Rösti Albert · Bundesrat · 2025-03-19
Rösti Albert · Bundesrat · Bern · 2025-03-19
Wortprotokoll
Der Bund als Eigner der SBB steht natürlich auch betreffend internationale Verbindungen regelmässig mit ihnen in Kontakt. Er erwartet, dass die internationalen Personenverkehre gemäss den strategischen Zielen, die festgeschrieben sind, gestärkt werden und die SBB so ihre Marktstellung stärken. Die SBB sollen den Zugang zum europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz verbessern sowie Verbindungen zu wichtigen Wirtschafts- und Tourismuszentren sicherstellen. Diese Leistungen müssen aber profitabel sein; ich glaube, das versteht sich von selbst.
Das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Regionen der Schweiz ist dem Bundesrat ein wichtiges Anliegen; wir wollen keine Region vernachlässigen. Gemäss der bundesrätlichen Strategie soll bei der Anbindung in Italien das Angebot sowohl auf der Gotthardachse als auch auf der Simplonachse erweitert werden. Ich habe dafür am 6.[NB]Juli des vorletzten Jahres mit meinem italienischen Amtskollegen, Minister Matteo Salvini, ein Memorandum of Understanding unterzeichnet. Darin ist bis 2035 eine Taktverdichtung auf beiden Achsen, also auch auf der Simplonachse, vorgesehen. Längerfristig geht der Bundesrat in seiner Perspektive Bahn 2050 generell vom Potenzial einer Verdoppelung der Zahl der internationalen Verbindungen aus. Sie haben es selbst gesagt, die SBB gehen in diese Richtung und prüfen im Moment auch die Anschaffung von eigenem Rollmaterial für internationale Verbindungen.
Über das Rollmaterial im internationalen Verkehr entscheiden letztlich die SBB selbst; der Bundesrat hat dazu keine Befugnis. Auf der Simplonachse ist aufgrund des aktuellen Fahrplans der Einsatz von Neigezügen des Typs Astoro erforderlich. Die auf der Gotthardachse eingesetzten Züge vom Typ Giruno verfügen nicht über diese Technik und können deshalb nicht am Simplon eingesetzt werden. Technisch wäre es grundsätzlich möglich, die Astoro-Züge in Doppeltraktion mit doppelter Kapazität zu fahren. Dies bedingt aber, dass an allen Haltebahnhöfen die Perrons lang genug sind. Die Betriebsplanung während des bevorstehenden Umbaus des Bahnhofs Lausanne zeigt, dass für die ausserhalb des normalen Taktes verkehrenden Eurocity-Züge der Halt in[NB]Lausanne[NB]während längerer Zeit nur an kurzen Perrons möglich sein wird. Das verhindert im Moment eine Doppeltraktion. Aber es ist klar, man will das langfristig entsprechend ändern.
In diesem Sinne bedauert der Bundesrat die längeren Fahrzeiten zwischen Genf und Mailand. Diese sind aktuell notwendig, um Verspätungen aus Italien auszugleichen und die Auswirkungen auf die Pünktlichkeit im Inlandverkehr abzufedern. Mit dieser Massnahme wollen die SBB und Trenitalia kurzfristig eine sowohl für die Kundschaft als auch für den Betrieb unbefriedigende Situation verbessern. Wir erwarten aber mittelfristig von den Bahnbetreibern in beiden Ländern, dass sie die Fahrzeiten wieder reduzieren und auch attraktiver gestalten.