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Zybach Ursula · Nationalrat · 2024-12-05

Zybach Ursula · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2024-12-05

Wortprotokoll

Frau Nationalratspräsidentin, zuerst noch ganz herzlichen Dank für das wunderbare Fest von gestern.

Ich spreche über ein Thema, das Ihnen vielleicht zu medizinisch, zu technisch vorkommt. Aber ich spreche im Namen einer Minderheit, die möchte, dass wir in der Schweiz weniger Tote haben. Wir verzeichnen jährlich ungefähr 300 Todesfälle wegen Resistenzen gegenüber Antibiotika. Stellen wir uns das vor: Seit Sessionsbeginn am Montag haben wir in der Schweiz vier Todesopfer zu beklagen. Es ist eine stille Problematik, die wir kaum hören, die aber eine unglaubliche Auswirkung hat. Bakterien können sich so[NB]anpassen,[NB]dass[NB]Antibiotika nicht mehr wirken können. Resistent werden somit nicht Menschen, sondern Bakterien. Solche Bakterien können eine Behandlung verlängern oder sogar verhindern.

Man kann sagen, dass Antibiotika eine wichtige Waffe im Kampf gegen viele bakterielle Infektionskrankheiten sind. Bei Resistenzen können Ärztinnen und Ärzte Menschen nicht mehr vor den häufigsten Infektionskrankheiten, zum Beispiel Blutvergiftungen oder Lungenentzündungen, schützen, vor allem diejenigen, die aufgrund einer chronischen Erkrankung ein grosses Problem mit ihrem Immunsystem haben, zum Beispiel wegen Chemotherapien, also krebskranke Personen, oder auch Menschen, die wegen chirurgischer Eingriffe geschwächt sind.

Mit "Antibiotikaresistenz" wird die Fähigkeit einiger Bakterien bezeichnet, sich anzupassen und der Wirkung von Antibiotika zu widerstehen. Antimikrobielle Resistenz (AMR) - deshalb auch diese Abkürzung im Budget - führt zum Wirksamkeitsverlust bei Antibiotika und anderen Substanzen gegen Pilze, Viren und Parasiten. Es ist eine nationale, aber auch eine globale Problematik. AMR gehört zu den zehn grössten globalen Gesundheitsgefahren. Weltweit sind etwa 1,3 Millionen Todesfälle auf durch AMR verursachte Infektionen zurückzuführen. In der Schweiz geht man davon aus, dass jedes Jahr 300 Todesfälle wegen dieser Resistenzen auftreten. [PAGE 2127]

Gemäss einer neuen Studie der OECD wird AMR in der Schweiz bis im Jahr 2050 jährlich durchschnittlich 100 bis 400 Millionen Franken direkte Gesundheitskosten verursachen. Es geht hier also nicht nur um Todesfälle, sondern auch darum, dass es kostet. Die Studie, die die OECD gemacht hat, schätzt, dass man pro in diese Massnahmen investierten Franken etwa 6 Franken einsparen kann. Das heisst, dass wir einen riesigen Return on Investment haben.

Ich komme zur Ressourcensituation beim BAG: Der Bund und das BAG im Besonderen engagieren sich seit mehreren Jahren im Kampf gegen diese Entwicklung von Resistenzen. Die Intensivierung einzelner Aktivitäten bedingt einen erhöhten Bedarf an finanziellen und personellen Ressourcen. Für die Umsetzung der Strategie gegen die Antibiotikaresistenzen mittels eines One-Health-Aktionsplans - auch die Tiermedizin hat hier natürlich eine ganz wichtige Rolle - entsteht bei den beteiligten Ämtern ein Mittelbedarf von jährlich 3,7 Millionen Franken; es sind insgesamt vier Ämter, die sich hier beteiligen. Mit dem Entwicklungsrahmen hat der Bundesrat einzig dem BLV, befristet für die Jahre 2025 bis 2027, zusätzliche Mittel in der Höhe von rund 0,9 Millionen Franken gesprochen. Zudem konnten beim BAG und beim BLW und auch durch Einsparungen in anderen Projekten zusätzliche Mittel von insgesamt 1 Million Franken zugunsten des Programms gegen Antibiotikaresistenzen kompensiert werden.

Trotz dieser Massnahmen werden nicht alle Aktivitäten realisiert werden können, die nötig wären, um eben wirksam gegen Antibiotikaresistenzen vorzugehen. Da sich die Schweiz in der Phase der akuten Bewältigung von Antibiotikaresistenzen befindet, kann eine Verschlechterung in der AMR-Krise in der Schweiz nur mit umfassenden und sofortigen Massnahmen verhindert werden. Um diese zu realisieren, braucht das BAG für die Jahre 2025 bis 2027 dringend 1,8 Millionen Franken pro Jahr. Wenn wir daran denken, dass jeder Franken, den wir hier investieren, etwa 6 Franken Return on Investment bringt, dann sehen wir, dass wir über einen Nutzen von 10 Millionen Franken sprechen.

Ich weiss, dass Sie das Budget nicht erhöhen möchten. Es geht hier um 1,8 Millionen Franken und jedes Jahr um 300 Tote in der Schweiz - um täglich einen Toten, eine Tote. Das heisst, dass wieder jemand an Antibiotikaresistenzen sterben wird, während wir heute hier sind.

Helfen Sie mit, dafür zu sorgen, dass das BAG die nötigen Mittel hat, um aktiv dagegen vorzugehen.

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