erreichen Milchwirtschaftsbetriebe regelmässig die tiefsten Arbeitsverdienste. Im Bericht in Erfüllung des Postulates 21.4585 vom 1.[NB]März 2024 legt der Bundesrat die effektive Einkommenssituation der Bauernfamilien detailliert dar. Nach Betriebstypen erreichten reine Milchwirtschaftsbetriebe in den Jahren 2015 bis 2021, und jetzt hören Sie gut zu, Stundenlöhne zwischen Fr.[NB]11.27 und Fr.[NB]13.85. Allein diese Zahlen, die weit unter den von Gewerkschaften geforderten Mindestlöhnen liegen, müssten für die Annahme dieser Motion Grund genug sein.
2.[NB]Milchviehbetriebe sind in unseren klassischen Grünlandgebieten zuhause, wo aus klimatischen, topografischen oder bodenspezifischen Gründen kein Ackerbau möglich ist. Der Strukturwandel war aber bei den Milchwirtschaftsbetrieben in den vergangenen zwanzig Jahren doppelt so stark wie bei den übrigen Betrieben. In einigen Talschaften sind wir bald unter der kritischen Schwelle für eine flächendeckende Pflege der Kulturlandschaft. Die Anzahl der Milchkühe ist in der Schweiz seit 1990 um über einen Drittel von rund 850[NB]000 auf 530[NB]000 gesunken.
3.[NB]Mit dem Grünen Teppich hat die Schweizer Milchbranche aus Eigeninitiative innerhalb von fünf Jahren einen Nachhaltigkeitsstandard flächendeckend umgesetzt, um sich gegenüber durchschnittlichen Importprodukten abzuheben. Die Motion unterstützt demnach auch die Eigeninitiative der gesamten Schweizer Milchbranche. Die Milchwirtschaft bietet nicht nur die höchste Wertschöpfung aus dem Grünland, sie bringt auch die höchste Effizienz bezüglich CO2. Wird nämlich Milch und Fleisch produziert, haben wir die beste Effizienz. Wir erhalten nicht nur wertvolle Proteine, sondern auch essenzielle Fettsäuren und viel Kalzium. Milch und Milchprodukte haben nicht umsonst auch in der Ernährungspyramide ihren festen Platz.
Ganz zu schweigen von der Unterstützung der Kreislaufwirtschaft - auch für alle, die sich gerne vegan ernähren: Sie wissen bestimmt noch nicht, dass eine Kuh aus den Reststoffen für ein Glas Hafermilch ein weiteres Glas Kuhmilch produzieren kann.
4.[NB]Die Milchwirtschaft ist mit der Öffnung der "gelben Linie" im Rahmen der bilateralen Verträge mit der EU besonders gefordert. Rund die Hälfte der Schweizer Milch hat absolut keinen Grenzschutz mehr gegenüber der EU. Die als flankierende Massnahmen eingeführten Kompensationen mit der Verkäsungszulage sind noch immer gleich hoch wie bei der Einführung vor über zwanzig Jahren, obwohl sich der Schweizerfranken gegenüber dem Euro während dieser Zeit sehr stark aufgewertet hat. Dadurch ist die gesamte Branche besonders gefordert. Wie Sie sicherlich der Presse entnehmen konnten, sind auch einige milchverarbeitende Betriebe besonders gefordert. Die Motion soll helfen, damit wir auch zukünftig stolz auf unsere Schweizer Milchschokolade mit Rohstoffen aus Schweizer Milch sein können.
5.[NB]Genau jetzt ist der richtige Zeitpunkt: Mit Annahme der Motion 22.4251, "Bericht zur zukünftigen Ausrichtung der Agrarpolitik. Konkretisierung des Konzepts", beauftragte das Parlament den Bundesrat, eine Botschaft zur künftigen Agrarpolitik auszuarbeiten. Die nachhaltige Stärkung der Wertschöpfung in der Landwirtschaft ist dabei eine zentrale Stossrichtung der künftigen Ausrichtung der Agrarpolitik. Aktuell laufen die Vorarbeiten dazu. Mit Annahme dieser Motion geben wir dem Bundesrat die Gelegenheit, das Anliegen in die Gesamtrevision aufzunehmen, um nicht später einen Flickenteppich zu haben.
Ich danke Ihnen, wenn Sie der Motion zustimmen.