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Zryd Andrea · Nationalrat · 2025-03-11

Zryd Andrea · Nationalrat · Bern · Sozialdemokratische Fraktion · 2025-03-11

Wortprotokoll

Einen Dienst zum Wohlbefinden der Gesellschaft zu leisten, ist auch uns wichtig, und es ist auch richtig, aber nicht in der verpflichtenden Form, wie es die Initiative einfordert.

Die Freiwilligenarbeit ist in der Schweiz traditionell gut verankert; aber immer häufiger werden Gründe angegeben, um eben nicht freiwillig in den Dienst eines Vereins einzutreten, sich bei der Care-Arbeit oder auch in niederschwelligen politischen Ämtern zu engagieren, weil die Arbeitsbelastung zu hoch ist. Wir sind überzeugt, dass eine mässige Reduktion der Arbeitslast bei vollem Lohn wieder mehr Menschen zur freiwilligen Arbeit bewegt. So fordern wir, das Bundesgesetz über die Arbeit in Industrie, Gewerbe und Handel, das Arbeitsgesetz, unter Artikel 9 anzupassen. So soll die wöchentliche Höchstarbeitszeit für Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in industriellen Betrieben sowie für Büropersonal, technische und andere Angestellte mit Einschluss des Verkaufspersonals in Grossbetrieben und des Detailhandels von 45 auf 38 Stunden gesenkt werden. Für alle anderen Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen soll die Höchstarbeitszeit von 50 auf 45 Stunden gesenkt werden. Neu wäre die wöchentliche Arbeitszeit so zu gestalten, dass sie eine ausgewogene Balance zwischen Erwerbstätigkeit, Erholung und gesellschaftlicher Teilhabe gewährleistet. Sie darf in der Regel auf maximal viereinhalb Arbeitstage verteilt werden, ohne dass eine Reduktion des bisherigen Lohnniveaus erfolgt. Auch neu ist, dass der Bundesrat Ausnahmen und besondere Bestimmungen regelt, insbesondere für Branchen mit Schicht- oder Nachtarbeit sowie für Betriebe mit spezifischen betrieblichen Anforderungen.

Dieser indirekte Gegenvorschlag trägt den Zielen der Service-citoyen-Initiative durchaus Rechnung, indem er eine verkürzte Arbeitswoche von maximal 38 bzw. 45 Stunden einfordert, die auf viereinhalb Arbeitstage verteilt würden. Diese Massnahme schafft mehr Raum für gesellschaftliches Engagement sowie persönliche Entwicklung und Erholung, ohne das Lohnniveau zu senken. Damit wird der soziale Zusammenhalt gefördert und den Bedürfnissen der modernen Gesellschaft Rechnung getragen. Im Unterschied zur Initiative, die einen verpflichtenden Bürgerdienst vorsieht, setzt der Gegenvorschlag auf Freiwilligkeit und Flexibilität. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erhalten mehr Zeit, um sich [PAGE 261] freiwillig in die Gesellschaft einzubringen. Durch die gezielte Anpassung des Arbeitsgesetzes bleibt die Balance zwischen Arbeitswelt und Freizeit gewährt, ohne persönliche Freiheiten einzuschränken oder die Wirtschaft unverhältnismässig zu schwächen.