Würth Benedikt · Ständerat · 2025-09-08
Würth Benedikt · Ständerat · St. Gallen · Die Mitte-Fraktion. Die Mitte. EVP. · 2025-09-08
Wortprotokoll
Ich möchte vor allem Kollege Stark für sein ausgezeichnetes Votum danken, weil er die Sache wieder richtig eingeordnet hat. Wir reden ja in der Bildungssystematik seit Jahren von der Tertiär-A- und der Tertiär-B-Stufe. Hier geht es nun eben um die Tertiär-B-Stufe. Wir reden hier vom "Professional Bachelor", also nicht vom Bachelor. Wo gibt es denn hier eine Verwässerung? Es ist heute eher schwierig, den Überblick zu behalten, wenn Sie die verschiedenen Abschlüsse und Titel sehen. Das hier gibt eigentlich Klarheit und Logik in dieses Bachelor-System.
Ich möchte aber nicht wiederholen, was Kollege Stark gesagt hat, sondern Ihnen einfach etwas grossräumiger in Erinnerung rufen, wo wir mit der Bildungslandschaft Schweiz stehen. Wir haben in der Kommission vor zwei Jahren den Bildungsbericht, ein dicker Wälzer, angeschaut und ihn mit Professor Wolter, dem Verfasser des Bildungsberichtes, diskutiert. Es ist leider ernüchternd: Wir stellen fest, dass die Berufsbildung unter Druck, im Rückwärtsgang ist. Das hat schon auch mit den Kriterien zu tun, die bei der Berufswahl eine Rolle spielen. Da geht es unter anderem um die Frage der Bezeichnung; es geht auch um die Frage der Ferien usw. Vergleichen Sie einfach mal die Kosten für die Berufsmaturität an einer Fachhochschule mit den Kosten, wenn man eine Ausbildung an einer höheren Fachschule macht. Da gibt es eklatante Unterschiede. Das sind entscheidungsrelevante Punkte. Da muss man sich nicht wundern, wenn schlussendlich der klassische Berufsbildungsweg mit dem Motto "Kein Abschluss ohne Anschluss!" - das ist ja das Erfolgsmodell der Schweiz - nicht mehr das ist, was wir uns wünschen, obwohl wir von links bis rechts in allen Sonntagsreden unser System rühmen. Wir müssen es nicht schönreden: Es ist deutlich unter Druck.
Wir empfangen jeweils nach den Swiss Skills - jetzt im September starten sie wieder - hier im Bundeshaus die Siegerinnen und Sieger. Es gibt nicht nur einen Apéro, sondern es ist immer auch ein inhaltlicher Austausch vorgelagert. Ich war jetzt zwei-, dreimal dabei bei diesem Austausch, und es kommen eigentlich immer wieder die gleichen Themen auf den Tisch: Einführung von Talentklassen, Finanzierungsfragen, und jedes Mal kommt das Thema Titeläquivalenz auf. Wir sind hier älteren Datums - also nicht alle, aber ich zähle mich auch zu den Boomern -; hören wir doch auf die Jugendlichen, verstehen wir die heutige Arbeitswelt, die heutige Bildungswelt, nehmen wir diese Anliegen, die regelmässig an uns herangetragen werden, ernst.
Es sind nämlich weitere Projekte im Anzug, welche Druck auf die Berufsbildung ausüben. Ich erwähne die praxisintegrierten Bachelorstudien: Dort haben die Fachhochschulen ein grosses Feld entdeckt, um zu wachsen. Ich habe ja nichts gegen diesen Bildungswettbewerb, aber ich habe etwas gegen die Verlustängste, die bei dieser Frage der Titel immer wieder geschürt werden.
Wenn wir mal etwas Mutiges tun wollen für die Berufsbildung, dann haben wir es jetzt in der Hand. Es geht hier letztlich um die Frage der Positionierung der Berufsbildung. Konzentrieren wir uns nicht einfach nur auf Sonntagsreden, darauf, wie toll unsere Berufsbildung ist, sondern tun wir heute auch etwas dafür.